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General Session 1 & 2

SABCS 2018: 50% reduziertes Rezidivrisiko bei HER2+ Brustkrebs

Zu den Kongress-Highlights beim San Antonia Breast Cancer Symposium zählen zwei Studien zur adjuvanten Therapie die eine bei HER2-positiven und die andere bei triple-negativen Tumoren.

KATHERINE: T-DM1 verbessert iDFS gegenüber Trastuzumab

Adjuvantes Trastuzumab Emtansin (T-DM1) anstelle von Trastuzumab bei Patientinnen mit residualer Erkrankung nach neoadjuvanter Chemotherapie/Trastuzumab reduzierte das Risiko eines invasiven Rezidivs von HER2-positivem, frühem Brustkrebs um 50 Prozent. – So das Ergebnis der Phase-III-Studie KATHERINE (Geyer CE et al., Abstract GS1-10).

Das Risiko für ein invasives Rezidiv oder Versterben wurde durch T-DM1 um 50 Prozent verringert. Das mediane invasive krankheitsfreie Überleben (iDFS, primärer Endpunkt) nach drei Jahren verbesserte sich in der T-DM1-Gruppe um 11,3 Prozent (77 vs. 88,3 Prozent unter T-DM1). Zu iDFS-Ereignissen (Rezidiv oder Versterben ohne Rezidiv) kam es bei 12,2 vs. 22,2 Prozent der Patientinnen. Vorteile für T-DM1 zeigten sich auch im DFS und Fern-Rezidiv-freien Überleben. Das Gesamtüberleben (OS) kann derzeit noch nicht beurteilt werden.

„Der Benefit war in allen wichtigen Subgruppen konsistent“, berichtet Erstautor Prof. Dr. Charles E Geyer Jr., Virginia, USA, und nennt hier u.a. Patientinnen mit Hormonrezeptor-positiven/-negativen Tumoren, negativen Lymphknoten und minimalem Tumorrest in der Brust, Mono- oder dualer HER2-Therapie im neoadjuvanten Setting sowie bei prä- und postmenopausalen Frauen.

Gemäß Geyer hatte T-DM1 in der vorliegenden Studie ein ähnliches  Nebenwirkungsprofil wie im metastasierten Setting.

Die insgesamt 1.489 Patientinnen der KATHERINE-Studie hatten eine neoadjuvante Chemotherapie plus HER2-gezielte Behandlung erhalten, die ein Taxan und Trastuzumab inkludierte, und waren im Anschluss operiert worden. Alle Patientinnen hatten eine residuale invasive Erkrankung in der Brust oder in den axillären Lymphknoten. Innerhalb von zwölf Wochen nach der Operation wurden die Studienteilnehmerinnen 1:1-randomisiert zu T-DM1 (3,6mg/kg i.v. alle drei Wochen) oder Trastuzumab (6mg/kg i.v. alle drei Wochen) über 14 Zyklen.

Diskussion

Geyer glaubt, dass die Ergebnisse praxisverändernd sein werden. „KATHERINE zeigt, dass das Ansprechen auf eine neoadjuvante Therapie dazu genutzt werden kann, Patientinnen mit höherem Rezidivrisiko zu identifizieren. Die Basis dafür ist ein weniger als optimales Ansprechen auf die neoadjuvante Standardtherapie. Diese Patientinnen können dann von einem Switch auf T-DM1 profitieren.“

Auch für Assoz.-Prof. PD Dr. Rupert Bartsch, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien, ist KATHERINE eine Studie, die die Praxis verändern wird. Im Gespräch mit medonline kommentiert der Experte: „Bereits in dieser ersten Interimsanalyse hat sich ein ganz deutlicher, klinischer relevanter Vorteil für T-DM1 gezeigt. Wesentlich ist, dass dieser Vorteil unabhängig davon war, ob neoadjuvant eine Chemotherapie plus Trastuzumab oder Chemotherapie mit Trastuzumab/Pertuzumab erfolgte. Letzteres ist ja in Österreich der Standard. Wesentlich erscheint zudem, dass dieser Vorteil auch bei kleinen residualen Tumoren und nodal-negativer residualer Erkrankung gegeben war. Zusammenfassend heißt das: Eine Patientin, die unter Standardchemotherapie plus Trastuzumab und Pertuzumab keine pathologische Komplettremission erreicht hat, würde ich nach diesen Daten ganz klar als Kandidatin für eine post-neoadjuvante Therapie mit T-DM1 ansehen.“ (Zum Interview)

