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Medikationsmanagement: M. Parkinson: CAVE Polymedikation!

MM Kurs Teil 36

MEDIKATIONSMANAGEMENT – Teil 36- (M. Parkinson Teil 2) Neben der typischen motorischen Symptomatik treten auch eine Reihe nicht-motorischer Beschwerden auf, die vor allem in fortgeschrittenen Stadien oft das Problem der Polypharmazie mit sich bringen.

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Medikationsmanagement: M. Parkinson: CAVE Polymedikation!

Potenzielle gastrointestinale Nebenwirkungen werden von Schmerzpatienten
oft unterschätzt, umso wichtiger ist es im Apothekenalltag, Risikofaktoren im Auge zu behalten – auch in der Selbstmedikation.

1. Therapie der motorischen Symptome

Die Behandlung erfolgt zum überwiegenden Teil mit dopaminerg wirksamen Substanzen wie L- Dopa, Dopa­minagonisten, COMT-Hemmern und MAO-­Hemmern (siehe MM-Teil 35).
In manchen Fällen kommen auch NMDA-Hemmstoffe sowie zentral wirksame Anticholinergika zum Einsatz.

1.1. Amantadin

Der NMDA-Rezeptor-Hemmer Amantadin wurde urprünglich als Virustatikum entwickelt. Amantadin reduziert die Wirkung von Glutamat am Neuron und bremst damit die relative glutamaterge Überfunktion, zusätzlich hemmt es den Dopamin-Reuptake und die cholinerge Transmission.
Parkinson-Symptome wie Rigor, Hypo- und Akinese werden gebessert (PK Merz-Schoeller®), weiters wird der Wirkstoff per infusionem auch bei der akinetischen Krise verwendet (Handelsname: Amantadinsulfat gespag® Infusionslösung). Eine breite Palette an Nebenwirkungen limitiert jedoch den Einsatz.

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Test

Fallbeispiel aus der Apotheke

pillerotHerr W., 75 Jahre, idiopathisches Parkinson-Syndrom, leidet zusätzlich unter Arthrosen mit chronischen Schmerzen (vor Kurzem wurde der Medikation deshalb ein Fentanyl-Schmerzpflaster hinzugefügt), Dranginkontinenz und Obstipation. Er wird im Spital aufgenommen, da er unter starker Unruhe, Halluzinationen und Schlafstörungen leidet. Die Befunde ergeben einen mittelgradigen Funktionsverlust der Niere (GFR 42 ml/min), RR = 130/70, Puls 102, QTc: 450 ms, MMSE 29/30

 

Die Medikation:

Stalevo® (L-Dopa/Carbidopa/Entacapon) 100/25/200 mg 1-1-1-0
Madopar® lsl. Tbl. (L-Dopa/Benserazid) 20+0/50 mg 1-0-0-0
PK Merz® (Amantadin) 1-0-1-0
Sifrol® (Pramipexol) 0,7 mg 1-0-1-0
Fentanyl TTS 25 mcg 1 alle 3 Tage
Tolvon® (Mianserin) 30 mg 0-0-0-1
Aripiprazol 5 mg 1-0-0-0
Tolterodin 5 mg 1-0-1-0
Movicol® 1-0-0-0
Esomeprazol 20 mg 1-0-0-0

 

Fragen:
Welche Wirkstoffe könnten zum derzeitigen Zustand beigetragen haben?
Wie kann die Medikation optimiert werden?

Hinweis: Die im MM-Fall und der Auflösung genannten Fertigarzneimittel hat das Lecture-Board beispielhaft und wertfrei für die enthaltenen Wirkstoffe bzw. -kombinationen ausgewählt. Die genannten Produkte stehen damit für alle vergleichbaren Präparate.

Zur Auflösung

Fallauflösung

pillegruen

Teil 36: Fallbeispielauflösung

Amantadin kann Schlafstörungen, Unruhe, Halluzinationen triggern (nicht nach 16.00 Uhr einnehmen!), die Dosis ist bei eingeschränkter Nierenfunktion außerdem zu hoch.
Auch Pramipexol muss reduziert bzw. die Dosis aufgeteilt werden.

Mehrere Wirkstoffe mit anticholinerger Wirkung (Amantadin, Fentanyl, Mianserin, Tolterodin) begünstigen Verwirrung, Obstipation, delirante Zustände, Unruhe (Empfindlichkeit für diese NW ist im Alter verstärkt).

Mögliche Empfehlungen (Änderung obliegt Arzt!):
▶ Amantadin langsam aus­schleichen, ggf. Anpassung der L-Dopa-Therapie.
▶ Umstellung auf Hydromorphon statt Fentanyl (im Alter besser).
▶ Esomeprazol weglassen (bei Medikation kein PPI erforderlich).
▶ Umstellung von Tolterodin auf Trospiumchlorid (weniger zentrale anticholinerge NW).
▶ Umstellung von Mianserin auf Mirtazapin (15 mg abends), da weniger anticholinerges Potenzial.
▶ Umstellung von Aripiprazol (KI bei M. Parkinson) auf Quetiapin.
▶ EKG-Kontrollen in Hinblick auf die grenzwertige QT-Zeit.

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