Home / Innere Medizin / Pneumologie / Lungendenervierung lindert Symptome bei COPD

ERS 2018 - AIRFLOW 2-Studie

Lungendenervierung lindert Symptome bei COPD

Am ERS 2018 wurden erste Resultate einer klinischen Studie zu einem Verfahren präsentiert, wodurch blockierte Atemwege wieder geöffnet werden.

Über 300 Millionen Patienten leiden weltweit unter COPD. In Europa sind mittlerweile bereits vier bis zehn Prozent aller Erwachsenen betroffen. Die gezielte Lungendenervierung (targeted lung denervation, TLD) ist ein relativ neuer Ansatz in der Behandlung, die seit 2008 untersucht wird. Studienleiter Dr. Dirk-Jan Slebos vom University Medical Centre Groningen (Niederlande) berichtete im Zuge einer Präsentation am ERS 2018, dass die Therapie COPD-assoziierte Symptome bei mehr als 50 Prozent der Patienten im Vergleich zu einer Scheinbehandlung reduzieren konnte.

Bei der TLD wird bronchoskopisch angeleitet ein Katheter durch die Luftwege eines Patienten eingeführt und ein elektrischer Impuls – die sogenannte Hochfrequenzenergie – an die Nerven an den Außenseiten der Luftwege angelegt. Damit wird die normale Funktion der Nerven unterbrochen, und die Luftwege entspannen und weiten sich. Auch andere typische COPD-Symptome reduzieren sich durch die TLD, die auf cholinerge Neuronen abzielt – ein System, das die Bronchokonstriktion und Mukusproduktion reguliert. Schon jetzt werden Anticholinergika (wie z.B. Tiotropium oder Aclidinium) für die COPD-Behandlung eingesetzt.

Phase-II-Studie zu Wirksamkeit und Sicherheit

Die jetzt präsentierte Studie AIRFLOW 2 wurde in diversen Zentren in sechs europäischen Ländern  – unter anderem in Österreich – durchgeführt. Die Studienteilnehmer wurden randomisiert und erhielten unter Vollnarkose entweder eine TLD oder eine Scheinbehandlung; bei der wurden zwar auch ein Katheter und ein Bronchoskop eingeführt, aber keine Hochfrequenzenergie angelegt. Die Studie wurde unter doppelblinden Bedingungen durchgeführt. Am ERS 2018 wurden jetzt die Daten von 82 Patienten präsentiert – unter ihnen waren auch einige Patienten, die aufgrund ihrer COPD bereits massiv behandelt wurden.

Respiratorische Ereignisse reduziert

Primärer Endpunkt war die Rate respiratorischer Ereignisse in den ersten drei bis sechs Monaten. Nach dieser Zeit hatten nur 32 Prozent der Patienten in der TLD-Gruppe, aber 71 Prozent in der Scheinbehandlungs-Gruppe ein mit der COPD assoziiertes respiratorisches Ereignis (z.B. Kurzatmigkeit, akute Exazerbationen, Infektionen oder respiratorisch bedingte Hospitalisierungen). Auch ein Jahr nach der Behandlung war der Vorteil in der TLD-Gruppe noch sichtbar: Die Hospitalisierungsrate aufgrund respiratorischer Komplikationen war verglichen mit der Scheinbehandlungs-Gruppe um die Hälfte reduziert.

Die Nebenwirkungen fielen relativ gering aus – nach TLD traten keinerlei behandlungsbedürftige Nebenwirkungen auf. Zwölf Prozent der Patienten litten jedoch an Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit und Blähungen. Diese verschwanden allerdings sechs Monate nach Ende der Behandlung. Die Studienautoren vermuten, dass dies an einer möglichen Stimulation der Nerven des nahe gelegenen Schlundes liegen könnte, die während der Behandlung aufgetreten sein könnte. Dazu Studienleiter Slebos: „Wir verbessern derzeit den Prozess und die Bildgebung, um besser zu verstehen, wo diese Magennerven sich befinden. Wir haben außerdem zusätzliche Maßnahmen eingeführt, um unsere Fähigkeit zu verbessern, sie bei zukünftigen Eingriffen zu vermeiden“, fasst Slebos zusammen.

TLD geht in die nächste klinische Phase

Slebos freut sich über die Studienergebnisse: „Die Ergebnisse, die ich heute präsentiere, zeigen, dass die TLD eine zusätzliche Behandlungsoption für COPD-Patienten darstellen könnte, die derzeit die beste verfügbare medikamentöse Behandlung für ihre Symptome erhalten. Sie zeigt eine Möglichkeit auf, die Symptome und Exazerbationen bei Patienten zu reduzieren, die bereits unter aggressiver medizinischer Behandlung standen.“

Eine größere Studie der Phase III, AIRFLOW 3, ist nun für das nächste Jahr in ausgewählten europäischen Zentren geplant. Dabei ist zwar ein ähnliches Studiendesign  geplant, es werden allerdings mehr Patienten eingeschlossen.

Quellen:
  1. Slebos DJ et al.: A double-blind, randomized, sham-controlled study of Targeted Lung Denervation in patients with moderate to severe COPD. ERS 2018, Abstract no: OA4929
  2. Involvierte Länder: Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Niederlande, UK

Ihre Vorteile auf medonline.at

  • Personalisierte Inhalte auf Ihr Profil zugeschnitten
  • DFP Fortbildung: e-Learnings, Literaturstudien & MM-Kurse
  • Aktuelle Fachartikel, State-of-the-Art-Beiträge, Kongressberichte, Experteninterviews

Registrieren Sie sich jetzt kostenlos & bleiben Sie top-informiert!

LOGIN

Login

Passwort vergessen?