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Tabak-Kontrolle: „Natürlich kann man Zigaretten verbieten.“

„Es ist ein politisches Thema. Und obwohl wir keine Politiker sind, müssen wir als Ärzte die Stimme erheben“, sagt Prof. Dr. Robert Pirker, Konferenzpräsident der World Conference on Lung Cancer, die von 4. bis 7. Dezember in Wien stattfand. Zum Start der Konferenz leitete er eine prominent besetzte Diskussionsrunde zum Thema Policy Dialogue "Tobacco Control in Central Europe".

Foto: Bilderbox.at
Expertenrunde: Es gibt kein Recht auf Rauchen

Stärkeres Engagement der Ärzteschaft gefordert

Die Frage, ob eher die Initiative der Politik oder der Ärzteschaft gefragt sei, beantworteten die Experten salomonisch: Beides sei gleichermaßen wichtig, um in der Sache voran zu kommen. MEP Karin Kadenbach österreichisches Mitglied des Europäischen Parlaments: „Üblicherweise braucht es Druck aus der Öffentlichkeit, in diesem Fall aus der medizinischen Community, damit die Politik zu handeln beginnt.“ Das gelte besonders auf der europäischen Ebene. Denn während lokale Initiativen leicht gestartet werden können, fehle dem europäischen Parlament das Initiativrecht. Initiativen müssen von der EU-Kommission oder vom Rat kommen, die durch öffentlichen Druck am besten erreichbar sind. Kadenbach betont, dass es dazu letztlich auch des Verständnisses in der Öffentlichkeit bedürfe. Prof. Pirker unterstrich, dass er daraus die Forderung nach einem stärkeren Engagement der Ärzteschaft ableite. Dr. Miklós Szócska von der Semmelweis Universität in Budapest und ungarischer Gesundheitsminister a.D. wies allerdings auf die Gefahr hin, dass man dabei Gefahr laufe, sich in Richtung „einer gewissen Art von Inzucht“ zu bewegen, zumal auf Konferenzen zu Präventionsthemen weitgehend Übereinstimmung der Meinungen herrsche und ohnedies alle Fragen geklärt seien – es allerdings häufig an der politischen und praktischen Umsetzung fehle: „Die Herausforderung liegt darin, die Politik zu überzeugen – oder besser, gleich die Bevölkerung zu überzeugen. Und wir müssen unsere Kommunikation verbessern. Denn wir sind mit globalem Marketing konfrontiert. Diese Leute sind clever und sie designen ihre Botschaften sehr sorgfältig. Die Kommunikation der Ärzteschaft muss viel besser werden. Und wir müssen dabei auch die sozialen Medien nützen.“

Die Politik über den Druck der Wähler erreichen

Dr. Szócska konnte allerdings auch eine Erfolgsgeschichte berichten. In Ungarn wurden in den vergangenen Jahren vorbildliche Maßnahmen zur Tabakkontrolle umgesetzt. Dr. Szócska berichtete von Stolpersteinen am Weg und auch vielen Zufälligkeiten, die schließlich zum Erfolg beitrugen. Von zentraler Bedeutung sei es jedoch gewesen, dass sich die ungarische Öffentlichkeit hinter die Maßnahmen stellte. Dr. Szócska: „Sogar 60 Prozent der Raucher waren dafür. Die Lokalbesitzer und die Angestellen waren dafür. Und was wollen Politiker in erster Linie? Stimmen! Daher sollte sich die Information nicht nur an die Entscheidungsträger richten, sondern vor allem an die Wähler.“
Als besonders problematisch erachtete die Runde das Argument, die Möglichkeit zu rauchen, repräsentiere eine Form von Freiheit. Dies wäre eine Argumentationslinie der Tabakindustrie, auf die man sich in der Diskussion von vornherein nicht einlassen sollte. So betonte Dr. Carolyn Dresler USA, vormaliges Mitglied des IASLC Board, dass man Nikotinabhängigkeit vor allem als Suchterkrankung sehen müsse und Freiheit ein ungeeignetes Argument zum Umgang mit dieser Problematik sei. Vielmehr müsse man das Recht der Menschen auf rauchfreie Luft betonen. In diesem Zusammenhang wurde das Erstellen kurzer klarer Fact-Sheets für Ärzte angeregt, die auch auf Fragen der Suchtbehandlung eingehen sollten. Kadenbach schlug noch eine Verschärfung der Gangart vor: „Wir hören immer, man könne Zigaretten nicht verbieten. Warum kann man das nicht? Natürlich kann man Zigaretten verbieten. Nikotin wäre dann eine Droge, die allenfalls von Ärzten an schwer suchtkranke Patienten unter kontrollierten Bedingungen abgegeben werden darf.“

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