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Vorarlberg: viel Herzblut und kurze Wege

Anfang 2018 hat die Caritas im ehemaligen Sanatorium Mehrerau das stationäre Hospiz am See mit zehn Betten eröffnet. Nach einer Vorlaufzeit von fast zehn Jahren wurde damit ein wichtiger Baustein in der Palliativ- und Hospizversorgung des Landes ergänzt. Die erste Bilanz ist sehr positiv. (krebs:hilfe! 11/19)

„Wir haben mit dem Hospiz am See ein letztes Zuhause für Schwerkranke geschaffen“, berichtet Dr. phil. Karl Bitschnau, MAS, Leiter Hospiz Vorarlberg. Dass die Patienten hier Gäste heißen, sei Programm, schließlich sollen sie medizinisch und menschlich umsorgt werden. Neben den zehn Einbettzimmern gibt es einen großzügigen Gemeinschaftsraum, Therapieangebote und Angebote für die Angehörigen. 2018 verzeichnete das Hospiz 98 Gäste, 84 Prozent mit einer onkologischen Erkrankung im Endstadium. Die meisten Gäste waren von einem Krankenhaus zugewiesen worden und verbrachten im Schnitt 25 Tage im Hospiz. Das stationäre Hospiz war damit bereits im ersten Jahr gut ausgelastet. Zusätzlich wurde 2019 die Palliativstation im Landeskrankenhaus Hohenems auf 16 Betten aufgestockt. „Damit sind wir im stationären Bereich gut aufgestellt“, sagt Bitschnau.

Hospizversorgung im Plan

Bitschnau: „Die Palliativteams sind noch nicht im Plan.“

Schwerpunkt in der Palliativ- und Hospizbetreuung sind aber weiter die mobilen Teams, um Schwerkranke möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung zu betreuen. Die sechs mobilen Hospizteams und das Kinderhospizteam (HOKI) decken mit insgesamt 227 ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und -begleitern das gesamte Land ab. Das mobile Palliativteam und das stationäre Hospiz am See werden jeweils zu 95 Prozent vom Landesgesundheitsfonds gefördert, für die Hospizteams übernimmt der Sozialfonds rund zwei Drittel des Finanzierungsbedarfs. Der Rest finanziert sich aus Spenden, Förderbeiträgen und Kostenersätzen wie einem Selbstbehalt für einen Aufenthalt im Hospiz – derzeit 56,40 Euro pro Tag. Dennoch sei die Finanzierung nicht immer einfach. „Die Startfinanzierung war sehr herausfordernd, noch herausfordernder ist die Finanzierung des laufenden Betriebs. Wir sind nicht Hightech, sondern Hightouch, also sehr personalintensiv. Das bedeutet aber hohe laufende Kosten“, berichtet Bitschnau und betont, dass der Kostendruck auch eine gute Seite hätte: „Wir haben viel Eigenengagement und sehr viel Herzblut in den Aufbau der Palliativ- und Hospizversorgung gesteckt.“

Kurze Wege

Charakteristisch für Vorarlberg sind schlanke Strukturen. Im Hospiz am See etwa sind auch die Büros von drei Hospizteams sowie das HOKI-Team untergebracht und Bitschnau selbst ist als Leiter von Hospiz Vorarlberg auch Mitarbeiter der Caritas. „Es gibt mit der Caritas und der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft nur zwei Träger für die spezialisierte Hospiz- und Palliativversorgung, die zudem eng miteinander verknüpft sind. Das macht die Wege kürzer“, erklärt Bitschnau. Auch die Kontakte zu den Pflegeheimen und zur Hauskrankenpflege sind gut ausgebaut.

Leuchtturmprojekt in Pflegeheimen

Vorn dabei ist Vorarlberg im Bereich der Ausbildung. 2000 wurde im Bildungshaus Batschuns der erste interprofessionelle Palliativ-Basislehrgang abgeschlossen, nur Wien war früher dran. 2004 begann Vorarlberg mit der Integration der Palliativ- und Hospizbetreuung in Pflegeheimen. Das Modell gilt als eines der Leuchtturmprojekte in Österreich und diente als Vorlage für andere Bundesländer. Eben gestartet ist das Projekt „Hauskrankenpflege im Zentrum“. „Unser Ziel ist es, das Wissen zu verbessern und die Strukturen zu entwickeln“, betont Bitschnau. Denn die Hauskrankenpflege ist in Vorarlberg sehr regional organisiert. Insgesamt gibt es 66 private Vereine mit über 60.000 Mitgliedern und rund 300 Krankenpflegern. Der jährliche Mitgliedsbeitrag von im Schnitt 30 Euro sichert den Mitgliedern ein Recht auf die Pflege zu Hause. Werden dann Leistungen in Anspruch genommen, kommt ein geringer Pflegebeitrag dazu.

Weiße Flecken bei Palliativteams

Lücken ortet Bitschnau noch bei den mobilen Palliativteams und im Konsiliarbereich. Derzeit gibt es in Vorarlberg nur ein mobiles Palliativteam: „Unser Palliativteam ist von seiner Größe laut dem Strukturplan der GÖG für etwa 140.000 Einwohner vorgesehen, für Kinder haben wir gar keines. Und auch ein Palliativ-Konsiliardienst fehlt. Hier müssen wir dringend aufbauen.“

Hospiz- und Palliativversorgung Vorarlberg

Träger: Land Vorarlberg und Caritas für die Palliativstation Hohenems, für das Hospiz am See und das mobile Palliativteam (in Kooperation mit dem LKH Hohenems), für sechs regionale Hospizteams und ein Hospizteam für Kinder

Landeskoordination: Dr. Karl Bitschnau, MAS, Leiter Hospiz Vorarlberg und Mitarbeiter Caritas

Besondere Stärken: Finanzierung steht auf soliden Beinen. Gedanke des Solidaritätsprinzips ist stark ausgeprägt, schlanke Strukturen

Mehr Informationen: www.caritas-vorarlberg.at/unsere-angebote/krankheit-trauer/

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