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Innovative Medikamente und neue Behandlungsrichtlinien optimieren die Therapie und verbessern die Prognose

Dieses Jahr wurden mit dem ursprünglich in der Krebstherapie eingesetzten Wirkstoff Cladribin und dem monoklonalen Antikörper Ocrelizumab zwei innovative Medikamente in der EU zugelassen, und damit erstmals ein Medikament gegen primär chronisch progrediente MS, einer Verlaufsform mit von Anfang an kontinuierlich zunehmenden Symptomen. Auf Initiative der internationalen Fachgesellschaften EAN und ECTRIMS erarbeiteten Neurologen aus 13 Ländern Empfehlungen für die MS-Behandlung in Europa. Die neue Behandlungsleitlinie unterstützt Ärzte dabei, bei ihren Therapieentscheidungen Chancen und Risiken der zur Verfügung stehender Behandlungsoptionen abzuwägen. „Vielversprechende neue Medikamente und die dieses Jahr veröffentlichten Behandlungsleitlinien des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) und der European Academy of Neurology (EAN) werden die Behandlung von MS wesentlich weiter entwickeln und verbessern“, sagt EAN-Past-Präsident Prof. Dr. Günther Deuschl (Kiel) anlässlich des 4. Kongress der EAN in Lissabon, auf dem die neuen Entwicklungen in der MS-Therapie auf breiter Basis diskutiert werden.

„Heute ist die Behandlung von MS daran orientiert, Schübe möglichst zu vermeiden und das Fortschreiten der Behinderung zu verhindern“, unterstreicht Univ.-Prof. Dr. Franz Fazekas (Graz), EAN-Präsident, der an der Erstellung der europäischen Behandlungsleitlinie beteiligt war. „Einige dieser Medikamente können auch gefährliche Nebenwirkungen haben, was wir berücksichtigen müssen, wenn wir unsere Patienten beraten. Bei kompetenter Behandlung kann die Erkrankung inzwischen bei 80 bis 85 Prozent der Patienten kontrolliert werden.“

Cladribin und Ocrelizumab

Zuletzt wurden in der EU zwei neue Medikamente und Behandlungsformen zugelassen, die eine weitere Optimierungen bringen sollen. Cladribin wurde ursprünglich in der Krebsmedizin eingesetzt. Seine Wirkungsweise in Bezug auf das Immunsystem macht es über die langfristige Wirkung auf die Lymphozyten hinaus interessant und einsetzbar. Damit behandelte Patienten nehmen 14 Tage Cladribin-Tabletten ein, darauf folgt eine einjährige Behandlungspause, im zweiten Jahr wird noch einmal 14 Tage therapiert, und schließlich folgt eine zweijährige Nachbeobachtungs-Periode. Während das ein interessantes und vielversprechendes Konzept ist, kann derzeit noch nicht eingeschätzt werden, bei wie vielen Patienten und für wie lange Zeit eine solche Behandlung die Krankheitsaktivität zum Stillstand bringen kann und wie vorzugehen ist, wenn es zu einem Rückfall kommt. Es werden auch noch Langzeiterfahrungen nötig sein, um das Sicherheitsprofil des Medikaments einschätzen zu können.

Die zweite neue MS-Therapie ist der monoklonale Antikörper Ocrelizumab, seit Jahresbeginn in der EU zugelassen zur Behandlung von aktiver schubförmiger MS, aber auch für Patienten mit früher primär chronisch progredienter MS. „Hier gab es bisher keine Therapie“, sagt Fazekas. Ocrelizumab wirkt gezielt auf die B-Zellen des Immunsystems, die an der MS beteiligt sind.

Nach einer Erstanwendung erfolgt die weitere Behandlung mit Ocrelizumab per Infusion alle sechs Monate. Auch bei dieser neuen Therapie sind Daten zur Langzeit-Sicherheit noch ausständig. „Die Möglichkeit, zwischen vielen verschiedenen Medikamenten wählen zu können, ermöglicht es Neurologen, die MS-Behandlung an die individuellen Bedürfnisse ihrer Patienten und an den Krankheitsverlauf anzupassen“, so Fazekas. „Die Diagnose MS bedeutet, dass Patienten damit bis zu 60 oder 70 Jahre leben müssen, und wir müssen sie bei der Krankheitskontrolle bestmöglich unterstützten, unter Abwägung von Nutzen und Risiko.“

Neue Behandlungsleitlinie unterstützt Ärzte bei der Therapieauswahl

Auf Initiative von EAN und ECTRIMS erarbeiteten Neurologen aus 13 Ländern 21 Empfehlungen für die MS-Behandlung. Die neue europäische Behandlungsleitlinie basiert auf der Auswertung klinischer Studien und unterstützt Ärzte dabei, bei ihren Therapieentscheidungen Chancen und Risiken der zur Verfügung stehender Behandlungsoptionen abzuwägen. „Diese neue Guideline ist Teil des Guideline Programms der EAN, im Rahmen dessen alle wichtigen neurologischen Erkrankungen aufgearbeitet werden sollen. Derzeit sind rund 20 Guidelines in Arbeit“, so Deuschl. „Das unterstreicht die große Bedeutung der EAN, die solche übergreifenden Themen bearbeitet und damit nicht nur den Behandlern, sondern auch der Gesundheitspolitik wichtige Grundlagen liefert.“

Quelle: Montalban X et al., Eur J Neurol 2018; 25(2):215–237
Pressestelle EAN Kongress, B&K Kommunikationsberatung

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