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FLYER-Studie

ASH 2018: Vier Zyklen Chemotherapie genügen bei diffus-großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL)

Die FLYER-Studie der deutschen Studiengruppe hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome bringt einen Standard zum Wackeln. Die Reduktion der CHOP-Zyklen auf vier in der Therapie von jungen Niedrig-Risiko-Patienten mit diffus-großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) ist genauso effektiv aber besser verträglich.

Für junge Patienten mit DLBCL im Niedrigrisiko sehen europäische Leitlinien derzeit die Gabe von sechs Zyklen Chemotherapie mit CHOP [Cyclophosphamid (C), Doxorubicin (H), Vincristin (O) und Prednison], in Kombination mit sechs Gaben Rituximab (R-CHOP), im Abstand von jeweils drei Wochen, vor.1 Die am ASH 2018 präsentierte FLYER-Studie stellt diesen Behandlungsstandard nun in Frage. Sie zeigt, dass junge Niedrigrisiko-Patienten von einer Reduktion der CHOP-Zyklen von sechs auf vier profitieren.2

Die prospektive, randomisierte Studie untersuchte die Behandlungsverläufe von fast 600 Patienten über fünf bis elf Jahre und zeigte, dass vier Chemotherapie-Zyklen so effektiv wie sechs Zyklen in der Beseitigung der Krebszellen und in der Rezidiv-Verhütung sind. Die 18- bis 60-jährigen Patienten im Niedrigrisiko hatten ein DLBCL ohne bulky disease im Stadium I oder II,  und erhielten 1:1-randomisiert entweder sechs (n=295) oder vier Zyklen (n=293) CHOP, und jeweils sechs Rituximab-Gaben. Der primäre Endpunkt war die Nichtunterlegenheit beim progressionsfreien Überleben (PFS).

Vier Zyklen nicht unterlegen beim PFS, OS und EFS

Nach einer medianen Beobachtungsdauer von 5,5 Jahren zeigten sich weder beim progressionsfreien Überleben (PFS) noch bei der Rezidivrate und beim Gesamtüberleben (OS) signifikante Unterschiede zwischen den zwei Behandlungsarmen. Patienten mit vier Zyklen CHOP erreichten eine 3-Jahres-PFS-Rate von 96 Prozent, mit sechs Zyklen waren es 94 Prozent. Das 3-Jahres-ereignisfreie Überleben (EFS) belief sich in beiden Armen auf 89 Prozent. Auch die Rezidivrate war statistisch nicht signifikant unterschiedlich zwischen den zwei Behandlungsarmen (4% [95% KI 2-7%] mit 4x R-CHOP+2xR vs. 5% [95% KI 3-8%] mit 6x R-CHOP). Drei Jahre nach Behandlungsbeginn waren noch 99 Prozent der Patienten mit vier Zyklen, und 98 Prozent mit sechs Zyklen CHOP am Leben.

Die Tatsache, dass ein Drittel weniger Chemotherapiezyklen angewendet werden müssen ist eine gute Nachricht für Patienten, die oft mit schweren Nebenwirkungen und damit Beeinträchtigungen des Alltags zu kämpfen haben. Unter dem reduzierten Behandlungsschema dauert die Chemotherapie nur 84 Tage, verglichen mit 126 Tagen bei Anwendung von sechs Zyklen. „Wenn die Chemotherapie kürzer dauert können Patienten schneller zu ihrem normalen Familien- und Arbeitsleben zurückkehren“, so Studienautorin Dr. Viola Pöschel vom Universitätsklinikum des Saarlandes, Deutschland, bei einer Pressekonferenz. „Unsere Studie zeigt, dass die um zwei Zyklen reduzierte CHOP genauso effektiv ist. Wir glauben, dass dies der neue Behandlungsstandard für diese Patientenpopulation werden wird.“

Auch die Nebenwirkungsrate war mit dem reduzierten Behandlungsregime verbessert. Bei den mit sechs Zyklen Chemotherapie behandelten Patienten wurden insgesamt 1.295 Nebenwirkungen verzeichnet, in der Gruppe mit vier Zyklen waren es nur 835. „Das ist ein bedeutender Vorteil für die Patienten“, resümiert Pöschel.

Quellen

1 Tilly H et al.: Diffuse large B-cell lymphoma (DLBCL): ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2015 Sep;26 Suppl 5:v116-25. doi: 10.1093/annonc/mdv304.

2 Poeschel A et al.: Excellent Outcome of Young Patients (18-60 years) with Favourable-Prognosis Diffuse Large B-Cell Lymphoma (DLBCL) Treated with 4 Cycles CHOP Plus 6 Applications of Rituximab: Results of the 592 Patients of the Flyer Trial of the Dshnhl/GLA. ASH 2018, Abstract #781

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