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Medikationsmanagement: NSAR: Erst Rückenschmerz, dann Magenschmerz?

MM Kurs Teil 31

MEDIKATIONSMANAGEMENT – TEIL 31 - Potenzielle gastrointestinale Nebenwirkungen werden von Schmerzpatienten oft unterschätzt, umso wichtiger ist es im Apothekenalltag, Risikofaktoren im Auge zu behalten – auch in der Selbstmedikation.

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Medikationsmanagement: NSAR: Erst Rückenschmerz, dann Magenschmerz?

Potenzielle gastrointestinale Nebenwirkungen werden von Schmerzpatienten
oft unterschätzt, umso wichtiger ist es im Apothekenalltag, Risikofaktoren im Auge zu behalten – auch in der Selbstmedikation.

Alle NSAR einschließlich ASS entwickeln ihre Wirkung durch die Inhibition der Cyclooxygenasen (COX) bzw. der daraus folgenden Synthesehemmung verschiedener physiologisch und pathophysiologisch wirksamer Prostanoide. Während es sich bei der COX 1 um ein konstitutiv vorhandenes Enzym handelt und durch sie synthetisierte Prostaglandine ausschließlich physiologische Funktionen haben, ist die COX 2 konstitutiv induzierbar und führt sowohl zur Bildung physiologisch wirksamer als auch pathophysiologisch bedeutsamer Prostaglandine.

Das Prinzip der COX-1- und COX-2-Hemmung

Die Hemmung der COX 2 ist daher vor allem für die erwünschte therapeutische Wirkung (Analgesie, Entzündungshemmung, Fiebersenkung) verantwortlich, aber auch für einige 
Nebenwirkungen (z.B. verminderte Nierendurchblutung, erhöhtes kardio-
vaskuläres Risiko).
Die Hemmung der COX 1 bringt viele unerwünschte Wirkungen mit sich, eine Ausnahme bildet die therapeutisch genützte Thrombozytenaggregationshemmung bei Low-dose-­ASS-Therapien.
Auch die gastrointestinalen Nebenwirkungen, die für die NSAR-Therapie charakteristisch sind, lassen sich aus der Veränderung gastrointestinal wirksamer Prostanoide erklären, denn die COX 1 erzeugt über Bildung von Prostaglandin E2 eine Reihe protektiver Effekte in Magen und Darm:

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Test

Fallbeispiel aus der Apotheke

pillerot

Herr V., 75 Jahre, möchte den Notfallparagraphen nutzen und sich „ausnahmsweise“ ein rezeptpflichtige Präparat mit 500 mg Naproxen kaufen, da ihm seine Coxarthrose derzeit große Probleme ereitet. Er gibt an, dieses schon öfter genommen zu haben, „aber nie mehr als 3 am Tag“. Zusätzlich hätte er gern eine Großpackung Rennie®Antacidum, bereits das zweite Mal in diesem Monat.

Seine Dauermedikation:
Thrombo ASS® 100 mg 0-1-0
Lisinopril 5 mg 1-0-1
Seloken® plus (Metoprololsuccinat, Hydrochlorothiazid) 1-0-0
Cipralex® (Escitalopram) 10 mg 1-0-0

Fragen: Kann dem Wunsch des Kunden nachgekommen werden? Was fällt an der Dauermedikation auf? Welche gastrointestinalen Risiken liegen vor?

Hinweis: Die im MM-Fall und der Auflösung genannten Fertigarzneimittel hat das Lecture-Board beispielhaft und wertfrei für die enthaltenen Wirkstoffe bzw. -kombinationen ausgewählt. Die genannten Produkte stehen damit für alle vergleichbaren Präparate.

Zur Auflösung

Fallauflösung

pillegruen

Bei Herrn V. besteht ein erhöhtes gastrointestinales Risiko durch folgende Faktoren: hohes Alter, blutungsfördernde Begleit­­­­medikation (SSRI), Begleitmedikation mit ASS.
▶ Auch ohne zusätzliche Einnahme eines NSAR wäre aufgrund seines Alters bei Einnahme von Thrombo ASS® die Dauertherapie mit einem PPI in halber Standarddosierung empfehlenswert. Der hohe Konsum an Antacidum deutet darauf hin, dass bereits starke Magenbeschwerden vorliegen.
▶ Naproxen ist ein unselektiver COX-Inhibitor mit starker COX-1-Präferenz, seine thrombozytenaggregationshemmende, blutungsfördernde, ulcerogene Wirkung ist daher stark ausgeprägt, überdies werden vom Kunden überhöhte Dosen verwendet (TMD in der Selbstmedikation 600mg, in der ärztlichen Therapie 1000mg).

Empfehlung: Der Kunde sollte bezüglich einer adäquaten Schmerztherapie und Abklärung der Magenbeschwerden einen Arzt aufsuchen, für die Akutbehandlung kann nur Paracetamol abgegeben werden.

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