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Medikationsmanagement: Herzschlag mit Überlänge

MM Kurs Teil 5

MEDIKATIONSMANAGEMENT – TEIL 5
Etwa zwei bis drei Prozent aller verschriebenen Medikamente weisen QT-Zeitverlängernde Eigenschaften auf. Ob es jedoch zu klinisch relevanten Auswirkungen kommt, hängt von mehreren Faktoren ab.

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Medikationsmanagement: Herzschlag mit Überlänge

Etwa zwei bis drei Prozent aller verschriebenen Medikamente weisen QT-Zeitverlängernde Eigenschaften auf. Ob es jedoch zu klinisch relevanten Auswirkungen kommt, hängt von mehreren Faktoren ab. 

Im Elektrokardiogramm repräsentiert die QT-Zeit die Gesamtdauer der Kammererregung, d.h. die Zeit vom Beginn der Depolarisation bis zum Ende der Repolarisation der ventrikulären Kardiomyozyten. Die Depolarisation ist dabei durch einen schnellen Einstrom von Na+-Ionen charakterisiert, der von einem  Ca++-Einstrom gefolgt wird.

Die Repolarisationsphase beginnt durch einen raschen K+-Ausstrom. Medikamenteninduzierte Veränderungen der QT-Zeit entstehen praktisch immer durch eine Blockade bestimmter kardialer Kaliumkanäle, was zu einer Verlangsamung des Kali­umausstroms führt und daher die Dauer der Repolarisation verlängert. Da die QT-Dauer von der Herzfrequenz abhängig ist – bei Bradykardie nimmt sie zu, bei Tachykardie nimmt sie ab – wird als Vergleich die frequenzkorrigierte QT-Zeit (QTc-Zeit) herangezogen. Als kritisch gilt eine Verlängerung um 45–60 ms bzw. eine QTc-Zeit von über 470 ms bei Frauen oder über 450 ms bei Männern.

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Test

Fallbeispiel aus der Apotheke

pillerot

Patient: Herr M., 68 a
Diagnosen: COPD, KHK, tachykardes Vorhofflimmern,  Hypertonie, Depression, Psychose

Dauermedikation: Sedacoron® 200 mg
Bisoprolol 5 mg
Zeldox® 40 mg
Paroxetin 40 mg
Unifyl® ret. 400 mg
Spiriva®, Seretide®
Thrombo ASS® 100 mg
Ramipril 5 mg
Trittico® ret. 150 mg
Dominal® forte

Das Problem: Wegen eines Infekts bekommt der Patient zusätzlich  Avelox® 400 mg und Zithromax® 500 mg. Die QTc-Zeit verlängert sich dadurch auf 650 ms! (Normwert: max. 450 ms)

Fragen: Welche Medikamente können in Kombination die QTc-Zeit-Verlängerung hervorgerufen haben? Welches Antibiotikum wäre in der Kombination sicherer?

Hinweis: Die im MM-Fall und der Auflösung genannten Fertigarzneimittel hat das Lecture-Board beispielhaft und wertfrei für die enthaltenen Wirkstoffe bzw. -kombinationen ausgewählt. Die genannten Produkte stehen damit für alle vergleichbaren Präparate.

Zur Auflösung

Fallauflösung

pillegruen

Herr M. nimmt bereits mit seiner Dauermedikation mehrere QT-Zeit-verlängernde Arzneimittel ein: Das Antiarrhythmikum Amiodaron (Sedacoron®) wirkt QT-Zeit-verlängernd, genauso wie die Antipsychotika Ziprasidon (Zeldox®) und Prothipendyl (Dominal® forte) sowie die Antidepressiva Paroxetin und Trazodon (Trittico®). Ein weiteres Risiko ist durch die vorbestehende schwere Herzerkrankung gegeben.
Mit Moxifloxacin (Avelox®) und Azithromycin (Zithromax®) erhält er zwei Antibiotika, die ein QT-Zeit-verlängerndes Potenzial aufweisen. Die Kombination von Sedacoron®mit Zeldox®, Avelox® oder Zithromax® ist laut Hersteller kontraindiziert, ebenso die Kombination von Zeldox® mit Avelox. Sedacoron® hemmt überdies den enzymatischen Abbau von Paroxetin via CYP 2D6.

Weiteres Vorgehen: Die beiden Antibiotika sollten vom Arzt dringend abgesetzt werden. Als Alternativen können Penicilline oder Unidrox® (Prulifloxacin) vorgeschlagen werden. Außerdem sollte eine Evaluierung der antidepressiven und antipsychotischen Medikation durch den Psychiater erfolgen und eine Umstellung auf Arzneimittel mit geringerem Potential zur QT-Verlängerung vorgenommen werden.

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