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Medikationsmanagement: Vor dem Trinken, nach dem Essen …

MM Kurs Teil 12

MEDIKATIONSMANAGEMENT – TEIL 12 - Falsche Einnahmemodalitäten können die Wirksamkeit mindern, Interaktionen hervorrufen und die Nebenwirkungsrate beeinflussen. Im Medikationsmanagement ist die Beratung zur korrekten Einnahme daher ein wichtiger Baustein.

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Medikationsmanagement: Vor dem Trinken, nach dem Essen …

Falsche Einnahmemodalitäten können die Wirksamkeit mindern, Interaktionen hervorrufen und die Nebenwirkungsrate beeinflussen. Im Medikationsmanagement ist die Beratung zur korrekten Einnahme daher ein wichtiger Baustein.

Nahrungsaufnahme beeinflusst die Aufnahme eines Arzneimittels auf unterschiedliche Weise: Einerseits verändert die Magenperistaltik im Vergleich zum Nüchternzustand den Weitertransport des Medikaments, andererseits können Inhaltsstoffe der Nahrung in spezifische Wechselwirkungen mit dem Arzneistoff treten (z.B. durch Komplexbildung mit mehrwertigen Ionen).  Durch den veränderten pH-Wert nach der Nahrungsaufnahme bzw. den Fettanteil der Mahlzeit kann überdies die Löslichkeit von Arzneistoffen verändert bzw. der Arnzeistoff inaktiviert werden. Verzögerungen des Wirkungseintritts bzw. Veränderungen der gesamten resorbierten Menge können auftreten und zeigen sich in veränderten Plasmakonzentration-Zeit-Kurven. Es können also sowohl die AUC (area under the curve, die resorbierte Menge) als auch die Zeit bis zum Wirkeintritt verändert sein.

AM und Magenperistaltik

Die Aufnahme von Nahrung (und auch von nährstoffhaltigen Getränken wie Säften, Limonaden und Milch) verändert die Magenperistaltik gegenüber dem Nüchternzustand, was Einfluss auf den Weitertransport größerer Partikel und auch auf die Verweildauer im Magen hat.

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Test

Fallbeispiel aus der Apotheke

pillerot

Bei Frau H., 65 Jahre, wird von ihrem Hausarzt nach einem  Zeckenbiss Borreliose diagnostiziert. Als Nebenbefund wird  eine Eisenmangelanämie gefunden.
Frau H. kommt mit folgender Verordnung in die Apotheke:

  • Doxycyclin lösliche Tabletten 1 x 200 mg tgl. für 2 Wochen bis zur Kontrolle
  • Ferretab® Kapseln 1-0-0

In der Apotheke erinnert sie sich, dass der Gynäkologe ihr vor einer Woche nach der Befundbesprechung ihrer letzten Knochendichtemessung ein neues Präparat verordnet hat, und legt ein weiteres Rezept vor:

  • Alendronsäure 70 mg 1 x wöchentlich mit Calcium 500 mg KTBL 1 x täglich.
  • Sie kennen Frau H. als Stammkundin und wissen, dass sie seit Jahren  Thyrex® Tabletten 100 µg  1-0-0 einnimmt.

Frage: Welche Einnahmeempfehlungen können gegeben werden?

Hinweis: Die im MM-Fall und der Auflösung genannten Fertigarzneimittel hat das Lecture-Board beispielhaft und wertfrei für die enthaltenen Wirkstoffe bzw. -kombinationen ausgewählt. Die genannten Produkte stehen damit für alle vergleichbaren Präparate.

Zur Auflösung

Fallauflösung

pillegruen

  • Alendronsäure, ein Bisphosphonat, besitzt auch bei korrekter Einnahme eine äußerst niedrige Bioverfügbarkeit von etwa 0,7 % und muss daher zwingend nüchtern eingenommen werden (mit einem großen Glas Leitungswasser bei aufrechtem Oberkörper, nachher nicht mehr hinlegen, Abstand zum Frühstück mindestens 30 min, besser länger). Gerade bei der Erstabgabe ist darauf hinzuweisen, dass das Calciumpräparat nicht zeitgleich mit dem Bisphosphonat ein­­genommen werden darf.
  • An den Tagen, an denen Bisphosphonat und Schilddrüsenhormon genommen werden müssen, sollte das Bisphosphonat zuerst, das Schilddrüsenhormon frühestens 30 min später genommen werden. Falls die Patientin in der Nacht aufwacht/aufsteht, wäre die Einnahme des Schilddrüsenhormons auch in der Nacht möglich, denn im Gegensatz zu den Bisphosphonaten ist bei L-Thyroxin ein neuerliches Hinlegen nach der Einnahme unproblematisch.
  • Die Eisenresorption wäre ebenfalls nüchtern optimal, es darf jedoch weder mit dem Bisphosphonat noch mit dem Schilddrüsenhormon zeitgleich eingenommen werden (Komplexbildung). Eine Lösung wäre die Einnahme  vor dem Mittag- oder Abendessen (30 min Abstand, besser länger), mit einem Vitamin-C-haltigen Getränk, um die Eisenresorption zu verbessern. Bei Magenunverträglichkeit kann das Eisen auch zur Mahlzeit genommen werden, die Mahlzeit sollte jedoch möglichst frei von Milchprodukten, Gerbstoffen (Tee, Kaffee) und Phytaten sein.
  • Doxycyclin sollte zu einer Mahlzeit mit reichlich Leitungswasser (nicht: Milch) eingenommen werden. Wegen der ulcerogenen Wirkung ist auch hier anschließendes Hinlegen zu vermeiden. Doxycylin darf wegen der Komplexbildungsgefahr nicht zeitgleich mit Eisen oder Calcium ein­genommen werden (mindestens 2 Stunden davor).

Eine mögliche Verteilung der Einnahmen wäre,sofern von Kundenseite möglich:

  • Bisphosphonat: morgens nüchtern 1 Stunde vor dem Frühstück
  • Schilddrüsenhormon: zumindest ½ Stunde nach dem Bisphophonat, nüchtern, ½ Stunde vor dem Frühstück  (alternativ: nächtliche Einnahme)
  • Doxycyclin: zum Mittagessen, frühestens 2 Stunden danach: Calcium
  • Eisen: ½ Stunde vor dem Abendessen

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