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DFP Literaturstudium: Schulpflicht für den Rücken

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Kreuzschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden. Die Rückenschule – ein Programm aus unterschiedlichen Kraft- und Bewegungsübungen – kann therapeutisch und präventiv eingesetzt werden.

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Fortbildungs-ID
620452
Fortbildungsanbieter
Landesklinikum Neunkirchen, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie und Unfallchirurgie
AutorIn(nen)

Kreuzschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden. Die Rücken­schule – ein Programm aus unterschiedlichen Kraft- und Bewegungs­übungen – kann therapeutisch und präventiv eingesetzt werden.

Bei Rückenschmerzen entwickelt sich häufig ein Teufelskreis: Viele Menschen mit Rückenschmerzen meiden aus Angst vor Schmerzen jede Form der körperlichen Bewegung. Die Bewegung ist aber als Prävention und als Behandlung von Rückenschmerzen wichtig: Mangelnde Bewegung schwächt die Muskulatur, wodurch die Stabilität des Rückens leidet und sich die Rückenschmerzen immer weiter verstärken können – damit beginnt der Teufelskreis. Und bei Vorliegen einer Adipositas wird der Teufelskreis noch zusätzlich verstärkt, da sich das Übergewicht zusätzlich belastend auf die Wirbelsäule auswirkt. Angesichts der hohen Inzidenz von Rückenbeschwerden und von Adipositas – laut BMGF sind 41 Prozent aller Österreicher übergewichtig beziehungsweise adipös – wäre es daher ratsam, alle Patienten in der Allgemeinpraxis über die Vorteile und den präventiven Charakter der regelmäßigen Bewegung aufzuklären.3)

Ein allgemeiner Tipp: Beim Umgang mit Patienten sollte man sich bewusst sein, dass der Terminus „akuter Rückenschmerz“ recht dehnbar ist und sich Patienten mitunter hinter der akuten Symptomatik quasi verstecken, um nicht selbst etwas tun zu müssen; viele hoffen eher auf Hilfe durch Medikamente oder Operationen. Wichtig wäre es, das Bewusstsein der Patienten dafür zu schärfen, dass in den meisten Fällen nach Abklärung eine angepasste Bewegungstherapie absolut sinnvoll ist.
Allerdings: Beim akuten unspezifischen Kreuzschmerz ist zwar die Aktivierung ein primäres Ziel, jedoch sollen vor allem auch eine Chronifizierungstendenz rechtzeitig erkannt und entsprechende chronifizierende Faktoren hintangehalten werden.

Kreuzschmerzen: akut, prächronisch, chronisch

Die Einteilung erfolgt in der Leitlinie „Unspezifischer Kreuzschmerz“ nach der zeitlichen Achse der Schmerzen: Bei nicht erfolgter deutlicher Besserung bei leitliniengerechter Behandlung des akuten unspezifischen Kreuzschmerzes wird die Phase zwischen vier und sechs Wochen nach Behandlungsbeginn als prächronisch bezeichnet, danach gelten die Schmerzen als „chronisch“.

1. Ursachen

Laut Leitlinien gilt eine Kombination aus physikalischen und psychosozialen Faktoren als relevant; das Risikoprofil für das Auftreten von Kreuzschmerzen und dessen Chronifizierung setzt sich aus interindividuell unterschiedlichen Faktoren zusammen, deren Erfassung sich zum Teil schwierig gestaltet. Zu diesen Faktoren zählen einerseits psychosoziale Faktoren („yellow flags“), darunter Depressivität, Distress (Stress, vor allem berufs-/arbeitsplatz­bezogen), aber auch schmerzbezogene Kognitionen (Ka­tastrophisieren, Hilf-/Hoffnungslosigkeit, Angst-­Vermeidungs-Überzeugungen, passives Schmerzverhalten (ausgeprägtes Schon- und Angst-Vermeidungsverhalten) oder eine Neigung zur Somatisierung. Zusätzlich zu den psychosozialen Risikofaktoren beeinflussen auch arbeitsplatzbezogene Faktoren das Entstehen chronischer Kreuzschmerzen, diese sind bekannt als sogenannte „blue flags“ (subjektive Faktoren) beziehungsweise „black flags“: objektivierbare soziale Rahmenbedingungen seitens der Arbeitgeber/Versorgungssysteme oder objektiv messbare Arbeitsplatz-Faktoren.

