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PROfound-Studie

ESMO 2019: PARP-Inhibitor punktet bei Prostatakarzinom

Die Therapie mit dem PARP-Inhibitor Olaparib verzögerte den Krankheitsprogress bei stark vorbehandelten Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom und fehlerhaften DNA-Reparaturmechanismen um etwa vier Monate im Vergleich zu einer Hormontherapie mit Enzalutamid oder Abirateron (Hussain M et al., Abstract LBA12_PR). Frühe Daten zeigen auch eine Verlängerung des Gesamtüberlebens um über drei Monate. Zu diesen Ergebnissen kam die im Presidential Symposium III des ESMO-Kongresses 2019 präsentierte PROfound-Studie.

Die Studie inkludierte eine erste Gruppe von Patienten mit Mutationen in BRCA1, BRCA2 und ATM sowie eine zweite Gruppe von Männern mit Alterationen in einem von zwölf anderen Genen, die bei der DNA-Reparatur eine Rolle spielen. Alle eingeschlossenen Patienten waren vorbehandelt. Verglichen wurde Olaparib mit einer Hormontherapie nach Wahl des Arztes (Enzalutamid oder Abirateron).
In der ersten Gruppe lag das progressionsfreie Überleben bei 7,39 vs. 3,55 Monate (HR 0,34; p<0,0001). In der Gesamtpopulation wurde ein progressionsfreies Überleben von 5,82 vs. 3,52 Monate angegeben (HR 0,49; p<0,0001).
Die Interimsanalyse zum Gesamtüberleben für die erste Gruppe ergab 18,5 vs. 15,11 Monate mit Olaparib vs. endokriner Therapie (HR 0,64; p=0,0173), wobei diese Ergebnisse noch unreif sind. Das mediane Gesamtüberleben in der Gesamtpopulation lag bei 17,51 vs. 14,26 Monate (HR 0,67; p=0,0063, nominal).
Unter Olaparib kam es häufiger zu Nebenwirkungen als im Kontrollarm, wobei die mediane Therapiedauer deutlich länger war (7,4 vs. 3,9 Monate). 16,4 vs. 8,5 Prozent der Patienten brachen die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen mit Olaparib vs. endokrine Therapie ab.

Vorteile in allen Subgruppen

„Ein derart signifikanter Effekt auf die Progression des Prostatakarzinoms und auf andere klinisch relevante Effekte wie Schmerzen und die objektive Ansprechrate bei stark vorbehandelten Patienten ist bemerkenswert“, sagt Studienautorin Prof. Maha Hussain, Chicago, USA. „Wir haben die Vorteile mit Olaparib in allen Subgruppen beobachten können, unabhängig von Herkunftsland, Alter, Vortherapie und Schweregrad der Erkrankung, auch bei Patienten mit Metastasierung in die Leber oder Lunge.“

Dr. Eleni Efstathiou, Houston, USA, kommentiert: „Das ist eine Landmark-Studie, weil es die erste Phase-III-Studie ist, die spezifisch Tumore untersucht, die eine angreifbare molekulare Alteration aufweisen. Bei diesen Tumoren resultierte die Therapie mit Olaparib in einer 66-prozentigen Reduktion des Progressionsrisikos im Vergleich zu Hormontherapien. Das ist beeindruckend, weil es deutlich höher ist als die 35 bis 40 Prozent Verbesserung, mit denen wir uns in bisherigen Prostatakarzinomstudien in diesem weit fortgeschrittenen Stadium zufrieden gegeben haben. Es gibt einen Trend für ein verbessertes Überleben, aber hier müssen wir auf die finale Analyse warten.“
Die Expertin ergänzt: „Wir sollten die signifikanten Nebenwirkungen wie Anämie und Übelkeit, die mit Olaparib häufiger waren, nicht ignorieren, weil diese einen deutlichen Einfluss darauf haben können, ob Patienten den Wirkstoff einnehmen können. In der Praxis werden Patienten sorgfältig überwacht werden müssen.“

References

1 Hussain M et al. PROFOUND: Phase 3 study of olaparib versus enzalutamide or abiraterone for metastatic castration-resistant prostate cancer (MCRPC) with homologous recombination repair (HRR) gene alterations. LBA12_PR

ESMO Congress 2019

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