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Malariaforschung ist Knochenarbeit

Die Wiener Anthropologin Michaela Binder weist an tausende Jahre alten Skeletten DNA-Spuren von Plasmodien nach. Von ihren Erkenntnissen könnte künftig möglicherweise auch die klinische Forschung profitieren. (Medical Tribune 17/2017)

Michaela Binder fühlt 2000 Jahr alten Skeletten auf den Zahn.
Michaela Binder fühlt 2000 Jahr alten Skeletten auf den Zahn.

Eine scherzhafte Redewendung besagt, dass Pathologen alles wissen, aber zu spät. Paläopathologen stellen ihre Diagnosen noch viel später – nämlich oft erst Jahrtausende post mortem. Dabei ermitteln sie jedoch nicht nur die Todesursache, sondern gewinnen auch erstaunliche Einblicke in die Lebensumstände der vor langer Zeit verstorbenen Menschen. Am kürzlich gegründeten Department für Bioarchäologie des Österreichischen Archäologischen Instituts der Akademie der Wissenschaften analysiert nun die Anthropologin Dr. Michaela Binder die historische Ausbreitung der Malaria im Mittelmeerraum anhand von Skeletten, die bis zu 2500 Jahre alt sind.

Im menschlichen Wirt vermehren sich Plasmodien in Leber und Erythrozyten. Knochen werden nicht befallen. Am Skelett hinterlässt Malaria daher nur indirekt Spuren. „Es gibt Porosierungen an Schädeldach und Augenhöhlen, die in der pälopathologischen Forschung mit chronischer Anämie in Verbindung gebracht werden“, erklärt Binder. An Skeletten aus Ägypten oder anderen Regionen mit hoher historischer Malariaprävalenz werden diese morphologischen Veränderungen besonders häufig nachgewiesen. Patho­gnomonische Zeichen für Malaria sind sie allerdings nicht, da genauso Nahrungsmangel oder andere parasitäre Erkrankungen als Ursachen einer chronischen Anämie infrage kommen.

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