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Gefäßscreening gefordert

Gefäßmediziner plädieren dafür, auf vaskuläre Erkrankungen zu screenen. Nicht nur Diabetiker könnten dadurch gesunde Lebensjahre gewinnen.
Univ.-Prof. Dr. Gerit-Holger Schernthaner
„Fast alle Typ-2-Diabetiker sind ordentlich kardiovaskulär krank“, hält Univ.-Prof. Dr. Gerit-Holger Schernthaner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Internistische Angiologie, fest. Der Großteil der Gefäßschäden entwickle sich bereits im Stadium des Prädiabetes, wenn der Patient in den meisten Fällen noch gar nichts von seiner Erkrankung weiß, aber bereits eine chronische Hyperinsulinämie und Insulinresistenz bestehen. Schon in dieser Phase tragen die Patienten im Vergleich zu Stoffwechselgesunden ein dreimal so hohes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.
Um möglichst rasch intervenieren zu können, gilt es Angiopathien frühzeitig zu erkennen. Wie das mit einfachen Mitteln im Rahmen eines Gefäßscreenings gelingen könnte, zeigt die dänische VIVA-Studie*. Profitieren könnten nicht nur Diabetiker.
In die randomisierte kontrollierte Studie waren insgesamt 50.156 Männer zwischen 65 und 74 Jahren eingeschlossen, von denen 50 Prozent (25.078) gescreent wurden. Die Diabetesinzidenz entsprach jener der Allgemeinbevölkerung.

Günstige QUALYs

Bestimmt wurden ABI (Knöchel-Arm-Index), Blutdruck und Aortendurchmesser. Dazu wurde eine sehr einfache Ausrüstung eingesetzt: Beispielsweise zur Untersuchung der Bauchaorta günstige (ca. 5000 Euro) portable Ultraschallgeräte, auf die die Anwender (Nurses) mittels „Schnellsiederkurs“ eingeschult wurden.
Das Konzept war so einfach wie wirksam: In der Screeninggruppe war die Gesamtmortalität um sieben Prozent geringer und die „Number needed to screen“ lag bei 169 – also 169 Personen mussten gescreent werden, um einen Todesfall zu verhindern. Bei geringen Kosten: Das Screening schlug pro Proband mit 32 Euro zu Buche. Ein Quality Adjusted Life Year koste so 2148 Euro, rechnet Schernthaner vor.
Aufgrund der so belegten Effizienz setzen sich nun österreichische Gefäßmediziner für die Etablierung eines vergleichbaren Screeningprogramms ein und plädieren dafür, alle Adipösen, Prädiabetiker und Diabetiker ab dem 40. Lebensjahr und alle anderen ab dem 50. Lebensjahr zumindest einmal, aber noch besser alle fünf Jahre nach dänischem Vorbild auf Zeichen einer Angiopathie zu screenen. Denkbar wäre, das Screening in die Vorsorgeuntersuchung zu integrieren. Allein schon, Patienten die Socken ausziehen zu lassen und die Fußpulse zu tasten sowie mit dem Stethoskop die Karotis auszukultieren, würde eine deutliche Verbesserung darstellen, so Univ.-Prof. Dr. Thomas Hölzenbein, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gefäßchirurgie.

* Lindholt S, Sogaard R, Lancet 2017; DOI: 10.1016/S0140-6736(17)32250-X
Quelle: Pressegespräch; Wien, November 2017

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