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Wien: Regelfinanzierung für Hospizbereich gesucht

In Wien gibt es keine landeskoordinierende Organisation, sondern ein Forum von Trägerverbänden. Derzeit sind die MA 24 – strategische Gesundheitsversorgung – und der Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen mit der Schaffung einer Grundlage für eine bedarfsgerechte Hospiz- und Palliativversorgung befasst. (krebs:hilfe! 10/19)

„Es gibt ein gutes Miteinander aller Beteiligten und eine gute Grundversorgung“, betont Erich Borovnyak, MBA, MA, Vorstandsmitglied des Dachverbands Hospiz- und Palliativversorgung Österreich und Leiter Mobiles Caritas Hospiz. Fakt ist, dass Wien eine Vorreiterrolle bei der Betreuung von Schwerkranken einnimmt. Hier entstanden sowohl 1989 die ersten mobilen Hospizteams als auch 1992 die erste Hospizstation, 2001 ein Tageshospiz und 2000 die erste medizinische Abteilung für palliativmedizinische Geriatrie in Österreich. Die gewachsenen Strukturen sind nach wie vor spürbar. Sowohl im stationären Bereich mit den Palliativstationen und den Konsiliardiensten als auch bei der mobilen Versorgung sind mehrere Träger tätig, bei den Hospizteams sind es sogar neun verschiedene Träger. Im Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen findet ein regelmäßiger Austausch mit allen in Wien tätigen Organisationen statt.

Wunder Punkt Hospiz

Borovnyak: „Wünschen uns eine stärkere Finanzierung der Hospizbetreuung und ein Hospiz.“

Trotz seiner Vorreiterrolle sowie der höchsten Bevölkerungszahl ist Wien nicht Spitzenreiter bei der Betreuung von Schwerkranken. Fast im Soll des Österreichischen Strukturplans ist man bei den Palliativstationen. „Das Ziel von 92 Palliativbetten sollte demnächst erreicht werden, die fehlenden Betten sind schon in Planung“, sagt Borovnyak. Im mobilen Bereich stehen für die Betreuung von Schwerkranken vier mobile Palliativteams und elf Hospizteams zur Verfügung sowie für den pädiatrischen Bereich je zwei Palliativ- und Hospizteams. Anders sieht es im Hospizbereich und in der mobilen Hospizbetreuung aus.

Wien hat eine hospizlich geführte Palliativstation der Caritas Socialis am Rennweg, aber kein stationäres Hospiz und nur ein Tageshospiz, das die Caritas im Pflegewohnhaus St. Barbara führt. „Es fehlen uns stationäre Hospizplätze, das ist allen Verantwortlichen bewusst“, berichtet Borovnyak. Zwar hat die CS Caritas Socialis mithilfe von Spenden auf der Palliativstation des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern zwölf Hospizbetten eingerichtet, um Schwerkranken einen Aufenthalt von mehr als 28 Tagen zu ermöglichen. Der Bedarf für Wien liegt allerdings bei 50 bis 60 Betten. Ein Lichtblick für Borovnyak: Der Fonds Soziales Wien hat Bereitschaft signalisiert, das Hospiz zu finanzieren. Jetzt fehlt nur noch die Zusage der Krankenkassen für die ärztliche Versorgung.

Damoklesschwert Finanzierung

Finanzierung ist in Wien ein heikles Thema. Während die Palliativstationen und Konsiliardienste im Zuge der Krankenanstaltenfinanzierung von Land Wien und Sozialversicherungen finanziert werden und die mobilen Palliativteams noch größtenteils ihren finanziellen Bedarf aus Förderungen beziehen, ist der Hospizbereich auf Spenden angewiesen. Das macht sich auch in Zahlen bemerkbar. So ist das mobile Tageshospiz im St. Barbara Pflegeheim derzeit nur an zwei Tagen pro Woche geöffnet. Und auch bei der Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter liegt Wien mit 315 nur an Platz fünf im Österreich-Ranking – nach Niederösterreich, Steiermark, Oberösterreich und Kärnten.

„Es interessieren sich sehr viele Menschen für eine Mitarbeit bei den Hospizteams. Für eine adäquate Begleitung von Ehrenamtlichen bedarf es aber auch entsprechender Ressourcen. Ein mobiles Hospizteam z.B. mit 20 bis 30 ehrenamtlichen Mitarbeitern benötigt Begleitung und Koordination. Die Kosten pro Team beziffert Borovnyak mit 40.000 bis 45.000 Euro pro Jahr. „Der Bedarf ist da, und wir würden gerne das Angebot ausbauen. Aber dazu benötigen wir eine Finanzierung auch im Hospizbereich, so wie sie in anderen Bundesländern üblich ist“, so Borovnyak.

Entwicklung in der Pflege

Erfreulich ist dagegen die Integration der Hospiz- und Palliativversorgung in Pflegeheimen, HPCPH. Mittlerweile ist bereits in vielen Wiener Pflegeheimen das Pflegepersonal entsprechend ausgebildet, sodass die Betreuung und Versorgung gewährleistet werden kann. Bis 2025 sollen alle Pflegeheime im KAV Hospiz- und Palliativversorgung übernehmen können. „Schwerkranke können dadurch auch im Pflegewohnhaus sterben, ohne davor noch einen oder mehrere Transfers in Krankenhäuser über sich ergehen lassen zu müssen. Das bringt eine große Entlastung für die Patienten“, so Borovnyak. Stolz ist er auch auf das Projekt HPC mobil – Hospizkultur und Palliative Care in der Hauskrankenpflege, das von 2015 bis 2018 als Pilotprojekt in Wien lief. „Der Erfolg war so groß, dass dieses Projekt jetzt beispielgebend ist für Folgeprojekte in anderen Bundesländern.“

Hospiz- und Palliativversorgung Wien

Träger: Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen, MA 24, Fonds Soziales Wien sowie öffentliche und private Träger wie der KAV, Caritas, CS Caritas Socialis, Wiener Hilfswerk, Volkshilfe Wien, Malteser, … Besondere Stärken: kurze Wege für die Patienten, Vorreiterrolle bei der Implementierung der Hospizkultur und Palliativbetreuung in Pflegeheimen und bei der Hauskrankenpflege.
Mehr Informationen: www.hospiz.at

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