Zu den wichtigsten arbeitsplatzbezogenen Faktoren zählen

  • überwiegend körperliche Schwerarbeit (Tragen, Heben schwerer Lasten) oder überwiegend ­monotone Körperhaltung
  • geringe berufliche Qualifikation
  • geringer Einfluss auf die Arbeitsgestaltung
  • berufliche Unzufriedenheit
  • Verlust des Arbeitsplatzes
  • eigene negative Erwartung hinsichtlich der Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Auch Ärzte können eine Rolle im Chronifizierungsprozess spielen, die Evidenz ist diesbezüglich aber laut deutschen Autoren „schwach beziehungsweise uneinheitlich“. Hierzu zählen etwa eine Überbewertung somatischer oder radiologischer Befunde oder der übertriebene Einsatz diagnostischer Maßnahmen. Lediglich als „sonstige Faktoren“ gelten laut Leitlinien Rauchen, Übergewicht, geringe körperliche Kondition und Alkohol.

2. Die Rückenschule4)

Die Rückenschule ist ein therapeutisches Konzept, das zur Prävention von Rückenschmerzen und zur Behandlung von Patienten mit Rückenschmerzen eingesetzt wird. Ziel ist es, durch unterschiedliche Kraft- und Beweglichkeitsübungen Bauch- und Rückenmuskulatur zu stärken beziehungsweise eine möglicherweise bereits verkürzte Muskulatur zu dehnen; zusätzlich soll der Patient ein rückengerechtes Verhalten in Beruf und Alltag sowie Konzepte zur Entspannung erlernen.

Den Leitlinien zufolge kann die Rückenschule, die auf einem biopsychosozialen Ansatz basiert, bei länger anhaltenden (> sechs Wochen) oder rezidivierenden, nichtspezifischen Kreuzschmerzen angewendet ­werden. Die Autoren verweisen allerdings auch auf einen 2004 veröffentlichten Cochrane Review, in dem sich widersprüchliche Wirksamkeitsbelege für ­Rückenschule im Vergleich zu anderen Therapiemaßnahmen zur Behandlung akuter und subakuter nichtspezifischer Kreuzschmerzen bezüglich Schmerzreduktion, Zunahme der körperlichen Funktionsfähigkeit sowie Rückkehr zum Arbeitsplatz fanden.5) Für rezidivierende sowie chronische nichtspezifische Kreuzschmerzen finden sich Hinweise für eine kurz- bis mittelfristige Besserung von Schmerz und Funktionsfähigkeit, doch waren die eingeschlossenen Studien sehr heterogen und von mäßiger Qualität. Fazit der Autoren: „Die Inhalte und Strukturen der Rückenschulen sind sehr unterschiedlich, somit ist ihre ­Bewertung schwierig.“ Insgesamt scheint die Rückenschule vor allem in einem berufsbezogenen Setting effektiver zu sein als andere konservative Therapieverfahren.

In den Leitlinien wird folgender Schluss gezogen: „Im Rahmen von multimodalen Behandlungsprogrammen kann eine Rückenschule nach biopsychosozialem Ansatz, die beratende und bewegungsfördernde Aspekte beinhaltet, zusätzlich zu verhaltens-, ergo- und physiotherapeutischen Maßnahmen empfohlen werden.“ Es wird zudem als sinnvoll erachtet, dass „erlebnisorientierte körperliche/sportliche Aktivität, Strategien zur Schmerz- und Stressbewältigung, Entspannungsverfahren, Körperwahrnehmung und Wissensvermittlung dabei im Vordergrund stehen“.

3. Die Top-Fünf-Übungen für den Rücken

Kniebeugen: kräftigen Oberschenkel- und Rückenmuskulatur. Füße hüftbreit auseinander, Rücken gerade halten, Bauchnabel nach innen ziehen. Nun so weit in die Knie gehen wie möglich, und zwar mit dem Gesäß nach hinten; die Zehen sollten zu jedem Zeitpunkt zu sehen sein, die Knie dürfen sie nicht verdecken. Kurz halten und wieder nach oben kommen.

Vierfüßlerstand: Kräftigung der Rückenmuskulatur und verbessertes Gleichgewicht. Knieend am Boden, die Hände sind aufgesetzt und direkt unter den Schultern. Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule halten, nicht nach unten oder nach oben sehen. Die Knie abwechselnd nach vorne Richtung Schulter führen und lang ausstrecken, die Arme werden gegenläufig waagrecht nach vorne gestreckt.

