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Medikationsmanagement: Chinolone: wertvoll und beratungsintensiv

MM Kurs Teil 21

MEDIKATIONSMANAGEMENT – TEIL 21 - Der Wirkmechanismus der Gyrasehemmer ist schlichtweg genial. Sie haben dennoch eine wechselvolle Geschichte – unerwünschte Arzneimittelwirkungen sowie Interaktionen erfordern intensive Beratung.

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Medikationsmanagement: Chinolone: wertvoll und beratungsintensiv

Der Wirkmechanismus der Gyrasehemmer ist schlichtweg genial. Sie haben dennoch eine wechselvolle Geschichte – unerwünschte Arzneimittelwirkungen sowie Interaktionen erfordern intensive Beratung.

Seit der Entdeckung der Ursubstanz Nalidixinsäure 1962 wurden zahlreiche Chinolone  synthetisiert. Die sechs derzeit am österreichischen Markt etablierten Gyrasehemmstoffe (Tabelle) sind therapeutisch wertvolle Arzneimittel, Neben- und Wechselwirkungen sollten jedoch scharf im Blick behalten werden. Hintergrund ist die Marktrücknahme einzelner Vertreter dieser Klasse aufgrund schwerwiegender kardialer (z.B. Grepafloxacin) bzw. hepatischer (z.B. Trovafloxacin) unerwünschter Arzneimittelwirkungen in der Vergangenheit.

Bakterizide Wirkung und Resistenzen

Chinolone hemmen die Funktion der bakteriellen Topoisomerase II (= Gyrase) bzw. IV, die für die Replikation der bakteriellen DNA unverzichtbar sind. Die starke Verdrillung (bzw. die temporäre Entfaltung) der DNA, die die platzsparende Lagerung des DNA-Fadens in der Bakterienzelle erlaubt, wird dadurch unmöglich.  Die DNA expandiert bis zum Platzen der Zelle (bakterizide Wirkung). Resistenzmechanismen gegenüber den Chinolonen sind durch Mutationen in den Topoisomerasen, verstärkte Effluxmechanismen oder  Verminderung der transmembranalen Transportmechanismen möglich.

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Test

Fallbeispiel aus der Apotheke

Frau R., 72 Jahre, COPD-Patientin, DM Typ II,  möchte folgendes Rezept einlösen:

Ciprofloxacin 500 mg 1-0-1
Aprednislon® 25 mg 1-0-0 für eine Woche

Zusätzlich legt sie ein anderes Rezept mit ihrer Dauermedikation vor:

Diamicron® 30 mg 3-0-0
Metformin 1000 mg 1-0-1
Concor® 5 mg 1-0-0
Thrombo ASS® 0-1-0
Ferro-Gradumet® 1-0-0
Unifyl® ret. 400 mg 1-0-1
Spiriva® Kps. 1-0-0
Seretide® Dosieraerosol 1-0-1

Frage: Worauf müssen Sie diese Patientin in der Beratung hinweisen?

Hinweis: Die im MM-Fall und der Auflösung genannten Fertigarzneimittel hat das Lecture-Board beispielhaft und wertfrei für die enthaltenen Wirkstoffe bzw. -kombinationen ausgewählt. Die genannten Produkte stehen damit für alle vergleichbaren Präparate.

Zur Auflösung

Fallauflösung

pillegruen

  • Das Eisenpräparat sollte unbedingt zu Mittag genommen  werden (sonst AB evt. wirkungslos).
  • Engere Blutzuckerkontrolle mit mehrmaligen Messungen ist  erforderlich, da Steroide den Blutzucker anheben (können),  während Chinolone die Insulinausschüttung triggern (können)  und so mitunter zu dramatischen Abfällen des Blutzuckerspiegels führen können.
  • Die Kombination von Corticosteroiden und Ciprofloxacin birgt überdies  ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Tendinopathie bzw. eines  Achillessehnenrisses.
  • Die Anwendung von Theophyllin sollte mit Vorsicht erfolgen bzw. sollte  anhand der Rezepte überprüft werden, ob alle Arzneimittel „aus einer Hand“ stammen oder von mehreren behandelnden Ärzte, die nicht über alle Verschreibungen informiert sind. Dies ist wichtig, da es durch CYP1A2-Blockade zu einem gehemmten Theophyllinabbau kommen kann.

Empfehlung: Die Patientin sollte neben den auf Seite 5 ausgeführten Einnahmevorschriften auf den Einnahmezeitpunkt von Eisen aufmerksam gemacht werden, ebenso auf die während der Erkrankung (und Behandlung) möglicherweise veränderte diabetische Stoffwechsellage. Sollten mehrere Ärzte involviert sein, ist Rücksprache mit zumindest einem „Verordner“ sinnvoll.
In Abstimmung mit dem Arzt wären Betalaktamantibiotika oder Tetracycline (auch hier wäre Eisen ein Thema) bei Infektionen der Atemwege als mögliche Alternative denkbar.

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