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lncRNAs steuern viele Abläufe in Zellen

Nicht-kodierende RNA-Moleküle (lncRNAs) tragen einer aktuellen Studie Wiener Forscherinnen zufolge nicht nur zur Regulation von Genen, sondern auch verstärkt zur biologischen Individualität bei.

Die Mengen an langen, nicht-kodierenden RNA-Molekülen variieren viel stärker zwischen einzelnen Probanden als deren RNAs mit Proteinbauplänen. Damit tragen sie auch stärker zur biologischen Individualität bei.
Die Mengen an langen, nicht-kodierenden RNA-Molekülen variieren viel stärker zwischen einzelnen Probanden als deren RNAs mit Proteinbauplänen. Damit tragen sie auch stärker zur biologischen Individualität bei.

 

Wissenschafterinnen des Forschungszentrums für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Medizinischen Universität Wien belegten in einer Studie, die am 29. Jänner im Fachmagazin Genome Biology publiziert wurde, dass die Mengen an nicht-kodierender RNA (lncRNAs) zwischen zwei Individuen wesentlich stärker differiert als jene ihrer proteinproduzierenden Varianten und sie stärker zu deren biologischer Individualität beitragen, als bislang vermutet.

Nicht-kodierende RNA-Moleküle, die in der personalisierten Medizin häufig als Angriffspunkte für Medikamente oder als Biomarker zum Einsatz kommen, wurden lange Zeit als überflüssige „Junk-DNA“ angesehen – bis klar wurde, dass sie bei der Regulation von Genen eine entscheidende Rolle spielen. Die Wiener Forschergruppe um Aleksandra Kornienko und Denise Barlow belegte nun in Experimentenn mit Leukozyten von zehn gesunden Probanden, dass jene DNA-Abschnitte, die keine „Bauanleitung“ für Proteine enthalten, wesentlich größere individuelle Unterschiede aufweisen als die für Proteine verantwortlichen Gene.

Die Forscherinnen stellten im Zuge der Analyse der RNA aus Leukozyten gesunder Probanden fest, dass bei manchen Menschen einige nicht-kodierende RNAs vollständig fehlen oder lediglich eine zehnfach geringere Menge davon produziert wird. Sie gehen davon aus, dass sich diese Unterschiede beispielsweise auf die Veranlagung für bestimmte Krankheiten auswirken.

Beitrag für Grundlagenforschung

Barlow und Kornienko konnten in dieser Forschungsarbeit 736 neue Genorte der nicht-kodierenden RNAs beschreiben. Mit diesen Ergebnissen werden die bestehenden Datenbanken ergänzt. Um sämtliche nicht-kodierenden RNAs aufzuspüren, ist noch Material von hunderten weiteren Probanden nötig.

Aleksandra E. Kornienko, Christoph P. Dotter, Philipp M. Guenzl, Heinz Gisslinger, Bettina Gisslinger, Ciara Cleary, Robert Kralovics, Florian M. Pauler, Denise P. Barlow
Long non-coding RNAs display higher natural expression variation than protein-coding genes in healthy humans
Genome Biology 2016, 17:14, Published: 29 January 2016, doi:10.1186/s13059-016-0873-8

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