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General Session 3

SABCS: Zirkulierende Tumorzellen sind bessere Prädiktoren als Ärzte

Die Zahl zirkulierender Tumorzellen könnte dazu verwendet werden, um zwischen Hormontherapie oder Chemotherapie in der Erstlinie bei Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem (ER+) HER2-negativem (HER2-) metastasiertem Brustkrebs zu entscheiden.

Die Anfang Dezember 2018 am SABCS präsentierte Phase-III-Studie STIC CTC zeigte, dass Patientinnen einen deutlichen Überlebensgewinn haben, wenn die Entscheidung über ihre Erstlinientherapie auf der Zahl der im Peripherblut befindlichen zirkulierenden Tumorzellen (engl. circulating tumor cells, CTC) getroffen wird - auch wenn ihr Arzt eine andere Entscheidung getroffen hätte.

„Im Großen und Ganzen gibt es zwei Therapieoptionen für neu diagnostizierte Patientinnen mit metastasiertem, hormonrezeptorpositiven Brustkrebs: Hormontherapie oder Chemotherapie - eventuell gefolgt von einer Hormon-Erhaltungstherapie. Es gab bisher allerdings noch keinen Biomarker, der diese Entscheidung unterstützen kann“, erklärt Erstautor Dr. François-Clement Bidard, PhD, Professor am Institut Curie in Saint Cloud, Frankreich, und an der Universität von Versailles in einer Pressekonferenz.

Während die Hormontherapie aufgrund ihrer geringen Nebenwirkungen in der Erstlinie die bevorzugte Therapieoption ist, wird die Chemotherapie vor allem bei Patientinnen mit negativen prognostischen Faktoren durchgeführt. Diese prognostischen Faktoren sind jedoch nicht klar definiert. Die Evidenz für die prognostische Rolle der CTCs stieg in den letzten Jahren jedoch stark an. „Die Zahl der CTCs wurde bei tausenden Brustkrebspatientinnen weltweit über die letzten Zehn Jahre untersucht – viele Analysen ergaben, dass die CTC-Zahl neben dem Performance-Status der stärkste Prädiktor für die Prognose von ER+ HER2- Brustkrebspatientinnen im Stadium IV ist,“ so Bidard. Sein Team untersuchte deshalb, ob die CTC-Zahl für die prognostische Einschätzung eines Patienten eignet und damit eine personalisierte Therapieentscheidung zwischen Hormontherapie und Chemotherapie ermöglichen kann.

Fünf CTCs entscheiden über Hormontherapie oder Chemotherapie

In die Studie wurden 761 Patientinnen eingeschlossen. Alle erhielten eine Prognose-Einschätzung durch den behandelnden Kliniker sowie eine Bestimmung ihrer CTCs. Daraufhin wurden sie im 1:1-Design randomisiert und entweder gemäß der Einschätzung des Klinikers (Standard-Arm) oder aufgrund der Zahl der CTCs (CTC-Arm) behandelt. Im CTC-Arm war dabei eine Hormontherapie indiziert, wenn weniger als fünf CTCs in 7,5mL Blut bestimmt wurden; bei mehr als fünf CTC in diesem Nachweis wurde eine Chemotherapie begonnen. Nach der Randomisierung in den durch den Kliniker gesteuerten Standardarm wurden 72,6 Prozent der Patientinnen mit einer Hormontherapie behandelt; 27,4 Prozent erhielten eine Chemotherapie. Im CTC-basierten Arm …

  • … wurde die Wahl des Arztes einer Hormontherapie bei 67,5 Prozent der Patientinnen von einer niedrigen CTC-Zahl bestätigt, die übrigen 32,5 Prozent erhielten eine Chemotherapie basierend auf einer hohen CTC-Zahl.
  • … wurde die Wahl des Arztes einer Chemotherapie bei 48,0 Prozent der Patientinnen von einer hohen CTC-Zahl bestätigt; die übrigen 52,0 Prozent erhielten eine Hormontherapie basierend auf einer hohen CTC-Zahl.

Nach einer medianen Beobachtungsdauer von 10,2 Jahren erreichte die Studie ihren primären Endpunkt des nicht unterlegenen progressionsfreien Überlebens im CTC-basierenden Behandlungsarm, verglichen mit dem Kliniker-basierten Arm (HR=0,98; 90% KI 0,84-1,13).

Die Subgruppen bei denen die Kliniker- und die CTC-basierte Entscheidung auseinanderklafften wurden weiter ausgewertet. Es zeigte sich, dass bei Patientinnen, bei denen eine à priori-Entscheidung zur Hormontherapie getroffen wurde, die aber aufgrund einer hohen CTC-Zahl mit einer Chemotherapie behandelt wurden das PFS signifikant länger war als im Standardarm (medianes PFS 10,5 Monate mit Hormontherapie im Standard-Arm bei hoher CTC-Zahl versus 15,5 Monate mit Chemotherapie im CTC-Arm; HR=0,67; 95%-KI: 0,49-0,92]; p=0,01). Bei dieser Subgruppe gab es außerdem einen nichtsignifikanten Trend zu einem verlängerten Gesamtüberleben (37,1 versus 42 Monate, HR=0,68; 95% KI 0,44-1,07; p=0,09). Im Gegensatz dazu hatten Patientinnen im CTC-Arm, deren Behandlung basierend auf einer niedrigen CTC-Zahl zu einer Hormontherapie de-eskaliert worden waren ein nicht signifikant kürzeres PFS und OS als jene, die Chemotherapie im klinisch getriebenen Arm erhalten hatten.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass moderne prognostische Biomarker wie die CTC-Zahl zu einem verbesserten Patientenüberleben führen können“, resümiert Bidard. „In unserer Studie konnten wir nicht nur zeigen, dass es der gesamten Studienpopulation nicht schadete, die Therapieentscheidung von der CTC-Zahl abhängig zu machen. Die Subgruppenanalyse zeigte auch, dass bei den 292 Patientinnen, bei denen der CTC-Befund eine andere Therapieentscheidung ergab als der behandelnde Arzt getroffen hätte, die CTC-basierte Erstlinien-Chemotherapie mit einer signifikanten Verringerung des Mortalitätsrisikos um 35 Prozent verbunden war.“

Als Hauptlimitation der Studie gab Bidard an, dass während der Studienlaufzeit die CDK4/6-Inhibitoren wie Palbociclib, Ribociclib und Abemaciclib breiten Einsatz in der Erstlinientherapie gefunden hätten „und mittlerweile die Möglichkeit, eine Kombinationstherapie bestehend aus Hormontherapie und einem CDK4/6-Inhibitor oft attraktiver als eine Chemotherapie ist“.

Quelle

Bidard FC et al.: Clinical utility of circulating tumor cell count as a tool to chose between first line hormone therapy and chemotherapy for ER+ HER2- metastatic breast cancer: Results of the phase III STIC CTC trial. SABCS 2018, Abstract GS3-07

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