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Diagnose der MS: Ein Ausblick auf die neuen Kriterien

Die Diagnose der multiplen Sklerose orientiert sich seit den 1950er Jahren an definierten Kriterien. Gegenwärtig gelten die McDonald Kriterien aus dem Jahr 2011. Eine internationale Expertengruppe hat in den vergangenen Monaten einen Vorschlag zur Änderung dieser Kriterien erarbeitet, der demnächst publiziert werden soll. Dr. Jeffrey Cohen von der Cleveland Clinic in Ohio präsentierte den Konsensus im Rahmen des ECTRIMS 2017 in Paris.

Eine Zielsetzung dieser Überarbeitung bestand, so Cohen, darin, MS besser von anderen Erkrankungen mit teilweisen Überlappungen in Klinik und Bildgebung abgrenzen zu können und Patienten mit ungewöhnlichen MS-Präsentationen diagnostisch zu erfassen. Man habe dabei die im klinischen Alltag nicht seltenen Fehldiagnosen und deren potentielle Konsequenzen im Blick gehabt, sagt Cohen.

Kortikale und asymptomatische Läsionen zählen

Die neuen McDonald Kriterien werden die Diagnose einer multiplen Sklerose in zwei Punkten erleichtern. Zum einen sollen bei der Abgrenzung der MS zum klinischen isolierten Symptom in Zukunft auch kortikale und juxtakortikale Läsionen in Betracht gezogen werden. Und zum anderen werden oligoklonale Banden im Liquor (als Marker für die Produktion von Immunglobulinen im ZNS) in den Diagnose-Algorithmus einbezogen. Dazu wird generell empfohlen, häufiger zur MRT des Rückenmarks zu greifen bzw. häufiger Liquor zu punktieren – und dies vor allem bei Patienten mit nicht typischer klinischer Präsentation. So kann bei Patienten mit einem CIS (klinisch isoliertes Syndrom) und Hinweise auf Disseminierung im Raum anhand der oligoklonalen Bande aus dem Liquor bereits die Diagnose einer definitiven MS gestellt werden. Weiters können in Zukunft auch asymptomatische Läsionen in Gehirn oder Rückenmark für die Diagnostik herangezogen werden. Die Diagnosekriterien für die primär progrediente MS bleiben weitgehend unverändert. Allerdings sollen in Zukunft auch hier kortikale und asymptomatische Läsionen für die Diagnose berücksichtigt werden.

Prof. Dr. Jeremy Chetaway vom University College London unterstrich, dass die wiederholten Updates der Diagnosekriterien dazu geführt haben, dass multiple Sklerose immer früher diagnostiziert werden kann. Dauerte es mit den alten CDMS-Kriterien von der ersten MRT im Durchschnitt knapp zwei Jahre, bis eine MS diagnostiziert wurde, so wurde diese Zeitspanne mit den McDonalds Kriterien von 2010 auf 6,2 Monate reduziert. Mit den neuen Kriterien sei nun eine weitere Verkürzung zu erwarten.

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