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EAN-Kongress: Frühe Parkinson-Diagnose

Mittels olfaktorischen Tests, Biomarkern und Kolonbiopsie versuchen Neurologen, die Parkinsonsche Krankheit frühzeitig zu diagnostizieren.

Foto: BilderBox.com
Vertigo, gestörter Geruchsinn, Obstipation,
Schwindel, Harnentleerungsstörungen oder die
REM-Schlaf-Verhaltensstörung können einen
Hinweis auf die Parkinsonsche Krankheit liefern.

Ein frühzeitiger Beginn der M. Parkinson-Therapie kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern. Aus diesem Grund wird stetig an optimalen Methoden zur Früherkennung der Parkinsonschen Krankheit geforscht. Beim Jahreskongress der European Academy of Neurology (EAN), der von 28. bis 31. Mai 2016 in Kopenhagen stattfindet, beschäftigen sich Wissenschaftler aus aller Welt mit neuroprotektiven und krankheitsmodifizierenden Therapien des Morbus Parkinson. Wird eine entsprechende Therapie nämlich zu einem möglichst frühen Zeitpunkt initialisiert, ist sie meist besonders wirksam.

 

2ND CONGRESS OF THE EUROPEAN ACADEMY OF NEUROLOGY

EAN-Präsident Günther Deuschl, Direktor emeritus der Abteilung für Neurologie an der Christian-Albrechts Universität Kiel, erklärte in einer Aussendung anlässlich der Tagung, dass aufgrund der demografischen Entwicklung neue Einblicke in die frühen Krankheitsstadien des M. Parkinson, eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen, zu den wichtigsten Themen beim EAN-Kongress zählen. Deutsch geht davon aus, dass sich die Anzahl der Erkrankten durch den wachsenden Anteil über 65-Jähriger an der Bevölkerung bis zum Jahr 2030 verdoppeln wird.

Auf dem EAN-Kongress präsentierte Studien bestätigen die Existenz von Risikomarkern, die auf den ersten Blick nicht unbedingt mit der Parkinsonschern Erkrankung assoziiert. So zeige etwa eine bei der Jahrestagung präsentierte, französische Studie mit rund 40 Parkinson-Patienten, dass die Betroffenen eine deutlich schwächere respiratorische Muskelfunktion aufwiesen als Gesunde. Die Autoren gehen aufgrund der Datenlage davon aus, dass in der Frühphase der Erkrankung die am Einatmen beteiligte Muskulatur beeinträchtigt sein dürfte. (EAN 2016 Abstracts, G. Baille et al: Ventilatory disturbance in early Parkinson’s disease: a prospective study).

Eine italienische Studie verglich die Riechleistung von Parkinson-Patienten in einem sehr frühen, noch untherapierten Stadium mit jenem der gesunden Teilnehmer einer Kontrollgruppe. Die bessere Riechleistung der Kontrollgruppen-Teilnehmer dürfte mit einer besseren kortikalen Verbindung zum Nucleus caudatus zusammenhängen, welcher als Teil der Basalganglien für die Kontrolle willkürlicher Bewegungen mitverantwortlich ist. (EAN 2016 Abstract, S. Marino et al: Resting state functional connectivity in olfactory network in de novo Parkinson’s disease).

In einer russischen Studie mit 104 Patienten wurde dargelegt, dass acht von zehn Probanden unter einem teilweisen Verlust des Geruchssinns litten, fast jeder Fünfte war völlig geruchsblind und nur zwei Personen zeigten keine Störung der olfaktorischen Funktion. (EAN 2016 Abstract, M. Titova et al: Objective olfactory testing and selfassessment of olfactory function in patients with Parkinson’s disease).

Die Verklumpung des Proteins alpha-Synuclein im Gehirn scheint laut einer in Kopenhagen präsentierten Studie entscheidend zum Krankheitsgeschehen beizutragen, wobei den Autoren zufolge das Schädigungsmuster offenbar von Zelle zu Zelle weitergegeben wird. Diese Kettenreaktion solle durch künftige Therapien gestoppt oder zumindest prolongiert werden. Es gebe Hinweise, dass die pathologischen Veränderungen auch in Nervenzellen außerhalb des Gehirns, etwa im Kolon, auftreten und möglicherweise von dort in das Gehirn „wandern“. Die charakteristischen Protein-Schädigungen würden sich auch in den Nerven der Dermis oder der Glandulae nachweisen.

Deuschl zufolge würden auch diese neuen Einsichten andere Ansätze für die Früherkennung und Therapie von Parkinson eröffnen. So werde derzeit etwa intensiv untersucht, ob eine sichere Frühdiagnose der Erkrankung durch eine Biopsie der Nerven im Darm, den Speicheldrüsen oder der Haut möglich sei.

Definition von Diagnose-Kriterien für prodromale Phase des Morbus Parkinson

Die von der International Parkinson and Movement Disorder Society veröffentlichte, neue Definition von Diagnose-Kriterien für die Einschätzung der Erkrankungs-Wahrscheinlichkeit stellt einen bedeutsamen Fortschritt in Bezug auf die Früherkennung in einer sehr frühen Krankheitsphase dar, in welcher eine klassische klinische Diagnose, die auf motorischen Symptomen basiert, noch nicht möglich ist. Anhand der neuen Kriteriensoll einerseits die klinische Forschung standardisiert werden, andererseits soll die Diagnostik eine Unterstützung erfahren. Laut Deuschl stehe mittlerweile ein für die Neurologie völlig neuer Ansatz zur Verfügung, der die altersentsprechende, statistische Erkrankungswahrscheinlichkeit mit Ergebnissen klinischer Untersuchungen verbinde. Dieses Risikobewertungssystem könne erweitert werden, sobald neue Tests zur Früherkennung hinzukommen, so Deuschl.

R.B. Postuma et al: The new definition and diagnostic criteria of Parkinson's disease, in The Lancet Volume 15, No. 6, p546-548, May 2016

Fazekas nächster Europäischer Neurologenpräsident

Franz Fazekas, Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie in Graz, wurde beim EAN-Kongress zum President elect gewählt und wird ab dem Jahr 2018 Günther Deuschl als EAN-Präsident nachfolgen.

"Die europäische Neurologie steht schon angesichts der immer älter werdenden Gesellschaften und der zunehmenden Annährung der Gesundheitssysteme in Europa vor großen Herausforderungen. Als starke Fachgesellschaft können wir hier zur neurologischen Forschung, Aus- und Weiterbildung und Versorgung wichtige Beiträge leisten." Franz Fazekas

Quelle: European Academy of Neurology, B&K - Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung

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