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Migräne erhöht Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen

Migräne betrifft fast 15 % der Bevölkerung, also etwa eine Milliarde Menschen weltweit. Nach der Pubertät steigt die Inzidenz von Migräne, und zwar bei Frauen eher als bei Männern. Ungefähr 90 % aller Patienten haben ihren ersten Anfall vor dem Alter von 50 Jahren. Migräne hat erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen. Laut einer kürzlich in BMJ veröffentlichten Studie ist Migräne ein wichtiger Risikofaktor für mehrere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, abgesehen von Schlaganfällen und Herzinfarkten. 

Obwohl bereits bekannt ist, dass Migräne mit ischämischem Schlaganfall und Myokardinfarkt einhergehen kann, sind die Assoziationen mit anderen kardiovaskulären Erkrankungen und Risiken weniger bekannt. Nun zeigt eine dänische Studie, dass Migräne auch mit anderen kardiovaskulären Erkrankungen in Verbindung gebracht werden kann.

In ihrer Langzeitstudie haben Adelborg et al. vom Aarhus University Hospital in Dänemark Betroffene im Zeitraum von 1995 bis 2013 untersucht. Für die Studie aus Dänemark wurden also Daten über 19 Jahre hinweg gesammelt. Die Wissenschaftler verglichen die Ergebnisse von 51 032 Personen, bei denen Migräne diagnostiziert wurde, mit 510 320 Personen, welche nicht an Migräne litten. Für jede Person mit Migräne wurden also zehn Personen untersucht, die frei von Migräne waren. Das mittlere Alter bei der Diagnose von Migräne betrug 35 Jahre und 71 % der Studienpopulation waren Frauen. Die Risiken von Myokardinfarkt, ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfall, der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, der venösen Thromboembolie, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz wurden bei Patienten mit der Diagnose Migräne im Vergleich mit der allgemeinen Bevölkerung untersucht.

Die Studienautoren identifizierten Patienten basierend auf dem dänischen nationalen Patientenregister, ausgenommen Patienten mit einer Migräne-Diagnose vor 1995 oder mit früheren kardiovaskulären Erkrankungen.

Die Migränekohorte umfasste 51 032 Personen und die übereinstimmende Kohorte der Allgemeinbevölkerung 510 320. Von der Migränegruppe hatten 2451 Patienten 1 kardiovaskuläres Ereignis und 575 Patienten hatten mehr als 1 kardiovaskuläres Ereignis. Die Studienautoren folgerten, dass Migräne nicht nur mit Myokardinfarkt und Schlaganfall assoziiert ist, sondern auch das Risiko für venöse Thromboembolien und Vorhofflimmern erhöht.

Das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen war im ersten Jahr nach der Diagnose am höchsten, mit einem achtfach erhöhten Risiko für einen ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfall und einem zweifach erhöhten Risiko für Herzinfarkt, venöse Thromboembolie und Vorhofflimmern. Auch langfristig blieb Migräne mit diesen kardiovaskulären Erkrankungen verbunden. Es wurde kein Zusammenhang zwischen Migräne und Herzversagen oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit gefunden. Die Assoziationen traten vermehrt bei Patienten auf, die an Migräne mit Aura litten als bei denen, die keine Aura hatten, und in höhere Zahl bei Frauen als bei Männern.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Migräne als Risikofaktor für die meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen angesehen werden sollte.

 

Quelle: Adelborg K et al. Migraine and risk of cardiovascular disease: Danish population based matched cohort study. BMJ. 2018; 360:k96. DOI: 10.1136/bmj.k96 

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