Eine mögliche Limitation von KATHERINE sieht Geyer darin, dass der HER2-Status anhand einer prätherapeutischen Biopsie des Primärtumors bestätigt wurde, anstelle den Residualtumor zu verwenden. „Gepaarte Biopsien von mehr als zwei Drittel der Studienteilnehmerinnen wurden gesammelt. Weitere Analysen sind geplant um die Rate des HER2-Verlusts in den postoperativen Biopsien und die Aktivität von T-DM1 bei diesen Patienten zu definieren. Die gepaarten Biopsien werden auch weitere Analysen vorantreiben um potenzielle Resistenzmechanismen auf die neoadjuvante Chemotherapie und Trastuzumab sowie T-DM1 zu definieren.“

GEICAM/CIBOMA: kein Vorteil durch adjuvantes Capecitabin

Adjuvantes Capecitabin nach der Standardchemotherapie verbesserte nicht das krankheitsfreie (DFS) und OS bei Patientinnen mit triple-negativem Brustkrebs im Frühstadium. Das zeigte die randomisierte Phase-III-Studie GEICAM/CIBOMA (Martin M et al., Abstract GS2-4).

Nach einem medianen Follow-up von 7,3 Jahren lag das 5-Jahres-DFS bei 79,6 vs. 76,8 Prozent im Capecitabin- vs. Beobachtungsarm (HR 0,82; p=0,135). Für das OS wurde eine Hazard Ratio von 0,92 ermittelt. Auch in der Subgruppenanalyse für das DFS fanden sich mit einer Ausnahme keine signifikanten Unterschiede. Unter insgesamt 248 Patientinnen mit einem nicht-basalen Phänotyp, hatten jene im Capecitabin-Arm ein 49 Prozent geringeres Risiko für ein weiteres Krankheitsereignis  und ein um 52 Prozent geringeres Risiko zu versterben.

Eingeschlossene Patientinnen erhielten randomisiert entweder acht Zyklen Capecitabin (n=448) oder wurden nachbeobachtet (n=428), nachdem sie operiert wurden und eine Standardchemotherapie erhalten hatten. 67,5 Prozent hatten eine Chemotherapie basierend auf Anthrazyklinen und Taxanen erhalten. 55,5 Prozent hatten einen negativen Lymphknotenbefund. Das mediane Alter der Patientinnen betrug 49 Jahre. 68,5 Prozent waren postmenopausal.

Diskussion

Im Gespräch mit medonline kommentiert Bartsch: „Basierend auf der japanische CREATE-X-Studie ist eine adjuvante bzw. eine post-neoadjuvante Therapie mit Capecitabin eine Option bei Patientinnen, die unter einer neoadjuvanten Therapie keine pathologische Komplettremission erreicht haben. In der vorliegenden Studie, mit optimaler neoadjuvanter bzw. adjuvanter Therapie in einer triple-negativen Population, war die Frage, ob eine verlängerte Therapie mit Capecitabin einen Vorteil zeigt. In der ITT-Population sieht man hier keinen Vorteil für die adjuvante Capecitabin-Gabe. Das bestätigt das Gefühl, das viele von uns schon bei CREATE-X hatten, und zwar, dass durch die zusätzliche Capecitabin-Therapie lediglich eine suboptimale präoperative Therapie substituiert wurde. Bei optimaler neoadjuvanter bzw. adjuvanter Behandlung bringt zusätzliches Capecitabin aber keinen Vorteil.“ (Zum Interview)

Erstautor Dr. Miguel Martin, Madrid, Spanien, sieht das anders und empfiehlt adjuvantes Capecitabin zumindest im Arzt-Patienten-Gespräch zu diskutieren. Auch er verweist neben dem Subgruppenergebnis seiner Studie auf Daten der CREATE-X-Studie: „Diese zeigen, dass adjuvantes Capecitabin die Rezidivrate reduzierte und das Gesamtüberleben verbesserte, wenn es Patientinnen mit residualer Erkrankung nach einer neoadjuvanten Chemotherapie gegeben wurde.“

Martin zufolge ist die Hauptlimitation dieser Studie ihre eingeschränkte statistische Power, die durch die kleine Patientenzahl und die – seltener als erwartet aufgetretenen – Rezidive im Kontrollarm verursacht ist.

Quelle

SABCS 2018

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