Crunches: Stärkung der geraden Bauchmuskulatur. Am Rücken am Boden liegen, beide Beine anwinkeln, die Füße sind aufgestellt; Blick nach oben. Beim ­Ausatmen Kopf und Oberkörper langsam und gleich­mäßig anheben, die Hände dabei zu den Ober­schenkeln ziehen. Blick immer nach oben richten! Die Bauchmuskulatur stützt die Wirbelsäule beim Heben und Tragen von vorn und trägt daher wesentlich zur Stabilität des Rückens bei. Ein dicker, untrainierter Bauch kann keine Stützfunktion ausüben und belastet die Wirbelsäule durch das zusätzlich zu tragende Gewicht doppelt.

Brücke: Stärkung der Rücken- und Gesäßmuskulatur. Am Rücken am Boden liegen, beide Füße sind aufgestellt. Beide Füße auf den Boden drücken und gleichzeitig Becken und Rücken gerade anheben. Steigerung: Während des Anhebens des Beckens ein Bein strecken, dabei auf eine stabile Position des Beckens achten (gerade halten, nicht drehen)

Superman: Zur Kräftigung der Rückenmuskulatur. Am Boden am Bauch liegend, die Arme seitlich neben dem Körper. Beim Einatmen Arme, Kopf und Oberkörper anheben und die Arme nach vorne strecken und wieder zurückziehen. Als Steigerung der Übung können zusätzlich die (gestreckten) Beine angehoben werden.

4. ein rückenfreundlicher Alltag

Die wichtigste Grundregel für einen rückenfreundlichen Alltag ist die Bewegung, die so oft wie möglich und so gut wie möglich in den Alltag eingebaut werden sollte.

  • Lasten sind immer mit geradem Rücken zu heben und zu tragen, nicht mit gebeugtem Rücken.
  • Beim Herunter- und Vorbeugen in die Knie gehen und versuchen, den Rücken möglichst gerade zu halten.
  • Einseitige Belastungen vermeiden: Es ist besser, zwei mittelschwere Einkaufssackerln – eines in jeder Hand – zu tragen, als ein sehr schweres auf einer ­Seite zu tragen.
  • Das Gewicht sollte immer dicht am Körper gehalten werden.
  • Wer länger auf Straßenbahn oder Bus warten muss, geht häufig in eine instabile „Steh“-Haltung über: Der Rücken wird rund, die Schultern werden nach vorne gezogen, man lässt sich im wahrsten Sinne des Wortes „hängen“. In diesen Situationen kann man aktiv den Rücken immer wieder aufrichten, die Arme nach oben strecken und dann in ein gerades Stehen übergehen. Aus Pilates kommt die Empfehlung, sich dabei als Marionette zu sehen, die an einem Faden in die Länge gezogen wird, der am Kopf befestigt ist.

Volksleiden Rückenschmerz

Laut deutscher Rückenschmerzstudie 2003/2006 sind bis zu 85 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben von Kreuzschmerzen betroffen; in einem Gesundheitssurvey 2009/2010 gaben 25 Prozent der Frauen und 17 Prozent der Männer an, im Jahr vor der Befragung unter Kreuzschmerzen gelitten zu haben, die mindestens drei Monate anhielten und sich nahezu täglich bemerkbar machten, berichten die Autoren der Deutschen Leitlinie „Unspezifischer Kreuzschmerz“.1) Laut dieser Umfrage stieg mit zunehmendem Lebensalter auch die Häufigkeit von Kreuzschmerzen an, von elf Prozent der unter 30-Jährigen auf 30 Prozent der über 65-Jährigen. Bei Frauen waren in allen Altersgruppen Kreuzschmerzen häufiger als bei Männern. Sozioökonomische Faktoren werden hier hervorgehoben: In allen Altersgruppen gaben Personen mit niedrigem Sozialstatus (gemessen an Bildung, beruflicher Stellung und Einkommen) häufiger Kreuzschmerzen an als Personen mit mittlerem oder hohem Sozialstatus. Und in Österreich gehen laut Zahlen des Fehlzeitenreport 2016 13 Prozent der Krankenstandsfälle auf muskuloskelettale Erkrankungen zurück, wovon Rückenschmerzen die häufigste Erkrankung darstellen.2)

4.1 Ein rückenfreundlicher Büroalltag

Die meisten Menschen sitzen den ganzen Tag im Büro. Laut Deutscher Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) sind die folgenden Belas­tungen die stärksten Risikofaktoren für muskuloskelettale Beschwerden im Nacken- und Rückenbereich:

  • Unzureichende Arbeitsmittel und Möbel (insbesondere Arbeitstisch und Stuhl)
  • Ungünstige Positionierung der Hauptarbeitsmittel (Tastatur und Bildschirm)
  • Fehlende Systemergonomie (Abstimmung der Arbeitsmittel und Möbel und Anpassung an die Arbeitsumgebung)
  • Ungünstige Arbeitsaufgabe mit repetitiven Bewegungsabläufen
  • Zu lange tägliche Arbeitszeit am Bildschirm mit zu wenigen Pausen und geringen Haltungswechseln.

