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Fettleber

EASL/ILC 2019: Hohe Mortalität nach NAFLD/NASH unterstreicht Screening-Bedarf

Anlässlich alarmierender Ergebnisse fordern Forscher beim International Liver Congress eine bessere Früherkennung und effektive Therapie von Patienten mit Fettlebererkrankung.

Zwei unabhängige nationale Studien zeigten hohe Progressionsraten und Mortalität unter Patienten mit nicht-alkoholischer Fettlebererkrankung bzw. Steatohepatitis (NAFLD/NASH). Innerhalb von zehn Jahren ab Diagnose erfuhren bis zu elf Prozent der Patienten mit NAFLD/NASH eine Progression in ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium. Letzteres war definiert als NAFLD/NASH mit kompensierter Zirrhose (CC), dekompensierter Zirrhose (DCC), Lebertransplantation (LT) oder hepatozelluläres Karzinom (HCC). Bei bis zu 27 Prozent der Patienten mit NAFLD/NASH und CC kam es zur Leber-Dekompensation.

Progression bei elf Prozent in fünf Jahren

Die erste Studie inkludierte 215.655 NAFLD/NASH-Patienten aus der German Insurance Claims Database (Canbay A et al., Abstract PS-060). Insgesamt wurden 100.644 neue Ereignisse unterschiedlich schwerer Krankheitsstadien identifiziert. Dabei wurden 79.245 Ereignisse (78,7%) nicht-progressiver NAFLD/NASH verzeichnet, 411 Ereignisse von CC (0,4%), 20.614 Ereignisse von DCC (20,5%) elf LT-Ereignisse (0,01%) und 363 HCC-Ereignisse (0,4%). Unter Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung stieg die Mortalitätsrate innerhalb eines Jahres um bis zu 50 Prozent an (8,8-51,2%), im Vergleich zu Patienten mit nicht-progredienter NAFLD/NASH (1,2%; p<0,0001). Dieser Trend setzte sich über fünf Jahre fort, wobei 2,8 Prozent der nicht-progredienten NAFLD/NASH-Patienten verstarben, während es unter jenen mit CC 14,8 Prozent waren, bei jenen mit DCC 25,6 und bei Patienten mit HCC 64,5 Prozent. Nach Adjustierung für demographische Patientendaten und Komorbiditäten, stieg das Mortalitätsrisiko mit der Progression signifikant an (p<0,0001). Verglichen mit nicht-progredienten Patienten war das Mortalitätsrisiko bei NAFLD/NASH-Patienten mit CC, DCC, LT und HCC 2,71-, 4,21-, 2,23- und 13,69-fach höher.

„Während einer fünfjährigen Studiendauer, erfuhren elf Prozent der NAFLD/NASH-Patienten eine Progression in ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium und 17 Prozent der CC-Patienten hatten eine Progression zu einem DCC, nachdem die Todesfälle herausgerechnet wurden“, beschreibt Studienautor Prof. Ali Canbay, Universität Magdeburg, Deutschland, das für ihn besorgnis-erregendste Ergebnis. „Das zeigt sehr klar den Bedarf einer Früherkennung sowie effektiver Therapien um einer Progression vorzubeugen und die Mortalität potenziell zu verringern.“

Zirrhose oft nur bei Dekompensation erkannt

In der zweiten Studie identifizierten französische Forscher 125.052 NAFLD/NASH-Patienten der French National Database on Hospital Care, von denen 1.491 (1,2%) mit CC diagnostiziert wurden, 7.846 (6,3%) mit DCC und 1.144 (0,9%) mit HCC (Boursier J et al., Abstract THU-299). Wie sich bereits in Deutschland gezeigt hatte, erfuhr eine kleine Patientengruppe eine sehr rasche Progression, wobei 5,6 Prozent der NAFLD/NASH-Patienten innerhalb von sieben Jahren eine Progression in ein höhergradiges Leberkrankheitsstadium  hatten und 27,5 Prozent der NAFLD/NASH-Patienten mit CC eine Progression zu DCC. Die Mortalität war in allen Gruppen hoch und nahm erwartungsgemäß mit einer Progression der Lebererkrankung zu. Nach einem Jahr waren 2,1 Prozent der NAFLD/NASH-Patienten verstorben, sowie 4,6 Prozent der CC- und 19,1 Prozent der DCC-Patienten. Die entsprechenden Mortalitätsraten nach sieben Jahren Follow-up lagen bei 7,9, 16,3 und 34,6 Prozent.

„Vor dieser Studie hatten wir nur sehr eingeschränkte Daten zur Krankheitsprogression und Mortalität bei NAFLD/NASH-Patienten in Frankreich“, sagt Prof. Jerome Boursier, Angers Universitätsspital, Frankreich. „Wir sind überrascht von der hohen Gesamtmortalitätsrate bei diesen Patienten (7,9%) – die fast doppelt so hoch ist wie in derselben Altersgruppe der Allgemeinbevölkerung – sowie von der ersichtlichen Rate an Unterdiagnose von zirrhotischen Patienten, von denen die Mehrheit nur infolge eines Dekompensations-Ereignisses identifiziert wurde.

Das zeigt uns, dass wir größere Anstrengung in die Diagnose und möglichst frühe Therapie von NAFLD/NASH-Patienten legen müssen, sodass wir eine Progression hintanhalten oder sogar umkehren können.“

Prof. Philip Newsome, Vize-Sekretär der EASL, kommentiert: „Diese Daten demonstrieren die signifikante Morbidität und Mortalität bei Patienten mit NAFLD und unterstreichen, dass Patienten mit dem größten Progressionsrisiko identifiziert und adäquat therapiert werden sollten.“

„NAFLD – Clinical burden natural history“, International Liver Congress 2019, 11.4.19, Wien

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