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Brustgesundheitstag 2018

Wie man Narben erfolgreich behandelt

Am Wiener Brustgesundheitstag berichteten Experten nicht nur über die Fortschritte bei der Therapie von Brustkrebs, sondern auch über die Behandlungsmöglichkeiten von Operationsnarben. (Medical Tribune 46/18)

Die normale unreife Narbe ist gerötet, aber nicht erhaben.

In früheren Zeiten galten Narben als ein Zeichen von Tapferkeit, das man gerne sichtbar trug – heute ist das Gegenteil der Fall: Narben sollten so unauffällig wie möglich sein. Die medizinische Nachbehandlung von Narben kann hier einen wichtigen Beitrag leisten und bietet eine Palette von Möglichkeiten. Die physiologische Narbenbildung ist in mehrere Abschnitte unterteilt. In der Exsudations- und Resorptionsphase werden abgestorbenes Gewebe und in die Wunde eingedrungene Keime eliminiert. Daran schließt sich eine proliferative Phase an, in der Keratinoblasten und Fibroblasten die Wunde mit Granulationsgewebe füllen, sodass diese pro Tag im Schnitt um ein bis zwei Millimeter kleiner wird. In der regenerativen Phase verschließt Epithel die Wunde und bildet ein Gerüst aus Fibrin und Fibronektin, das in Kollagen I und extrazelluläre Matrix umgebaut wird.

„Eine Narbe ist ein Balanceakt aus Kollagenaufbau und Kollagenabbau“, sagt der plastische Chirurg Dr. Dani Lutfi vom Brustgesundheitszentrum Wien. Unschöne Narben entstehen aus verschiedenen Gründen. Wenn der Wundverschluss durch chronische Entzündungen gestört ist, kann es bei länger persistierenden inflammatorischen Ereignissen zu einer Atrophie des Gewebes mit anschließendem Einsinken kommen. Ein typisches Beispiel dafür sind die kraterhaften Einziehungen nach einer schweren Jugendakne. Aber auch ein überschießender Heilungsprozess, pathologisches Narbenwachstum, ein Operateur, der die Schnittführung nicht entsprechend der Hautspaltlinien setzt, oder ein zu strenger Narbenverschluss kann die Ursache sein.

Kreisende Bewegungen

Die normale unreife Narbe nach Entfernung des Nahtmaterials, also zirka zwei Wochen nach Operation, ist etwas gerötet, aber weder erhaben noch verdickt oder schmerzhaft. In der weiteren Entwicklung wird diese Narbe zwar durch fehlende Melanozyten etwas hyperpigmentiert, ansonsten aber weich und auf Hautniveau sein. Bei unauffälligen Narben reicht es in der Regel, mehrmals am Tag dünn aufgetragene Creme mit leicht kreisenden Bewegungen locker einzumassieren, was die Narbe stimuliert und das gesamte Gewebe geschmeidig hält. Bei zu aktivem Bindegewebe entwickeln sich – egal, wie gut die ursprüngliche Wundversorgung durchgeführt wurde – hypertrophe Narben, die man wieder aufschneiden und neu nähen kann. Keloide hingegen sind pathologische Narbenwucherungen, die bei jeder weiteren Eröffnung noch mehr wuchern würden. Hier ist eine Radiotherapie induziert bzw. bei sehr hartnäckigen Keloiden eine operative Entfernung mit anschließender Bestrahlung.

Eine Behandlung mit 5-Fluoruracil führt ebenfalls zur Apoptose der Keloidfibroblasten, ist aber durch hohe Nebenwirkungen nur eine Therapie zweiter Wahl. Kleine Keloide und hypertrophe Narben können auch mit Kryotherapie behandelt werden, bei der mit lokalen Sonden Kälte zwischen minus 140 und minus 190 Grad appliziert wird. Die dadurch entstandene Gewebsnekrose beeinflusst die Kollagensythese im Sinne einer schöneren Narbenbildung. Auch lokale Kortison-Einspritzungen können helfen, weil dadurch die Aktivität der Kollagenase und Elastase vermindert werden. Die Lasertherapie eignet sich sehr gut für alle Narbentypen. Sie bewirkt ein Absterben der Zellen innerhalb der Narbe, wodurch diese schrumpft und die Haut gestrafft wird. „Allerdings sollte diese Therapie nur von Experten durchgeführt werden, da für unterschiedliche Narben auch unterschiedliche Laserbehandlungen angewandt werden sollten“, betont Lutfi. Medical Needling ist ebenfalls eine gute Therapie.

Mithilfe einer kleinen Nadel-Walze werden Mikrotraumata gesetzt, die die körpereigene Regeneration und die Kollagensynthese anregen. Auch Silikontherapien bringen ein gutes Ergebnis, obwohl ihre Wirkungsweise noch nicht ganz geklärt ist – man geht davon aus, dass die lokale Temperaturerhöhung im Narbenbereich zu einer verstärkten Kollagenproduktion führt. Silikontherapien können von Patienten eigenständig anwendet werden und sind als Folie, Pflaster oder Salbe verfügbar. Sie sollten für 24 Stunden am Tag über mehrere Monate bis zu einem Jahr aufgetragen werden, um einen optimalen Erfolg zu gewährleisten.

Quelle: Brustgesundheitstag 12. Oktober 2018, Wien, Vortrag „Möglichkeiten der kosmetischen Möglichkeiten nach Brustkrebsoperation – Lipofilling und Narbenbehandlung“, Prof. Dr. Edvin Turkof und Dr. Dani Lutfi, BGZ Wien.

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