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WHO ändert HIV-Leitlinien

Die WHO empfiehlt, nach einer HIV-Diagnosestellung sofort mit einer antiretroviralen Therapie zu beginnen. Das Update der aktuellen HIV-Leitlinien wird voraussichtlich im Dezember 2015 wirksam.

8th IAS Conference on HIV Pathogenesis, Treatment and Prevention (IAS 2015), at the Vancouver Convention Centre in Vancouver, British Columbia, Canada
Statt erst die AIDS-Erkrankung zu behandeln, sollte die antiretrovirale Therapie schon einsetzen, sobald bei einem Patienten das HI-Virus diagnostiziert sei, forderten führende Forscher und Experten am Sonntagabend in einer gemeinsamen Erklärung zum Auftakt einer internationalen Aids-Konferenz im kanadischen Vancouver. Damit steige nicht nur die Lebenserwartung der Betroffenen, sondern sinke auch das Risiko einer Übertragung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass allen HIV-Patienten so schnell wie möglich nach der Diagnose antiretrovirale (ARV) Medikamente verabreicht werden sollten. Begründet wird die Änderung der Behandlungsleitlinie mit einer Reihe überzeugender Studien, die den Nutzen einer frühzeitigen Therapie beweisen würden.

Die WHO erörterte die allseits erwartete Änderung der HIV-Guidelines im Zuge einer Satelliten-Sitzung bei der Jahrestagung der International AIDS Society (IAS), die von 19. bis 22. Juli in Vancouver, Kanada, stattfindet. Am 20. Juli wurden beeindruckende Studienergebnisse zur ARV-Therapie präsentiert.

Ermutigende Ergebnisse einer frühen antiretroviralen Therapie

Gottfried Hirnschall, Direktor des WHO-HIV/AIDS-Departements erklärte, dass die Pläne der WHO aufgrund von am 20. Juli bei der IAS-Konferenz vorgestellten, äußerst ermutigenden Resultaten zweier langjähriger Studien zur ARV-Behandlung gestärkt worden seien. Man habe sich geeinigt, die Empfehlungen zur HIV-Therapie zu ändern und den Rat zu erteilen, allen HIV-positiven Menschen frühzeitig eine Behandlung anzubieten. Das Update der Leitlinien wird voraussichtlich im Dezember 2015 wirksam.

Mehr Menschen sollen therapiert werden

Die aktuellen Leitlinien der WHO empfehlen eine sofortige Behandlung für HIV-positive Kleinkinder, Schwangere und Menschen mit anderen Infektionen – etwa Tuberkulose, aber auch für sämtliche HIV-infizierte Personen, deren CD4-Zellen unter einen bestimmten Schwellenwert liegen. Die Ausweitung der Therapie auf alle HIV-positiven Menschen bedeute Hirnschall zufolge eine Erhöhung von derzeit rund 30.000.000 auf rund 36.900.000 Patienten.

Therapie dient Präventionszwecken

Die beiden bei der IAS-Konferenz präsentierten Arbeiten bestärkten die Experten des WHO-HIV/AIDS-Departements, die Gruppe der Therapierten auszuweiten.

Die HPTN 052-Studie hatte bereits 2011 gezeigt, dass die sofortige Behandlung des infizierten Partners eines Paares das Risiko, dass die Person ihren Virus auf den nicht infizierten Partner überträgt, im Vergleich zu einer Gruppe, die keine sofortige Behandlung erhielt, um 96 Prozent reduzierte. Die Evidenz war so stark, dass das Studiendesign noch während der Laufzeit geändert wurde, um allen Probanden eine sofortige antiretrovirale Therapie anzubieten. Nun, vier Jahre später, sind die langfristigen Ergebnisse beinahe genauso beeindruckend: Das Risiko einer HIV-Transmission konnte bei den frühzeitig medikamentös Therapierten um 93% reduziert werden.

Die Zwischenergebnisse des Strategic Timing of Antiretroviral Treatment (START)-Trial belegten, dass eine frühzeitige medikamentöse Behandlung von Menschen mit HIV die Gefahr einer schweren Erkrankung sowie die Mortalität um 53 Prozent reduziert. Die endgültigen Ergebnisse, die von den beteiligten Forschern am 20. Juli präsentiert wurden, belaufen sich auf 57 Prozent.

Antiretrovirale Behandlung wirkt

Der Leiter der HPTN 052-Studie, Myron Cohen von der University of North Carolina at Chapel Hill, erklärte, dass man in die Bewegung "Therapie als Prävention" großes Vertrauen setzen könne und diese Strategie auf jeden Fall Teil der öffentlichen Gesundheitsstrategie werden sollte. Cohen ist zuversichtlich, durch rechtzeitige Interventionen die HIV-Übertragungsraten eingedämmt werden können. Beobachtungsstudien würden zeigen, dass die Therapie bei Männern, die Sex mit Männern haben, wirke. Derzeit arbeite er an einer weiteren Untersuchung mit intravenös Drogenabhängigen.

Anthony Fauci vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases an den US National Institutes of Health, welche die Studie finanzieren, meinte, dass man lange unsicher gewesen sei, ob man sich eher auf die Verhinderung einer HIV-Infektion oder auf deren Behandlung konzentrieren sollte. HPTN 052 zeige aber, dass es sich bei der Therapie um eine Präventionsmaßnahme handle. Darüber hinaus würden die Resultate der START-Studie den doppelten Nutzen einer frühzeitigen medikamentösen Behandlung zeigen.

Quelle: APA

Meera Senthilingam
World Health Organization to recommend early treatment for everyone with HIV
Nature, Jul 20, 2015, doi:10.1038/nature.2015.18017

IAS 2015
Final study results provide definitive scientific evidence to support earlier invitation of HIV treatment

Session: The Strategic Timing of Anti-Retroviral Treatment (START) Study: Results and Their Implications, 20 July, 11:00 – 12:30

Session: TasP: Just Do It
Abstract: Final results of the HPTN 052 randomized controlled trial: Antiretroviral therapy prevents HIV transmission (20 July, 11:00 – 12:30)

Session: How Would You Like Your PrEP? (20 July, 14:30 – 16:00)

Foto: © Steve Forrest/Workers' Photos/IAS

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