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Simulationstraining

amc: Linzer „Puppenspiele“ für mehr Patientensicherheit

Die oberösterreichische Firma amc bietet Kliniken ein maßgeschneidertes Portfolio an Trainings- und Beratungsleistungen für deren Hochrisikobereiche an. Inzwischen hat sich ihre Kompetenz weit über die Landesgrenzen hinaus etabliert und dem ehemaligen Start-up Aufträge von Ecuador bis China beschert. (CliniCum 1–2/19)

Jungärzte im amc-Trainingscenter am „Computer Based Learning Table“

Die Ursprünge von amc (steht für alpha medical concepts) lassen sich bis ins ehemalige AKH Linz, dem heutigen Kepler Universitätsklinikum, zurückverfolgen. Dort begann sich 2007 ein Team intensiv mit der Frage auseinanderzusetzen, wie sich die hausinterne Ausbildung der Klinikmitarbeiter unter Anwendung der – damals in Europa noch relativ neuartigen – Methode von medizinischen Simulationen und Simulationstrainings verbessern ließe.

Aus einer Idee entwickelten sich erste Initiativen mit entsprechenden Projekten dahinter, das Simulationszentrum wurde 2012 in eine gemeinnützige GmbH übernommen, die Ende 2015 ihren Betrieb einstellte. Heute beschäftigt amc unter der Leitung des geschäftsführenden Eigentümers Dr. Lukas Drabauer, MBA, am Firmensitz in Linz zehn Mitarbeiter. Verstärkt wird das Team durch ein engmaschiges Netzwerk an Spezialisten, die in nationalen und internationalen Projekten flexibel eingesetzt werden: Mediziner, Pflegewissenschaftler, Coaches und Unternehmensberater, IT- und QM-Experten. Drabauer selbst ist ausgebildeter Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin (aktiv aber nur mehr am Hubschrauber als Notarzt im Einsatz), verfügt zudem über Zusatzausbildungen (MBA für General Management bzw. Unternehmensberater).

In Österreich und den angrenzenden Regionen hat sich amc längst am Medizin-Consulting- und -Trainingsmarkt etabliert. Mit rund 80 Prozent der heimischen Spitäler, von Universitätskliniken bis zu Ordenshäusern, von großen Trägergesellschaften bis zu kleinen Spezialkliniken, werden und wurden Trainings und Projekte aller Art abgewickelt, erzählt Drabauer. Damit soll aber noch lange nicht Schluss sein. Längst hat das Unternehmen seinen Wirkungsbereich auf andere Regionen und Kontinente ausgedehnt. Vor Kurzem wurde die erste asiatische amc-Niederlassung in Shanghai eröffnet.

Ein klares Indiz für das große Entwicklungspotenzial des Unternehmens. Dieses Potenzial umfasst im Wesentlichen drei operative Geschäftsfelder:

  • Simulationstrainings in Österreich und Süd-/Mitteldeutschland;
  • Consulting-Dienstleistungen in Gesundheitseinrichtungen, wo auch Trainings abgehalten werden;
  • Beratung und Training von Simulationszentren weltweit.

Simulationstraining

Das „älteste“ amc-Geschäftsfeld umfasst die Ent- und Abwicklung von Simulationstrainings. Nicht weniger als 300 Trainingstage wurden alleine im Vorjahr durchgeführt. 90 Prozent der Trainings erfolgen am Arbeitsplatz der Schulungsteilnehmer, in den Spitälern, Ordinationen oder Rettungsorganisationen. Der Rest findet im amc-Simulationszentrum in Linz statt. „Während es bei den Trainings im eigenen Trainingszentrum meist um die Vermittlung technischer Fertigkeiten geht – das Üben der richtigen Handgriffe bei ganz spezifischen Problemstellungen oder von Operationstechniken –, stehen etwa bei Schockraum-Trainings in den Spitalsabteilungen eher Fragen der Zusammenarbeit, Entscheidungsfindung und Kommunikation im Mittelpunkt“, erläutert Drabauer.

