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Klinische Studie

AACR 2019: Hochmaligne neuroendokrine Karzinome profitieren von Immuntherapie-Kombi

Bei Patienten mit hochmalignen neuroendokrinen Tumoren beschränken sich die Therapieoptionen derzeit auf aggressive Chemotherapien. Eine am AACR 2019 präsentierte Phase-II-Studie zeigt, dass eine Kombi-Therapie aus Nivolumab und Ipilimumab bei ihnen wirksam sein könnte.

Die klinische Studie „Dual Anti-CTLA-4 and Anti-PD-1 Blockade in Rare Tumors“ (DART) hat es sich zum Ziel gemacht, die Immuncheckpoint-Kombination aus Ipilimumab und Nivolumab bei seltenen Tumorarten zu testen. Die vollständige Liste der untersuchten Entitäten kann hier abgerufen werden. Nun wurden am Jahreskongress der American Association for Cancer Research (AACR) die Ergebnisse für die neuroendokrinen Tumore (NET) präsentiert, die, zumindest für die hochmaligne Kohorte, vielversprechend sind.

In der prospektiven, offenen, klinischen Phase-II-Studie DART wurden 33 Patienten mit NETs eingeschlossen. Sie wurden mit einer Kombinationstherapie aus Ipilimumab (1mg/kg alle 6 Wochen) und Nivolumab (240mg alle 2 Wochen) bis zur Krankheitsprogression oder dem Auftreten inakzeptabler Toxizität behandelt. In der Kohorte waren die Tumore am häufigsten gastrointestinal (nicht-pankreatisch; n=15; 45%) oder in der Lunge (n=6; 18%) lokalisiert. Die Ergebnisse der Patienten mit pankreatischen NETs werden separat analysiert und voraussichtlich noch dieses Jahr präsentiert. 19 (58%) Patienten hatten niedrig differenzierte, also hochmaligne Tumoren. Die Teilnehmer hatten vor der Studie im Median zwei Therapielinien erhalten.

Ein Viertel der Patienten sprach an

Insgesamt konnte bei acht Patienten mit NETs ein Ansprechen verzeichnet werden; der primäre Endpunkt der Gesamtansprechrate lag damit bei 24 Prozent. Bei einem Patienten wurde ein komplettes Ansprechen beobachtet (3%), bei sieben ein partielles Ansprechen (21%).
Alle Patienten, die auf die Therapie ansprachen, hatten ein als hochmaligne eingestuftes NET. Bei niedriggradig und intermediär malignen Tumorgraden dagegen sprach von 14 Patienten kein einziger an. Die Studienautoren spekulierten im Zuge ihrer Präsentation, dass das alleinige Ansprechen unter den hochmalignen Tumoren auf eine möglicherweise höhere „Tumor Mutational Burden“ zurückzuführen ist. Eine hohe Mutationslast im Tumor ist auch bei anderen Entitäten ein Indikator für das Ansprechen auf Immuntherapien.

Sekundäre Endpunkte umfassten unter anderem das progressionsfreie Überleben nach sechs Monaten (30%) sowie das mediane Gesamtüberleben (elf Monate). Die Immuntherapie-Kombi hatte generell ein akzeptables Nebenwirkungsprofil. Fatigue und Übelkeit waren die häufigsten behandlungsbedingten Nebenwirkungen (30 bzw. 27%). Unter den immunvermittelten Nebenwirkungen trat am häufigsten eine Erhöhung der Alanin-Aminotransferase-Werte der Grade 3 und 4 auf. Es wurden keine immunvermittelten Nebenwirkungen Grad 5 beobachtet.

Wichtige neue Therapieoption

„Wir waren begeistert, dass Patienten mit hochmalignen neuroendokrinen Karzinomen mit der Immuncheckpoint-Kombination einen klinischen Vorteil gewinnen konnten“, so Erstautor Prof. Dr. Sandip Patel, MD, Moores Cancer Center der University of California, La Jolla. „Wenn man bedenkt, dass sich die Therapieoptionen beim hochgradig malignen neuroendokrinen Karzinom derzeit auf aggressive Chemotherapie-Regimes beschränken, ist das ein tolles Ergebnis für diese Patienten.“ Als Hauptlimitation der Studie räumt Patel ein, dass aufgrund des Studiendesigns keine zentrale pathologische Beurteilung vorgenommen wurde.

Studiendesign half bei der Rekrutierung

„Die DART-Studie beweist, dass klinische Studien bei Patienten mit seltenen Krebsarten machbar sind. Wir hoffen, dass sie dazu beiträgt, die landläufige Meinung zu beseitigen, dass klinische Studien bei dieser Patientengruppe nicht sinnvoll sind“, so Patel. Er vermutet, dass ein großer Vorteil der DART-Studie war, dass Patienten in Krankenhäusern in ihrer Nähe behandelt werden konnten. Das war angenehm für die Teilnehmer und könnte bei der Rekrutierung von genügend Studienteilnehmern geholfen haben. 

Patel SP et al.: A Phase II basket trial of dual anti-CTLA-4 and anti-PD-1 blockade in rare tumors (DART) S1609: The neuroendocrine cohort; Abstract CT039

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