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Medikationsmanagement: Anticholinerge AM: Tollkirsche am Rezept

MM Kurs Teil 1

MEDIKATIONSMANAGEMENT – TEIL 1
Obstipation, Herzrhythmus- und Gedächtnisstörungen – anticholinerge Effekte von Medikamenten führen insbesondere bei älteren Menschen zu klinisch relevanten Nebenwirkungen. Was muss in der Beratung beachtet werden?

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Medikationsmanagement: Anticholinerge AM: Tollkirsche am Rezept

Obstipation, Herzrhythmus- und Gedächtnisstörungen – anticholinerge Effekte von Medikamenten führen insbesondere bei älteren Menschen zu klinisch relevanten Nebenwirkungen. Was muss in der Beratung beachtet werden?

„Seit dem neuen Medikament klappt es mit der Verdauung überhaupt nicht mehr.“ „Ich kann kaum noch schlucken und sehe davon verschwommen.“ „Ich fühle mich schwindlig und benommen.“ – Bei solchen Klagen sollte die Medikation des Kunden genau unter die Lupe genommen werden, denn häufig stecken anticholinerge Effekte von Arzneimitteln hinter den Beschwerden.

Eine Aktivierung des Parasympathikus steigert die Bildung von Speichel und Darmsekreten sowie die gastrointestinale Peristaltik, verringert Herzfrequenz und Blutdruck und fördert die Ausscheidung. Die Pupillen verengen sich. Acetylcholin ist somit als Neurotransmitter des Parasympathikus für viele physiologische Prozesse wichtig. Er greift an den beiden cholinergen Rezeptortypen an: den muskarinergen M-Rezeptoren (M1–M5) und den nicotinergen N-Rezeptoren. Nebenwirkungsrelevant ist vor allem die Blockade der M-Rezeptoren durch Medikamente. Antagonist an diesen Rezeptoren ist das Tollkirschengift Atropin, anticholinerge Arzneistoffe rufen daher „atropinartige Nebenwirkungen“ hervor.

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Test

Fallbeispiel aus der Apotheke

pillerot

Frau J., 82 Jahre, hat wegen eines Harnwegsinfekts mit Nierenschmerzen ein Rezept über Ciprofloxacin 250 mg 1-0-1 erhalten und kauft sich Buscopan® Dragees dazu.

Ihre Dauermedikation:

Thrombo ASS® 1-0-0
Concor® 5mg 1-0-0
Lasix® 40mg 1-0-0
Saroten® 10 mg 0-0-1
Ditropan® 1-0-0
Pantoloc 20mg 1-0-0
Oxycontin® 10mg 1-0-1

In der Folge kommt es bei der Patientin zu massiver Mundtrockenheit, Verwirrung, Angst, Agitiertheit und durch einen Sturz zu einem Oberschenkelbruch.

Fragen:   Warum stürzt die Dame? Warum ist sie verwirrt? Was muss bei Ciprofloxacin beachtet werden?

Hinweis: Die im MM-Fall und der Auflösung genannten Fertigarzneimittel hat das Lecture-Board beispielhaft und wertfrei für die enthaltenen Wirkstoffe bzw. -kombinationen ausgewählt. Die genannten Produkte stehen damit für alle vergleichbaren Präparate.

Zur Auflösung

Fallauflösung

pillegruen

Bereits die Dauermedikation enthielt eine Kombination von Medikamenten mit anticholinergen Nebenwirkungen: das trizyklische Antidepressivum Amitriptylin (Saroten®), das stark anticholinerg wirkt, sowie das als Hypnotikum verwendete H1-Antihistaminikum Diphenhydramin (Calmaben).

Dazu kommt Ciprofloxacin, das als Gyrasehemmer ebenfalls anticholinerg wirkt und das periphere Spasmolytikum Butylscopolamin (Buscopan®), das die peripheren Nebenwirkungen (Mundtrockenheit) verstärkt. Ciprofloxacin wirkt überdies in gewissem Umfang neurotoxisch sowie reaktionseinschränkend, was die Verwirrung und Sturzneigung verstärkt.

So entsteht ein anticholinerges Syndrom mit Mundtrockenheit, Verwirrung und Sturzneigung. Durch ihr hohes Alter war die Patientin besonders gefährdet, ein anticholinerges Syndrom zu entwickeln.

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