Die Anzahl der Trainingsteilnehmer variiert je nach geübtem Szenario bzw. Trainingsfokus. Ziel sei es jedenfalls, die Szenarien nah am klinischen Alltag zu rekonstruieren, das schlage sich dann eben auch in der personellen Zusammensetzung der Trainingsteams nieder, erläutert Drabauer. So können bei Schockraum-Trainings auch einmal 15 interdisziplinäre Teilnehmer zu einer Übungsgruppe zusammengefasst werden, wenn dies im Alltag vor Ort so gelebt wird. Angeboten werden bewährte Standard- Trainingspakete, die in einer Art Baukastensystem nach den Anforderungen und Bedürfnissen der Teilnehmer modulartig zusammengestellt werden können. Bei Bedarf – und immer öfter – werden darüber hinaus gemeinsam mit dem Auftraggeber auch maßgeschneiderte Schulungspakete geschnürt. Als Simulatoren steht eine Reihe an Hightech-Geräten zur Verfügung.

Neben mobilen Simulatoren, Patientenmodellen vom Frühgeborenen bis zum geriatrischen Patienten, umfasst die Palette auch Ultraschall-, Laparoskopie- und Endoskopie-Simulatoren, weiters einen Pflegesimulator oder einen „Computer Based Learning Table“ für Studenten und Jungärzte. Die dafür benötigte Hard- und Software wird von internationalen Kooperationspartnern bezogen. Dank der mittlerweile auch in der Industrie anerkannten Expertise von amc werden seit einigen Jahren Simulationsprodukte auch mit den weltweiten Herstellern gemeinsam (weiter)entwickelt.

Basistraining für Jungmediziner. Ein Beispiel für ein Training im Zentrum ist ein dreitägiges Notfall-Training, das für Ärzte in Ausbildung und Jungmediziner des Ordensklinikums Linz Barmherzige Schwestern entwickelt wurde, um sie gezielt auf ihren ersten Nachtdienst vorzubereiten. „Wir machen die Ärztinnen und Ärzte fit, damit sie im Notfall die oft entscheidenden ersten Minuten alleine mit der Situation zurechtkommen, bis interne Hilfe eintrifft“, so Drabauer. Das dreitägige Programm ist vermutlich einzigartig in Österreich, wenn nicht Mitteleuropa und wird seit vielen Jahren von diesem Krankenhaus angeboten. An den ersten beiden Trainingstagen werden die notwendigen technischen Fertigkeiten vermittelt und geübt. Dabei werden unterschiedlichste Szenarien simuliert, „klassische Fälle“, wie sie in der Notaufnahme oder auf der Station tagtäglich vorkommen. Anschließend werden die Fälle video- und tonunterstützt nachbesprochen. Das geschieht in den meisten Fällen durch amc-Trainer, aber auch Ausbildungsoberärzte nehmen immer öfter an den Trainings bzw. Nachbesprechungen teil. Am dritten Tag werden die Szenarien dann nochmals wiederholt. In der Nachbesprechung wird der Fokus aber auf die Themen Kommunikation, Aufmerksamkeit und Entscheidungsfindung gelegt. Ein ähnliches Programm absolvieren seit vielen Jahren alle Jungmediziner und Studenten der gespag-Häuser.

Notfall- und Teamtraining. Ein ebenfalls über mehrere Jahre laufendes Projekt mit dem Wiener Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel beschäftigt sich damit, Teamwork und Notfallmaßnahmen an den einzelnen Abteilungen zu verbessern. Auch dabei wird ein klarer Fokus auf das Thema Patientensicherheit gelegt. Das verwundert insofern nicht, als das Haus von Dir. Dr. Brigitte Ettl ärztlich geleitet wird, seit vielen Jahren nicht nur eine engagierte Vorkämpferin um mehr Bewusstsein für das Thema, sondern auch Präsidentin der Plattform Patientensicherheit.

