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ELGA im Spital

ELGAIn den IT-Abteilungen der Spitalsgesellschaften gibt es derzeit ein beherrschendes Thema: die Vorbereitungen für die Elektronische Gesundheitsakte ELGA. Auch wenn der Start nun verschoben worden ist.

Der Start der lange diskutierten ELGA verzögert sich. Sollten ursprünglich die ersten Krankenhäuser Mitte dieses Jahres mit dem Testbetrieb starten und Anfang 2015 die ersten Befunde in das System stellen, wird das nun erst Ende nächsten Jahres passieren. Der weitere Zeitplan mit der Teilnahme der niedergelassenen Ärzte und Apotheken ab Mitte 2016 bleibt unverändert. Länder, Krankenkassen und Gesundheitsministerium haben das Ende Juni beschlossen, teilte der Minister in der Folge mit. Demnach einigte sich die ELGA-Generalversammlung aller Teilnehmer darauf, dass die Krankenhäuser in Kärnten, Oberösterreich, Steiermark, Tirol und Wien sowie die Spitäler der AUVA schrittweise ab Ende 2015 mit ELGA arbeiten sollen. Bis Mitte 2016 werden dann alle öffentlichen Krankenhäuser ELGA nutzen. Ab diesem Zeitpunkt können auch die Patienten ihre eigenen Befunde aus den Spitälern einsehen.

Teilweise startklar

Dabei sind die Kliniken teilweise schon startklar. Man sei im Zeitplan, sagt etwa Kages-Vorstand DI Dr. Werner Leodolter im CliniCum-Interview. „Wir sind bereit für einen Testbetrieb im Herbst.“ Generell sei man derzeit mit zwei Aufträgen des Landes Steiermark beauftragt: den Betrieb der „Affinity Domain“ der Steiermark als Plattformdomain und das Krankenhausinformationssystem (KIS) der Kages ELGA-fit zu machen. Die Gesundheitsakte soll zwar dezentral organisiert sein (siehe „Fragen zu ELGA“), viele Krankenanstaltgesellschaften legen sich aber eigene „Affinity Domains“ als Plattform zu. In der Steiermark sind alle Kliniken hier angebunden mit Ausnahme der Ordensspitäler der Barmherzigen Brüder und Barmherzigen Schwestern, die eigene Plattformen aufbauen. Funktionalitäten sind dabei ein Patientenindex, ein Dokumentenindex, ein Index des Gesundheitsdienstanbieter, ein Datenrepository, ein Berechtigungssystem, ein Protokollierungssystem sowie ein Portal und Schnittstellen für das Lesen und Einstellen von Dokumenten.
Derzeit drehe sich alle Aufmerksamkeit der unmittelbar Betroffenen auf die inhaltliche und technische Umsetzung der ELGA-Komponenten selbst wie etwa die „Affinity Domain Infrastrukturen“, sagt ein IT-Anbieter. Kaum jemand überlege, wie bestehende Investitionen wie die vorhandenen ITSysteme in Kliniken, Krankenhäusern oder Arztpraxen dann tatsächlich an diese neuen Infrastrukturen angedockt werden, die ELGA mit sich bringen wird. Leodolter sieht sich allerdings auch hier im Terminplan. „Die Vernetzung der Kages-Kliniken untereinander gibt es schon lange. Wir arbeiten auch daran, nun ELGA für die Beschäftigten in den täglichen Arbeitsablauf einzubinden.“

Unterschätzte Rolle

Das sei auch ein zentrales Element, heißt es aus einem bei vielen Kliniken eingebundenen Softwarehaus. ELGA werde weitgehend als Herausforderung für die Krankenhaus-IT gesehen. Doch der Schein trügt: der eigentliche Sinn von ELGA sei Prozessoptimierung und dadurch Qualitätsverbesserung und Kostensenkung. „IT ist lediglich das Werkzeug, um dies umzusetzen“, so der Experte hinter vorgehaltener Hand. Insbesondere spielen erforderliche organisatorische Anpassungen eine weitgehend unterschätzte Rolle. Hier gilt es, auf Basis der heute im Krankenhaus etablierten Abläufe und unterstützenden Workflows eine lückenlose Analyse notwendiger Prozesskorrekturen zu definieren. In den meisten Fällen werde dieses Unterfangen allerdings mangels Transparenz der aktuellen Prozesse unterschätzt. Klarheit über die Ausgangssituation und Gegenüberstellung mit den vom Gesetzgeber definierten zukünftigen Anforderungen ist einer der Schlüssel zum Erfolg.“

Sicherheit überprüfen

ELGA-Geschäftsführerin Dr. Susanne Herbek erklärt die Verschiebung des Starts für die Spitäler damit, dass man noch verschiedene technische Komponenten sowohl zentral als auch bei den verschiedenen Krankenhausverbünden einrichten müsse. Außerdem wolle man noch die Sicherheit mehrfach überprüfen und Tests sowohl die Sicherheit als auch die Performance des Systems betreffend durchführen.
Nicht zuletzt, weil Kritiker dem System laufend vorwerfen, nicht sicher zu sein. Die Tests sollen mit künstlichen Daten im Herbst 2014 beginnen und Krankenhaus für Krankenhaus bis ins Jahr 2016 laufen, schildert Herbek. Dabei würden alle zukünftigen Funktionalitäten wie der Austausch von Spitalsentlassungsbriefen und die e-Medikation detailliert geprüft. „Qualität und Sicherheit stehen bei ELGA an oberster Stelle“, betonte Hauptverbands-Chef Mag. Dr. Hans Jörg Schelling nach der Sitzung bei der ELGA-Generalversammlung. Deshalb mache es Sinn, sich mehr Zeit zu nehmen.

Tabelle

Patient Summary

Herbek verweist auch auf einen Kulturwandel, der bei den Ärzten notwendig werde, weil diese sich bei der Befunderstellung umstellen müssen. Mit ELGA müssen die Befunde nicht nur interaktiv, sondern auch standardisiert geschrieben werden, betont auch Leodolter. Das werde aber noch länger dauern und erst in einer weiteren Entwicklungsstufe des Systems greifen. „Die erste Version ist die einfache Abbildung eines Arztbriefes. Das läuft bereits. Standardisierte Abbildungen kommen später.“ Das wird aber der Kern des Systems – das Patient Summary, in dem Ärzte dann elektronisch leicht alle Daten entsprechend sichten können. Das funktioniere erst, wenn alle Inputs standardisiert erfolgen.
Anders formuliert: Es dauert noch länger, bis so viele Daten im System sind, dass es greift. Denn mit dem Start wird erst begonnen, Daten zu erfassen. Alte Daten, die bisher in Kliniken oder bei Ärzten gespeichert sind, werden nicht ins System übernommen. Das wäre aufgrund der unterschiedlichsten alten Systeme technisch gar nicht umsetzbar.

Autor: Martin Rümmele

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