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Pneumologische Rehabilitation

Die pneumologische Rehabilitation in der Praxis

Die pneumologische Rehabilitation ist ein wesentlicher Bestandteil der Therapie bei Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen. Durch gezielte Auswahl von Therapiemaßnahmen wird versucht, die größtmögliche Selbstständigkeit der Betroffenen im Alltag trotz Atemnot zu erreichen. (CliniCum pneumo 5/18)

Die pneumologische Rehabilitation führt zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität sowie zu einer Abnahme der Anzahl und Dauer von Spitalsaufenthalten bei Patienten mit COPD und nicht zuletzt zu einer Reduktion der Gesundheitskosten (Richtlinien für die ambulante pneumologische Rehabilitation in Österreich; Vonbank K et al., 2015). Zu den zur Verfügung stehenden Maßnahmen zählen:

  • Schulung einer individuell angepassten Atemtechnik
  • Auswahl und Schulung der für die Patienten geeigneten Inhalationsgeräte
  • Techniken zur Sekretförderung
  • Schulung von Maßnahmen des Atemnotmanagements
  • Durchführung einer angepassten Trainingstherapie wie allgemeines Ausdauer-, Kraft- und Atemmuskeltraining

Schulung der Atemtechnik

Patienten lernen den korrekten Einsatz der sogenannten Lippenbremse v.a. für körperliche Belastung und Atemnotsituationen. Ziel der Lippenbremse ist das Erreichen einer längeren Erholungspause für die Inspirationsmuskulatur. Dies wird durch Verlängern der Ausatemzeit erreicht. Weiters unterstützt die Lippenbremse viele Patienten im Beibehalten eines Atemrhythmus, was oftmals als hilfreich empfunden wird. Explizit ist jedoch darauf hinzuweisen, dass diese Technik zwar sehr vielen, aber nicht allen Patienten hilft. Dies ist bei der Schulung zu berücksichtigen.

Auswahl und Schulung von Inhalationsgeräten

Für die Auswahl des geeigneten Inhalationsgerätes und die Durchführung einer effektiven Inhalationsschulung ist fundiertes Grundlagenwissen über die Atemtechnik bei der Aerosoltherapie sowie über die gerätespezifischen Merkmale unumgänglich. Neben den Eigenschaften der einzelnen Inhalationsdevices sind bei der Auswahl die aktuelle Krankheitssituation sowie die Fähigkeiten und Fertigkeiten des jeweiligen Patienten entscheidende Parameter. Als Voraussetzung für die Bedienung der einzelnen Inhalationsgeräte gelten folgende patientenbezogene Kriterien:

  • kognitive Fähigkeiten
  • Fähigkeit zum Mundschluss
  • Feinmotorik (etwa beim Auseinanderziehen der Blisterfolie bei Kapsel-Inhalatoren)
  • Fingerkraft (besonders bei Dosieraerosolen und dem Soft Mist Inhaler)

Darüber hinaus müssen die Patienten in der Durchführung des korrekten Atemmanövers geschult werden. Dies ist für Patienten deswegen häufig schwierig, da unterschiedliche Inhalatortypen unterschiedliche Atemmanöver benötigen. Die Inhalation mit einem Dosieraerosol und einem Respimat erfolgt nach vollständiger Ausatmung langsam und tief. Bei der Inhalation mit einem Pulverinhalator sollen die Patienten kräftig und rasch nach erfolgter Ausatmung einatmen. Am Ende der Einatmung sollen die Patienten die Luft anhalten, damit sich das Medikament verteilen und ablagern kann, egal bei welchem Device. Mithilfe eines Inchecks lässt sich überprüfen, ob die Patienten das korrekte Atemmanöver für den gewählten Inhalator beherrschen.

Praxistipp
Haben Patienten größere Mengen Schleim in den zentralen Atemwegen – wie dies häufig bei einer COPD-Erkrankung der Fall ist –, so sollten sie jedenfalls vor Inhalation eines Medikaments abhusten. Andernfalls lagert sich das inhalierte Medikament am Schleim ab und wird in Folge ohne wirken zu können wieder ausgehustet.