Die Trainings werden jeweils von einer Mitarbeiterin der Stabsstelle Patientensicherheit begleitet, die qualitäts- und sicherheitsrelevante Themen protokolliert und in einen KVP (Kontinuierlicher Verbesserungs-Prozess) einspeist. Damit ist es gelungen, nicht nur strukturelle und prozessrelevante Verbesserungen zu erreichen, sondern Sicherheitsschwerpunkte des Hauses wie z.B. Speak Up, Sichere PatientInnenidentifikation, 10 für 10, Safe-Briefing etc. umzusetzen. Ganz gezielt werden in den Folgejahren die trainierten Inhalte und Verbesserungsmaßnahmen mittels Simulationstrainings auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.

Hochrealistische Patientensimulatoren ermöglichen realitätsnahe Trainings (links). Im amc-Trainingscenter in Linz stehen Endoskopie- und OP-Simulatoren aller Art zur Verfügung (rechts).

Unternehmensberatung

Vorrangige Zielrichtung aller amc-Consultingangebote ist laut Drabauer nicht primär die Effizienzsteigerung (die in vielen Projekten aber durchaus eine für die Betreiber angenehme Nebenwirkung sein kann), sondern eine Erhöhung der Patientensicherheit durch eine Organisations- und Prozessoptimierung. Dabei sollen mit Simulationen potenzielle Fehlerquellen detektiert und durch entsprechende Vorkehrungen und Personalschulungen minimiert werden, erläutert Drabauer und untermauert seinen Qualitätsanspruch mit drastischen Zahlen: „Auch wenn es niemand gerne hört, medizinische Fehler sind laut vielen wissenschaftlichen Arbeiten eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Dabei sind 80 Prozent aller vermeidbaren Ereignisse nicht auf fachliche oder technische Fehler zurückzuführen, sondern auf sogenannte nichttechnische Fehler, Faktoren wie Kommunikation, Führung, Aufmerksamkeit oder Entscheidungsfindung.“ Wie das amc-Team ganz konkret daran arbeitet, solche Defizite zu reduzieren, erläutert Drabauer anhand einiger Projekte, die in jüngerer Vergangenheit abgewickelt wurden oder derzeit gerade in Abwicklung sind.

Visiten- & Herzalarm-Teams. Gemeinsam mit der gespag (größter Krankenhausträger in OÖ) wurden zwei Projekte aufgesetzt. Zum einen geht es um die Verbesserung der Visitenstrukturen, zum anderen um die kritische Beleuchtung der Strukturen und Abläufe von „Herzalarmteams“. Beim Visitenprojekt wurden auf Basis einer IST-Analyse gemeinsam mit der kollegialen Führung Leitplanken für eine optimale Organisation der Visiten definiert. In einem zweiten Schritt werden alle Mitarbeiter abteilungsweise auf die daraus abgeleiteten abteilungsspezifischen Organisationsabläufe geschult. Nach erfolgreicher Implementierung wird eine externe Evaluierung überprüfen, ob und welche Auswirkungen die Maßnahmen auf den klinischen Alltag in den betroffenen Abteilungen hatten.

Medikamentensicherheit. Fehler rund um Medikamentenverabreichungen zählen zu den häufigsten Fehlern im Gesundheitswesen. Ein aktuelles Projekt von amc, das derzeit in einigen Krankenhäusern durchgeführt wird, kümmert sich um die Verbesserung der Medikamentensicherheit auf Intensivstationen. Gesucht werden Antworten auf die Frage, wie organisatorische Abläufe optimal gestaltet werden können, um Medikationsverwechslungen oder Fehldosierungen bestmöglich zu verhindern.