Man sollte also versuchen, nicht länger als 30 Minuten in derselben Position zu bleiben, zwischendurch immer wieder aufstehen und zumindest ein wenig herumgehen. Wenn man schon nicht aufstehen kann, da man einfach nicht vom Computer wegkommt, kann man den Rücken zumindest durch regelmäßiges Zurücklehnen entspannen. Zwischendurch die Hände im Nacken verschränken und sich weit nach hinten strecken, als Gegenbewegung zur Beugung nach vorne. Häufiger die Sitzposition wechseln: Gehen Sie aus dem gebeugten Sitzen in die überstreckte Sitzposition und dann in gerades Sitzen über. Wichtig ist der Positionswechsel zwischen den verschiedenen Möglichkeiten des Sitzens. Einige effektive Übungen lassen sich auch einfach im Büroalltag integrieren, wie das Beispiel im Video zeigt. Weitere Übungen finden Sie auf medonline.at.

Lasten richtig zu heben ist in Beruf und Alltag wichtig für einen gesunden Rücken. Dieses Video zeigt, wie das geht

4.2 Tipps für den Arbeitsplatz6)

Die richtige Höhe des Schreibtisches: Sie ist abhängig von der individuellen Größe des Nutzers sowie von der Stuhlhöhe. Ideal ist nach Empfehlungen der BAUA eine Höhenverstellbarkeit zwischen 68 und 118 Zentimetern. Der Mittelwert eines Schreibtisches liegt bei 72 Zentimetern, was laut BAUA für die überwiegende Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung passend ist. Die Platte des Tisches sollte eine Breite von 160 Zentimetern sowie eine Tiefe von mindestens 80 Zentimetern aufweisen.

Die Empfehlungen für die Belegung des Tisches haben sich geändert: Galt früher die Empfehlung, dass alles in unmittelbarer Nähe stehen sollte, gilt nun, dass sich der Büromensch sich durchaus ein wenig strecken und recken soll, um an den Locher oder Tacker zu gelangen. Ordner und Unterlagen sollten ruhig in einem weiter entfernten Regal untergebracht werden, um sich regelmäßig zumindest zu dieser kleinen Aktivität zu zwingen.

Telefon, Tastatur und Maus sollten allerdings in bequemer Reichweite stehen. Besonders wichtig für die Arbeit am Bildschirm ist die richtige Höhe. Sie ist erreicht, wenn die oberste Zeile auf Augenhöhe ist. Der Bildschirm sollte zudem leicht geneigt sein.

Der Stuhl sollte eine gerade oder leicht nach vor geneigte Sitzfläche haben, die Rückenlehne sollte leicht nach hinten geneigt sein. Die Sitzhöhe sollte so gewählt sein, dass Ober- und Unterschenkel einen rechten Winkel bilden.

Wer seinen Rücken zusätzlich noch mit Sport unterstützen möchte, setzt auf Yoga, Wandern, Nordic Walking, Schwimmen, Jogging oder Radfahren; auch ein simples Springseil für zu Hause kann gute Dienste leisten. Als wenig rückenfreundlich gelten Sportarten, bei denen die Wirbelsäule stark belastet wird, wie etwa Gewichtheben, Tennis oder Squash.

Die sitzende Tätigkeit am Schreibtisch ist ein Risiko für Beschwerden in Nacken und Rücken. Einfache Übungen können helfen

5. Indikationen der Rückenschule

Laut Konföderation der Deutschen Rückenschulen liegt für den Einsatz einer Rückenschule eine lange Liste der Indikationen vor.4) Geeignet ist die Rückenschule demnach für / bei:

  • Personen mit dauerhaftem Bewegungs- und Trainingsmangel
  • Dekonditionierungssymptomen (Kraft, Ausdauer)
  • Koordinationsschwächen
  • Muskulären Insuffizienzen und nachfolgenden Haltungsschwächen
  • Personen mit besonders erhöhter körperlicher Beanspruchung (z. B. Pflegeberufe, Bauhandwerk, Montage/Akkord, Stahlwerker, Straßenwerker, metallverarbeitendes Gewerbe)
  • Personen, deren Arbeit repetitives (schweres) Heben/Tragen/Absetzen/Ziehen beinhaltet
  • Personen, die beruflich bedingt wiederkehrende und langanhaltende monotone Körperhaltungen einnehmen müssen (z.B. Sitzen, Stehen)
  • Personen mit erkennbarem Missverhältnis zwischen körperlicher Belastungsfähigkeit und Beanspruchbarkeit
  • Spannungsbedingten Muskel-, Gelenk- und/oder Rückenbeschwerden

