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Medikationsmanagement: Paracetamol unter der Lupe

MM Kurs Teil 9

MEDIKATIONSMANAGEMENT – TEIL 9
Paracetamol steht seit 1977 auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO. Pharmazeutische Beratung zu Vor- und Nachteilen des beliebten Schmerzmittels erhöht allerdings die Sicherheit in der Selbstmedikation entscheidend.

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Medikationsmanagement: Paracetamol unter der Lupe

Paracetamol steht seit 1977 auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO. Pharmazeutische Beratung zu Vor- und Nachteilen des beliebten Schmerzmittels erhöht allerdings die Sicherheit in der Selbstmedikation entscheidend. 

Nicht-opioide Analgetika stellen im WHO-Stufenplan der Schmerztherapie die Basis der Schmerzbehandlung dar. Neben Acetylsalicylsäure und der großen Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) gehören auch nicht-saure Analgetika wie Metamizol und Paracetamol in diese Kategorie. Der große Vorteil der Stufe-I-Analgetika liegt im Fehlen der opioid-typischen Nebenwirkungen wie Sedierung, Atemdepression, Übelkeit oder kognitiven Beeinträchtigungen. Da viele Opioidnebenwirkungen dosis­abhängig sind, ist der Opioid-einsparende Effekt der „schwachen“ Analgetika von großer Bedeutung in der Schmerztherapie.

Schwaches Analgetikum

Das Anilinderivat Paracetamol (engl. Acetaminophen) ist in Österreich rezeptfrei, jedoch nur bis zu einer Einzelmaximaldosis von 650 mg und einer Tagesmaximaldosis von 2000 mg. Die Anwendung höherer Dosen obliegt dem Arzt.  Paracetamol ist ein potentes Antipyretikum, seine analgetische Effizienz ist schwächer, entzündungshemmende Wirkungen fehlen. Für die Wirkung von Paracetamol spielen unter anderem zentrale Effekte eine Rolle: Sein Metabolit AM 404 hemmt im ZNS die Wiederaufnahme von Endocannabinoiden und verstärkt so die analgetische Wirkung dieser körpereigenen schmerzhemmenden Substanzen.

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Test

Fallbeispiel aus der Apotheke

pillerot

Kundenwunsch: Frau M. möchte Paracetamolbrause kaufen. Auf Nachfrage gibt sie an, dass sie diese ihrem Ehemann  mitbringen möchte, der an einem grippalen Infekt mit Fieber und  Kopfschmerzen leidet. Dazu möchte sie ihm ein Echinacea-Präparat  kaufen, fragt aber vorsichtshalber nach, ob es dieses auch in  Tablettenform gebe, denn Tropfen dürfe er nicht nehmen.
Zusätzlich hat sie noch ein Rezept für ihren Mann zum Einlösen mitgebracht:

Legalon® 70 mg Kps. 1-0-1
Epilan® D 100 mg Tbl. 1-1-1

Frage: Welche Empfehlung kann gegeben werden?

Hinweis: Die im MM-Fall und der Auflösung genannten Fertigarzneimittel hat das Lecture-Board beispielhaft und wertfrei für die enthaltenen Wirkstoffe bzw. -kombinationen ausgewählt. Die genannten Produkte stehen damit für alle vergleichbaren Präparate.

Zur Auflösung

Fallauflösung

pillegruen

Da Frau M. explizit nach einer alkoholfreien Arzneiform für  ihren Mann fragt, könnte es sein, dass Herr M. entwöhnter Alkoholiker ist. Eine vorgeschädigte Leber ist nicht auszuschließen, insbesondere da auch Legalon® verordnet ist, ein Marien­distelpräparat, das für unterschiedliche Formen von  Leberschädigungen indiziert ist. Dies würde eine Anwendung von Paracetamol in der Selbstmedikation bereits ausschließen.

  • Die parallele Anwendung von Epilan®-D Tabletten (Wirkstoff Phenytoin) und Paracetamol wirkt enzyminduzierend und verstärkt die Bildung  lebertoxischer Metaboliten.

Empfehlung: Durch die genannten Faktoren könnten für Herrn M. bereits  niedrigere Paracetamoldosen als üblich lebertoxisch wirken, eine Selbstmedikation mit Paracetamolbrause ist daher nicht empfehlenswert. Ein geeigneteres Analgetikum und Antipyretikum sollte empfohlen werden.

 

Lecture Board: M. Anditsch, A. Hartl, C. Labut, S. Mayer

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