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Medikationsmanagement: SIADH: Vorsicht, Verdünnungseffekt!

MM Kurs Teil 8

SERIE MEDIKATIONSMANAGEMENT – TEIL 8
Über die Beeinflussung des antidiuretischen Hormons können Medikamente den Wasser- und Elektrolythaushalt stören. Die Folge ist eine medikamentös induzierte Verdünnungs-Hyponatriämie.

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Medikationsmanagement: SIADH: Vorsicht, Verdünnungseffekt!

Über die Beeinflussung des antidiuretischen Hormons können Medikamente den Wasser- und Elektrolythaushalt stören. Die Folge ist eine medikamentös induzierte Verdünnungs-Hyponatriämie.

ADH (antidiuretisches Hormon, synthetisches Vasopressin) wird im Hypothalamus produziert und in der Neurohypophyse gespeichert. Seine Hauptfunktion liegt in der Steuerung des Wasserhaushalts: Ein Volumenmangel im arteriellen System oder aber eine gesteigerte Osmolalität des Blutplasmas stellen adäquate Stimuli für die Ausschüttung von ADH dar und führen zu bedarfsgerechter Abgabe des Peptidhormons aus der Hypophyse ins Blut.

In der Niere bindet ADH an V2-Vasopressin-Rezeptoren, was über die Bildung von Aquaporin-2-Kanälen zu einer gesteigerten Wasserpermeabilität der Sammelrohre führt und dadurch eine vermehrte Rückresorption von Wasser (nicht aber von Natrium!) bewirkt. Über diese Verminderung der renalen Wasserausscheidung gewährleistet ADH ein ausreichendes zirkulierendes Volumen und steht damit im Dienste der Osmo- und Volumsregulation des Körpers. Durch Einfluss auf den Gefäßtonus steigern höhere ADH-Konzentrationen überdies den Blutdruck.  Diverse Vasopressin-Analoga werden therapeutisch genutzt, so dient etwa der V2-Agonist Desmopressin zur Behandlung der Enuresis nocturna oder des Diabetes insipidus centralis (Minirin®).

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Test

Fallbeispiel aus der Apotheke

Herr Z., 78 Jahre, 178 cm, 62 kg, möchte sich in der Apotheke auf Empfehlung eines Freundes Ginkgo-Tabletten gegen Schwindel und Müdigkeit kaufen. Er berichtet, dass er in den letzten Tagen öfter gestürzt ist. Zusätzlich bringt er ein Rezept über NaCl-1-g-Kapseln zum Einlösen mit.
Anamnese: Prostatakarzinom, Hypertonie, Depression, Typ-2-Diabetes, Polyneuropathie, Gewichtsabnahme wegen Übelkeit

Letzter Blutbefund: Crea 1,4 (eGFR: 48 ml/min)
Na 126 mmol/l
K 4,1
HbA1c 6,2, manchmal BZ unter 70 mg/dl
Medikation: Thrombo ASS® 100 mg 0-1-0
                         Tritazide® 5/25 1-0-0
                         Concor® 2,5 mg 1-0-0
                         Nexium® 40 mg 1-0-0
                         Seractil® 400 mg 1-1-1
                         Paspertin® Tbl. 1-1-1
                         Lefaxin® Tbl. 1-1-1
                         Cipralex® 10 mg 1-0-0
                         Glucophage® 1000 mg 1-0-1
                         Amaryl® 6 mg 1-0-0
                         Trenantone® alle 3 Monate

Fragen: Was könnte die Ursache für den Schwindel und die Übelkeit sein?
Mögliche Medikationsänderungen in Kooperation mit dem Arzt?

Hinweis: Die im MM-Fall und der Auflösung genannten Fertigarzneimittel hat das Lecture-Board beispielhaft und wertfrei für die enthaltenen Wirkstoffe bzw. -kombinationen ausgewählt. Die genannten Produkte stehen damit für alle vergleichbaren Präparate.

Zur Auflösung

Fallauflösung

pillegruen

Die Ursache für den Schwindel und die Übelkeit:
Naheliegendste Ursache ist die im Labor ersichtliche Hyponatriämie. Diese  kann alleine schon durch Dauergabe von 25 mg HCT ausgelöst werden  (in Tritazide® 5/25). Mit Esomeprazol (Nexium®), Dexibuprofen (Seractil®) und Escitalopram (Cipralex®) sind noch dazu mehrere Wirkstoffe in der Medikation vorhanden, die eine Hyponatriämie begünstigen. Diese kann sich in Schwindel, Übelkeit und Sturzneigung äußern.

Mögliche Medikationsänderungen in Kooperation mit dem Arzt:

  • Wenn möglich, sollte auf Tritace® 5 mg umgestellt werden.
  • Weiters wäre eine Reduktion von Esomeprazol auf 20 mg tgl. in Betracht zu ziehen, ein vollständiges Absetzen ist wegen der Therapie mit Thrombo ASS und dem fortgeschrittenen Alter nicht möglich.
  • Die NSAR-Therapie sollte aufgrund der eingeschränkten Nierenfunktion beendet werden. Die Rückenschmerzen sollten abgeklärt werden, als alternative Schmerzmittel könnte man Paracetamol oder Metamizol in Betracht ziehen.
  • Eine Optimierung der Blutzuckertherapie wäre empfehlenswert. Metformin könnte bis zu einer GFR von 45 ml/min in einer Dosierung von 500mg 2xtgl. gegeben werden. Besser wäre hier aber wahrscheinlich der Umstieg auf Trajenta® (Linagliptin) und eine Reduktion der Amaryl®-Dosis.
  • Da die Übelkeit und der Schwindel wahrscheinlich durch die Hyponatriämie bedingt waren, wird in der Folge auf Paspertin® verzichtet werden können.

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