Die Rückenschule wird auch als zusätzliche therapeutische Modalität bei seelischer Belastung empfohlen, nämlich speziell für:

  • Personen mit (arbeits-)psychologischen Risikofaktoren
  • Personen mit erhöhter psychischer Stressbelastung
  • Personen mit Depression und Angstzuständen

Rückenschmerzen und Depression

Rückenschmerzen (chronisch oder persistierend) sind so gut wie immer „mehr als Schmerzen im Rücken“, warnen die Autoren des Robert Koch Instituts in einer Aussendung.7) Am häufigsten treten bei Personen mit Rückenschmerzen demnach degenerative und entzündliche Gelenkerkrankungen, Osteoporose, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Depression auf; dies sei diagnostisch und gegebenenfalls therapeutisch zu beachten.

Speziell Depressionen und Rückenleiden können sich häufig gegenseitig bedingen, da depressive Menschen meist auch empfänglicher für Schmerzen sind, während chronische Rückenschmerzpatienten nicht selten über depressive Symptome berichten, so die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde.8) Auch hier ist, ähnlich der Bewegung, ein Teufelskreis möglich: Die Schmerzen verstärken die Depression und damit auch deren typische Symptome wie Antriebslosigkeit, die ihrerseits wiederum Bewegungsmangel und Anspannung zur Folge haben können.

Cave: Man sollte jedoch auch darauf achten, dass viele Menschen, auch wenn sie nicht depressiv sind, einfach auf psychische Belastungen des Alltags oder der Lebenssituation reagieren und dort eventuell auch die „Lösung“ ihrer Schmerzen finden. Es wäre durchaus wünschenswert, bei diesen Rückenschmerz-Patienten wie auch den behandelnden Medizinern das Bewusstsein dafür zu schaffen – ohne die Patienten gleich als „psychisch krank abzustempeln“ und medikamentös einzugreifen.

6. Kontraindikationen

Akute Problemstellungen (orthopädisch/traumatologisch/rheumatologisch/neurologisch):

  • Akute Protusio, Prolaps sowie rezenter Zustand nach Bandscheiben-Op mit neurologischen Ausfallerscheinungen
  • Postoperative Phase nach Bandscheiben-Op bis zu acht/neun Wochen bei komplikationslosem Verlauf
  • Akute entzündliche Prozesse/Schmerzen, Tumore an der Wirbelsäule, nicht verheilte Wirbelkörperfrakturen
  • Akute Erkrankungen, Fieber
  • Personen, die nicht in der Lage sind, mindestens 30 Minuten aktiv an den Bewegungsprozessen der Rückenschule (Sitzen, Stehen, Liegen und Bewegen) ohne Beschwerdeverschlechterung teilzunehmen
  • Akuter Schmerz (Ruhe-, Bewegungs-, Nachtschmerz (entstehend nach Intervention))
  • Akute internistisch-kardiovaskuläre Problemstellungen
  • Akute Nervenentzündungen

Nach der akuten Phase einer Erkrankung oder Verletzung kann langsam begonnen werden, eingeschränkte Bewegungsübungen durchzuführen, selbstverständlich erst nach ärztlicher Abklärung und physiotherapeutischer Einschulung. Hier sollte das Ziel sein, die Bauch- und Rückenmuskulatur gezielt zu stärken, ohne die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu forcieren, das Training beinhaltet also vor allem für die Wirbelsäule isometrische Übungen.

Quellen u.a.:
1) www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/kreuzschmerz/kreuzschmerz-2aufl-vers1-lang.pdf
2) www.hauptverband.at/cdscontent/load?contentid=10008.637786&version=1487075768
3) www.bmgf.gv.at/home/Startseite/aktuelle_Meldungen/Daten_zu_Uebergewicht_und_Adipositas_in_Oesterreich
4) www.kddr.de/wp-content/uploads/2011/09/KddRTrennschaerfe.pdf
5) Heymans MW et al, Cochrane Database Syst Rev 2004;(4):CD000261.
6) www.baua.de/DE/Home/Home_node.html
7) www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/rueckenschmerzen.pdf?__blob=publicationFile
8) www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/ratgeber-archiv/meldungen/article/angst-und-depressive-symptome-koennen-anhaltende-rueckenschmerzen-verursachen/

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