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Das Nierenersatz-Paradoxon

Aufgrund des physiologischen Abfalls der GFR und der steigenden Anzahl von Komorbiditäten nehmen chronische ­Nierenerkrankungen im Alter deutlich zu. Da die eingeschränkte Nierenfunktion oft lange unbemerkt bleibt, kommt die Behandlung meist sehr spät. (Medical Tribune 7/2017)

Nur das Kreatinin zu bestimmen, reicht beim Screening nicht aus – auch das Albumin im Harn ist wichtig.
Nur das Kreatinin zu bestimmen, reicht beim Screening nicht aus – auch das Albumin im Harn ist wichtig.

Die Zahl der Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz nimmt seit Jahrzehnten drastisch zu. Derzeit steigt die Inzidenz um zirka fünf bis sechs Prozent pro Jahr. Ende 2015 wurde geschätzt, dass weltweit 2,8 Millionen Patienten nierenersatztherapiepflichtig sind. In Österreich befinden sich etwa 8000 Menschen im Stadium der Nierenersatztherapie. Die Hälfte dieser Patienten ist mit einem Transplantat versorgt. Damit gehört Österreich mit den USA und Portugal weltweit zu den Ländern mit den höchsten Transplantationsraten.

„Patienten mit einer terminalen Niereninsuffizienz sind aber nur die Spitze des Eisberges“, erklärt Univ.-Ass. Dr. Stephanie Poggenburg, In­stitut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung, Medizinische Universität Graz. „Rund 20–30 Mal so viele Menschen leiden unter einer chronischen Nierenerkrankung.“ Da die glomeruläre Filtrationsrate ab dem 20.–30. Lebensjahr auch bei Gesunden jährlich um etwa 1 ml/min abnimmt, findet man bei älteren Menschen entsprechend häufiger eine pathologische Einschränkung der Nierenfunktion. Trotz des progredienten Verlaufs der Erkrankung erreicht jedoch nur ein kleiner Teil der Patienten das Stadium der Nierenersatzpflichtigkeit. Eine Erklärung für das Paradoxon der fehlenden Dialysepatienten liefern longitudinale Studien: „Viel mehr als das Nierenversagen fällt bei den Patienten die erhöhte kardiovaskuläre Mortalität ins Gewicht“, so Poggenburg.

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