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Klinische Studie

AACR 2019: Genetische Risikofaktoren für Schlaganfall nach ZNS-Bestrahlung bei Kindern nachgewiesen

Dass die Strahlendosis ein Risikofaktor für Schlaganfälle von Krebsüberlebenden nach Hirnbestrahlung im Kindesalter ist, weiß man schon länger. Dass und welche genetische Besonderheiten dies noch potenzieren können, zeigen nun Daten einer Studie, die auf der AACR-Jahrestagung in Atlanta präsentiert wurden.

„Wir haben einen genetischen Risikofaktor identifiziert, der ein hohes Schlaganfallrisiko bei Kindern birgt, die mit kranialer Bestrahlungstherapie behandelt wurden“, sagt Erstautor Yadav Sapkota, PhD, klinischer Wissenschaftler am St. Jude Children’s Research Hospital, USA.

Variation innerhalb der Dosisgruppen

In der auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research (AACR) präsentierten Studie hatten Kinder, die eine Krebserkrankung überlebt hatten und deren Primärtumor mit kranialer Bestrahlungstherapie (CRT) behandelt wurde, ein – je nach eingesetzter Dosierung – erhöhtes Schlaganfallrisiko. Verglichen mit Kindern mit früheren Krebserkrankungen, die keine CRT erhalten haben, haben Kinder, die eine Strahlentherapie zwischen 30 und 50 Gray (Gy) erhalten haben, das sechsfache Risiko für einen Schlaganfall. Kinder, die eine Therapie mit mehr als 50 Gy erhalten haben, haben sogar ein elffach erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Schlaganfalls, wie aus früheren Studien hervorgeht.

Das Schlaganfallrisiko schien in diesen Studien jedoch innerhalb derselben CRT-Dosisgruppe zu variieren, auch wenn andere klinische und demografische Faktoren berücksichtigt wurden. Die Studienautoren spekulierten, dass es zusätzlich eine genetische Veranlagung für Schlaganfälle nach CRT im Kindesalter geben muss.

SNP am 5p15.33-Locus vervielfacht das Risiko

Um häufige (hier definiert als mehr als fünf Prozent) Einzelnukleotidpolymorphismen (SNP) zu finden, die mit dem Schlaganfallrisiko in Zusammenhang stehen, analysierte das Team von Sapkota in der St. Jude Lifetime Cohort (SJLIFE)-Studie Whole-Genome-Sequenzierungsdaten von 686 Personen, die in der Kindheit eine Krebserkrankung hatten. Von den 686 Überlebenden hatten 116 (17%) einen klinisch diagnostizierten Schlaganfall erlitten.

In der multivariaten Analyse, bei der unter anderem Alter bei Krebsdiagnose und Follow-up sowie das Geschlecht und die Strahlendosis berücksichtigt wurden, stellte sich heraus, dass Personen mit Krebserkrankungen in der Kindheit und CRT, die ein häufiges SNP am 5p15.33-Locus in sich tragen, fast dreimal so häufig einen Schlaganfall nach CRT hatten als Personen ohne diesen SNP.

Auch die Strahlendosis beeinflusste das durch den SNP erhöhte Risiko. Mit 25–50 Gy behandelte Überlebende hatten ein um fast fünffach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall, wenn sie den SNP in sich trugen. Patienten mit dem SNP, die mit weniger als 25 Gy bestrahlt worden waren, hatten hingegen nur ein etwa dreifach erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu entwickeln. Die Forscher konnten dieses Ergebnis in der SJLIFE-Studie bei zwei unabhängigen Gruppen von Krebs-Überlebenden nachweisen.

Nachsorge auch in Hinblick auf Herz-Kreislauf

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass eine Kombination aus CRT-Behandlungen in der Kindheit und genetischen Faktoren das Schlaganfallrisiko erhöht“, so Sapkota. Er empfiehlt, dass Patienten, die in der Kindheit eine Hirnbestrahlung erhalten haben, in ein Beratungs- und Nachsorgeprogramm zur kardiovaskulären Risikoreduktion sollten. Die wichtigste Einschränkung der Studie ist für Sapkota die kleine Stichprobengröße, die eine Validierung in weiteren Kohorten erforderlich macht.

Referenz

Sapkota Y et al.: A Genetic Variant Linked to Increased Risk of Stroke in Childhood Cancer Survivors Treated With Cranial Radiation Therapy. Abstract 4909

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