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NSAR und Magenschutz

Bei Herrn B. kommen gleich mehrere Risikofaktoren für gastrointestinale Komplikationen zusammen. Zeit für einen MM-Check. (Pharmaceutical Tribune 12/2018) 

1 MM-Check für Herrn B.

  • Mit Thrombo® ASS und Sertralin finden sich bereits zwei blutungsfördernde Arzneimittel in der Medikation von Herrn B., was einen Risikofaktor auch für gastrointestinale Komplikationen darstellt. Das fortgeschrittene Alter des Patienten erhöht dieses Risiko ebenfalls.
  • In der Fachinformation von Aprednislon® findet sich der Hinweis auf eine erhöhte Blutungs- und Ulcusgefahr im Magen- Darm-Trakt durch Kombination des Corticosteroids mit Salicylaten (Thrombo®ASS). Während die alleinige Gabe eines Glucocorticoids nicht zwingend die Verordnung eines PPI erfordert, ist dies bei Komedikation mit ASS sehr wohl der Fall.
  • Tebofortan® besitzt zwar die Indikation Vertigo, die Anwendung von Ginkgo ist aber in den AWMF-Leitlininen „Hörsturz“ nicht enthalten und der Benefit nicht ganz klar. In Herrn B.s Fall ist überdies zu bedenken, dass hochdosierter Ginkgo eine weitere blutungsfördernde Komponente darstellen würde.
  • Die Anwendung von Ibuprofen ist hier in mehrfacher Hinsicht problematisch:
  • Einerseits würde das zusätzliche NSAR mit ASS und Sertralin das gastrointestinale Komplikationsrisiko weiter erhöhen, die ulcerogene Wirkung von Prednisolon steigert das Risiko einer GI-Blutung nochmals.
  • Andererseits besteht durch Ibuprofen die Gefahr der Wirkungsabschwächung von ASS, wenn nicht korrekte Einnahmeabstände eingehalten werden (Einnahme von ASS entweder eine halbe Stunde vor Ibuprofen oder 8 Stunden danach).
  • Die Anwendung von NSAR kann die Wirkung von Antihypertonika (Ramipril) abschwächen.
  • Empfehlung:

    • In Herrn B.s Fall ist ein neuerlicher Arztbesuch bzw. ärztliche Rücksprache dringend erforderlich. Aufgrund der Komedikation zum Glucocorticoid sollte zumindest für die Dauer der Hörsturztherapie ein PPI in halber Standarddosierung als „Magenschutz“ verordnet werden, um gastrointestinale Komplikationen hintanzuhalten.
    • Da aufgrund von Herrn B.s fortgeschrittenem Alter, der Einnahme mehrerer blutungsfördernder Arzneistoffe und gelegentlicher NSAR-Anwendung auch darüber hinaus eine Risikokonstellation besteht, kann überdies eine kontinuierliche PPI-Einnahme diskutiert werden.
    • Da die Anwendung von Ibuprofen in mehrfacher Hinsicht nicht ideal ist, sollte auch bezüglich eines geeigneten Schmerzmittels der Arzt zurate gezogen werden. Für akute Schmerzen kann Paracetamol abgegeben werden.
    • Das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Ginkgo sollte aufgrund der geschilderten Umstände ebenfalls vom Arzt beurteilt werden.

    2 FAQs NSAR

    ? Wann wird normalerweise ein „Magenschutz“ (PPI in halber Standarddosis) zu einem NSAR verordnet?

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