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Urothelkarzinom: Über 40 Prozent sprechen auf ein neues Antikörper-Toxin-Konjugat an

Ergebnisse aus der Phase II deuten darauf hin, dass nach Platin-basierter Chemotherapie und Immuncheckpoint-Inhibitoren Enfortumab Vedotin eine neue Therapieoption werden könnte. Eine entsprechende Studie bei 125 Patienten verlief positiv.

Bei Diagnose eines lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinoms ist in der Regel zunächst eine Platin-basierten Chemotherapie vorgesehen, und in der zweiten Linie ein PD-(L)1-Immuncheckpoint-Inhibitor (Pembrolizumab, Atezolizumab, Nivolumab, Avelumab, Durvalumab). Bei einer weiteren Progression gibt es keine etablierte Standardtherapie mehr.

Diese Lücke könnte das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Enfortumab Vedotin (EV) schließen. Der monoklonale Antikörper Enfortumab richtet sich gegen das beim Urothelkarzinom häufig exprimierte Oberflächenantigen Nectin 4, rund 97 Prozent aller Urothelkarzinome. Das gekoppelte Toxin Vedotin wird internalisiert und interferiert dann mit der Kernteilungsspindel.

Nach vielversprechenden Ergebnissen aus der Phase I erhielt die Therapie von der FDA den Status „breakthrough therapy designation“ für Patienten, die nach Immuntherapien eine Progression erleiden.

Studie EV-201

In der Phase-II-Studie EV-201 (NCT03219333) wurden 125 Patienten nach einer Platin-basierten Chemotherapie und/oder Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren eingeschlossen. Gruppe 1 enthielt Patienten, die beide Therapien erhalten hatten, Gruppe 2 hatte nur eine Immuntherapie, aber kein Platin erhalten. Die beim ASCO präsentierte Auswertung betrifft nur die erste Gruppe mit beiden Vortherapien (Petrylak DP et al., Abstract 4505).

Patientencharakteristika

Insgesamt 70 Prozent der Probanden waren männlich, und das mediane Alter betrug 69 Jahre. Bemerkenswert ist, dass 35 Prozent der Patienten Tumore des oberen Harntrakts aufwiesen, eine bei Urothelkarzinomen eher seltene Lokalisation. Die eingeschlossenen Patienten hatten median drei systemische Vortherapien im fortgeschrittenen Setting durchlaufen.

Vielversprechende Ergebnisse

Insgesamt 44 Prozent der Patienten zeigten ein Ansprechen auf EV und erreichten entweder einen Wachstumsstillstand des Tumors oder eine deutliche Tumorschrumpfung. Zwölf Prozent erreichten ein vollständiges Ansprechen mit nicht mehr nachweisbarem Tumor. Die mediane Überlebenszeit wird mit 11,7 Monaten angegeben.

Von den Patienten mit vorherigem Nichtansprechen auf Checkpoint-Inhibitoren sprachen 41 Prozent auf EV an. Bei Patienten mit Lebermetastasierung betrug die Ansprechrate 38 Prozent.

Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat wurde gut toleriert. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Fatigue (50%), Alopezie (49%) und verminderter Appetit (44%).

Ausblick

Die Rekrutierung in Gruppe 2 ohne Platin-Vortherapie läuft noch. Hier müssen die Ergebnisse noch abgewartet werden.

Nach der erfolgreichen Phase-II-Studie ist jetzt eine bestätigende Phase-III-Studie geplant. Außerdem wurde eine Studie zur Erstlinientherapie initiiert; hier wird EV kombiniert mit Pembrolizumab oder EV plus Platin-basierter Chemotherapie geprüft.

Petrylak DP et al.: EV-201: Results of enfortumab vedotin monotherapy for locally advanced or metastatic urothelial cancer previously treated with platinum and immune checkpoint inhibitors; ASCO 2019; Abstract LBA4505

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