Traumaversorgung. Für ein großes Schwerpunktkrankenhaus in Bayern wurde gemeinsam mit Spezialisten im eigenen Haus das existierende Schockraumkonzept an Literatur und Erfahrungen vor Ort adaptiert und intensiv trainiert, um in der Traumaversorgung eine noch höhere Qualitätsstufe zu erreichen, sagt Drabauer. Mitunter werden existierende oder auch eigens entwickelte Checklisten in das Training integriert. Sie sind inzwischen ein unverzichtbares Instrument moderner Sicherheitskonzepte zur Vermeidung von „human errors“ in allen Hochrisikobereichen. Zeitverzögert halten Checklisten nun auch in der Medizin immer öfter Einzug.

Kompetenzmanagement. Im Bestreben nach einer permanenten Weiterentwicklung zur Gewährleistung der Patientensicherheit wurde vor Kurzem eine Kooperation mit Solgenium, einem Spezialisten u.a. für die Sekundäranalyse von medizinischen Routinedaten, geschlossen. Das in Linz, Wien und Graz ansässige Unternehmen beschäftigt sich seit Jahren mit Health Workforce Planning für Gesundheitseinrichtungen auf Basis einer eigens dafür entwickelten KI-Lösung (CARA). CARA ist ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Decision-Support-System, welches sicherstellen soll, dass die richtige Anzahl an Health Professionals mit den richtigen Kompetenzen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung steht, um die richtigen Gesundheitsdienstleistungen an den richtigen Personen zu erbringen.

Kompetenzmanagement ist ein idealer Anknüpfungspunkt zwischen amc und Solgenium. Nachdem beinahe weltweit zukünftig mit einem Mangel an so gut wie allen Health Professionals zu rechnen ist, kommt einem umfassenden Kompetenzmanagement ein zunehmend hoher Stellenwert zu. Hier wird der besondere Mehrwert der Zusammenarbeit zwischen amc und Solgenium deutlich: Während mithilfe von CARA aus medizinischen Routinedaten sowie dem Datawarehouse von Solgenium zunächst ermittelt wird, in welchem Fachbereich welche Berufsgruppen in welcher Menge mit welchen Kompetenzen benötigt werden, wird anschließend durch das breite Trainings- und Beratungsangebot von amc sowie Solgenium sichergestellt, dass diese Kompetenzen auch tatsächlich aufgebaut bzw. auf neuestem Stand gehalten werden. Das eröffnet den Kunden eine in dieser Form bisher einzigartige Gesamtlösung für eine leistungsorientierte Ressourcen- und Personalplanung sowie eine perfekte Symbiose zwischen individueller Personalentwicklung und strategischem Personalmanagement auf Organisationsebene. Die Kooperation wird bei ersten Projekten bereits erfolgreich angewendet.

Training und Consulting für Simulationszentren

Die Kompetenz, die sich das Expertenteam um Drabauer in den vergangenen Jahren rund um das Thema medizinische Simulationstrainings erarbeitet hat, wird auch anderen Simulationszentren weltweit angeboten. amc-Experten erarbeiten für diese in zuletzt mehr als 200 Tagen pro Jahr u.a. Mission/Vision, helfen bei der Gebäude-, Finanz- und Ressourcenplanung, beraten rund um die Beschaffung der Trainingsgeräte, beim Ersatzteil-Management und übernehmen auch die Ausbildung des zukünftigen Personals (u.a. Train-the-Trainer sowie Train-the-Manager-Kurse). Mit mehr als 100 Universitäten, (Universitäts-)Kliniken oder medizinischen Gesellschaften aus über 40 Ländern ist bereits gearbeitet worden. Davon zeugen nicht zuletzt mehr als 200.000 Flugmeilen, die Drabauer im Vorjahr abgespult hat, und weitere 80.000 des restlichen Teams. amc verfügt in der Zwischenzeit nicht nur über eine österreichische und europäische, sondern auch über eine chinesische Akkreditierung für Simulationszentren und ist auch als offizielle Training Site der American Heart Association gelistet.

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