Techniken zur Sekretförderung

Um Aushusten zu können, benötigt der Patient eine tiefe Inspiration, um so genug Luft unter das Sekret zu bringen, und nachfolgend eine kräftige Exspiration, um den Schleim aus der Lunge zu evakuieren. Viele Patienten mit chronischem Husten leiden unter einer sogenannten Hust-Ineffektivität. Dies bedeutet, dass die Betroffenen vor allem das Sekret in den zentralen Atemwegen nicht abhusten können. Dies führt oftmals zu anstrengenden, aber unproduktiven Hust-Anfällen und Atemnot. Bei Patienten mit chronischem Husten empfiehlt sich deswegen die Messung des Peak-Cough-Flows mittels eines herkömmlichen Peakflowmeters. Bei einem kräftigen Menschen liegt dieser über 360 Litern/Minute. Liegt der Peak-Cough-Flow-Wert unter 160 Litern/Minute, kann davon ausgegangen werden, dass diese Patienten Schwierigkeiten beim Aushusten haben.

Gründe hierfür kann eine schwache Bauchmuskulatur sein, welche mit einem herkömmlichen Bauchgurt aus dem Sanitätsfachhandel für die sekretfördende Therapie unterstützt werden kann. Ist der Beckenboden zu schwach, um dem intraabdominalen Druck beim Husten standzuhalten, wird dieser für die Dauer der Therapie unterstützt, indem man den Patienten beispielsweise auf eine Handtuchrolle setzen lässt. Durch den Druck auf den Beckenboden lässt sich ein mögliche Inkontinenz und damit Druckverlust verringern. Zur Einstellung von Geräten zur Sekretförderung sollten immer Physiotherapeuten beigezogen werden. Übersichtslisten hierfür finden Sie unter www.physioaustria.at/therapeutensuche bzw. www.oegp.at/atemphysiotherapeuten

Atemnotmanagement

Sicherheit kann man Patienten mit – gelegentlicher oder ständiger – Atemnot dadurch geben, indem man das korrekte Verhalten in Atemnotsituationen übt. Dazu gehören das Einnehmen von sogenannten atemerleichternden Körperpositionen, eine korrekte Atemtechnik (z.B. Lippenbremse), aber auch der korrekte Umgang mit Sauerstoff. Aus Angst vor einer Atemnotsituation vermeiden es Patienten mit Lungenerkrankungen häufig, sich im Alltag zu belasten. Dies führt zusätzlich zu ihrer Grunderkrankung zur muskulären Dekonditionierung.

Leistungsdiagnostik

In der pneumologischen Rehabilitation sind auf die spezifischen Patientenbedürfnisse angepasste Leistungstests unverzichtbare diagnostische Maßnahmen zur Trainingsplanung und Outcome-Messung. Neben aufwändigen Labortests wie der Spiroergometrie werden in der Leistungsdiagnostik einfache Feldtests wie Sechs-Minuten-Gehtest oder Shuttle-Walking-Test verwendet. Sogenannte ADL (Aktivitäten des täglichen Lebens)-Tests sind als Ergänzung zum Sechs-Minuten-Gehtest eine wesentliche Informationsquelle zur Beurteilung des funktionellen Status von Patienten. Mittels ADL-Tests können auch Hilfsmittel zur Erleichterung der Selbstversorgung identifiziert und auf ihre Tauglichkeit überprüft werden. Zu diesen ADL-Tests zählen unter anderem Stepp-Tests, um die Fähigkeit der Patienten, Stufen zu steigen, zu überprüfen und gegebenenfalls ein Krafttraining für die Bein- und Gesäßmuskulatur zu initiieren. Darüber hinaus kann die Durchführung eines Sit-to-Stand-Tests (siehe Tab.), eines Glittre-ADL-Tests oder auch einer Grocery-Shelving-Performance sehr treffsicher auf die körperliche Leistungsfähigkeit von Patienten hinweisen.

Trainingstherapie

Eine wesentliche Säule in der pneumologischen Rehabilitation stellt das allgemeine Ausdauer- und Krafttraining dar, um die Selbstständigkeit der Patienten in Alltagsaktivitäten zu verbessern bzw. zu erhalten. Unterstützend kann ein inspiratorisches Atemmuskeltraining eingesetzt werden, um die Fähigkeit zur Volumsverschiebung der Inspirationsmuskulatur und ihre Ermüdungsschwelle zu verbessern.

Zusammenfassung

Durch die korrekte Auswahl und Kombination von Maßnahmen der pneumologischen Rehabilitation gelingt es in der Regel, für die Patienten eine Symptomreduktion sowie eine Verbesserung der Lebensqualität durch Steigerung ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit zu erreichen.

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