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Salzburg: Vorreiter, der an der Flächendeckung arbeitet

Eisl: „Eine Stärke ist bei uns, dass es in Salzburg alle Betreuungsangebote gibt und sowohl ein stationäres als auch ein Tageshospiz.“

Nachdem Salzburg in einigen Segmenten der Versorgung Vorreiter war, muss nun am flächendeckenden Angebot gearbeitet werden. Zudem erprobt man im Rahmen eines Pilotprojekts den Einsatz der Telemedizin, um Lücken in der ärztlichen Versorgung zu schließen. (krebs:hilfe! 7/19)

„Salzburg war das erste Bundesland, in dem es alle Versorgungssegmente für Palliativ- und Hospizbetreuung gab“, sagt MMag. Christof Eisl, Geschäftsführer der Hospizbewegung Salzburg, die sich neben der Caritas und den Barmherzigen Brüdern um die extramurale Palliativ- und Hospizversorgung in Salzburg kümmert. Das Bundesland war in vielen Fällen Vorreiter und bietet an der Paracelsus Universität den österreichweit einzigen universitären Lehrgang Palliative Care an. Allerdings decken die bestehenden Einrichtungen laut Eisl den Bedarf nicht ab: Vier Palliativstationen, ein Konsiliardienst, fünf mobile Palliativteams und elf mobile Hospizteams sind tatsächlich unterdurchschnittlich im Ländervergleich. Allerdings hat Salzburg sowohl ein stationäres Hospiz als auch ein Tageshospiz – als eines von drei Bundesländern. Nur Niederösterreich und die Steiermark bieten ebenfalls beides an.

Tageshospiz als Leuchtturmprojekt

Seit 2000 betreibt die Hospizbewegung Salzburg das erste Tageshospiz Österreichs, das mittlerweile zehn Betreuungsbetten bietet. „Mit dem Tageshospiz versuchen wir, die Familien zu entlasten und die pflegenden Angehörigen zu stärken“, erklärt Eisl. Die Patienten kommen meist einmal in der Woche, manche auch zwei bis drei Tage. Neben der medizinischen Versorgung steht die Betreuung der Angehörigen im Fokus. Diese erhalten Beratung und Tipps, wie sie die Lebensqualität ihrer schwer kranken Patienten und auch ihre eigene verbessern können. „Tageshospize sind so konzipiert, dass wir früher unterstützen können als etwa mobile Teams“, so Eisl. Auch kann das Tageshospiz zumindest in der Stadt Salzburg Wartezeiten bis zur Aufnahme ins stationäre Hospiz überbrücken. Das ist mit ein Grund, warum die Hospizbewegung ein weiteres Tageshospiz im ländlichen Raum plant. „Wir haben die Pläne bereits eingereicht“, sagt Eisl.

Telemedizin für Fernversorgung

Ein Pilotprojekt ist der Einsatz von Telemedizin in den Palliativteams. Die Caritas, die die Palliativteams organisiert, möchte damit die Lücken in der mobilen Betreuung der Patienten schließen. Mit dem fünften Palliativteam hat Salzburg im Mai zwar auch die mobile Betreuung aufgestockt, doch vor allem die ärztlichen Ressourcen sind im ländlichen Raum oft schwierig abzudecken. Mit Telemedizin können die zuständigen Ärzte mehr Patienten betreuen. Der Kontakt erfolgt nicht mehr ausschließlich persönlich beim Patienten, sondern über eine gesicherte Datenleitung. Palliativfachkräfte, aber auch Angehörige und Patienten können damit rasch und unkompliziert medizinische Diagnosen und Fragen abklären, und das Fachpersonal vor Ort kann umgehend reagieren.

Ausbau Palliativstationen bis 2021

Ausgebaut werden soll zudem die Palliativversorgung in den Landeskliniken. Derzeit gibt es in Salzburg, Hallein, Tamsweg und Schwarzach insgesamt 22 Palliativbetten. In Mittersill sind weitere vier Betten geplant. Allerdings sei dafür ein Umbau erforderlich, sodass Eisl die Eröffnung frühestens 2021 erwartet. Am Landesklinikum Salzburg werde zudem die bestehende Station von sechs auf zwölf Betten verdoppelt. „Das entspricht dem Versorgungsplan, wurde aber bisher noch nicht umgesetzt“, sagt Eisl. „Wir wünschen uns, dass wir in der letzten Lebensphase zu mehr Lebensqualität beitragen können“, betont Eisl. Die Finanzierung sei die eine Sache. „Wenn ich mir um die Finanzierung weniger Sorgen machen müsste, dann wäre uns sicher geholfen“, so Eisl. Genauso wichtig ist für ihn aber, dass Palliativ- und Hospizversorgung stärker als Teil des Lebens gesehen wird. „Wir bekommen oft die Rückmeldung von Patienten, dass sie viel früher zu uns gekommen wären, wenn sie gewusst hätten, wie viel besser es ihnen dann geht“, berichtet Eisl.

Hospizbewegung Salzburg

Geschäftsführer: MMag. Christof Eisl
Besondere Stärken: der Hospizbereich, Lehrgang Palliative Care an der PMU. Außerdem hat Salzburg mit einem fünften Palliativteam, dem Einsatz von Telemedizin und konkreten Plänen für den Ausbau der stationären Betreuung ambitionierte Ziele.
Mehr Informationen: www.hospiz-sbg.at

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