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Mit dem Maschinengewehr zum Krebsmedikament

Wenn rund 40.000 Onkologen aus der ganzen Welt zusammenkommen geht es nicht nur um die neuesten Studienergebnisse – über die richtige Therapie entscheiden oft ganz andere Faktoren. Speziell in einkommensschwachen Ländern ist es eher eine Frage der Ressourcen.

Quelle: ASCO Annual Meeting 2018

Guidelines reichen nicht

Am ersten Tag des ASCO 2018 wurden Diagnostik und Therapie von Weichteiltumoren in Ländern mit begrenzten Ressourcen in einer Session behandelt.*

Dr. Ashish Gulia aus Indien führte unter anderem aus, dass zwar neue Medikamente zu Guidelines geführt haben, die Leben retten oder verlängern, doch bei weitem nicht überall auf der Welt bestehen die Voraussetzungen um diese Guidelines umsetzen zu können: Es fehlen Infrastruktur, die Expertise, das Geld für die Medikamente und teilweise stehen auch kulturelle Vorbehalte einer Behandlung entgegen. So sind die Überlebensraten bei Sarkomen in Europa und den USA deutlich besser als beispielsweise in Indien oder Südamerika.

Dr. Gulia hält es daher für notwendig, mit allen Stakeholdern eines jeweiligen Gesundheitssystems durchzugehen, wie die best mögliche Behandlung mit den vorhandenen Ressourcen aussehen muss. Guidelines alleine reichen nicht aus, um zu bewerten, was für Patienten das optimal Mögliche ist.

Fälschen und Rauben

In der gleichen Session sprach Dr. Gilberto Lopes über die Verfügbarkeit von neuen und teuren Medikamenten in Entwicklungsländern. Einige sehr erfolgreiche Medikamente haben im letzten Jahrzehnt die Behandlung nicht nur verbessert, sondern die Kosten der Behandlung enorm erhöht. Lopes versucht schon seit langem zu erreichen, dass die Medikamentenpreise in einkommensschwachen Ländern niedriger angesetzt werden. Seinen Berechnungen zufolge, würde das die Hersteller nur wenig kosten, da es nicht zu globalen Preissenkungen führen müsste. Große Hoffnungen setzt Lopes auch in Biosimilars, deren Potenzial selbst in wohlhabenden Ländern noch bei weitem nicht ausgereizt werde.

Wie bei allen wertvollen Gütern, locken auch teure Medikamente Verbrechen an – nicht nur in Entwicklungsländern sind gefälschte Biologika auf den Markt gebracht worden. An einer Klinik in Brasilien, in der Dr. Lopes arbeitet, seien auch schon einmal mit Maschinengewehren bewaffnete Räuber aufgetaucht, die es gezielt auf ein neues Krebsmedikament abgesehen hatten. Offensichtlich hatten sie einen Käufer.

 

* Education Session, Global Health Perspective in Sarcomas and Other Rare Cancers, ASCO 2018

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