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Chromosomenanalyse aus Nährlösung

Die im Zuge der der In-Vitro-Fertilisierung (IVF) angewandte Präimplantationsdiagnostik könnte womöglich auch ohne Zellen von Embryos auskommen und stattdessen genetisches Material aus der Kulturflüssigkeit verwenden, in der befruchtete Eizellen aufbewahrt werden.

Bei der nicht-invasiven Polkörperdiagnostik kann lediglich das Erbmaterial der Mutter untersucht werden. Genetisches Material einer Blastozyste (das Bild zeigte eine Blastozyste am Tag 5) beinhaltet die Erbinformationen von Mutter und Vater.
Bei der nicht-invasiven Polkörperdiagnostik kann lediglich das Erbmaterial der Mutter untersucht werden. Genetisches Material einer Blastozyste (das Bild zeigte eine Blastozyste am Tag 5) beinhaltet die Erbinformationen von Mutter und Vater.

Bei einem von der Klinischen Abteilung für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien veranstalteten Symposium zum Thema "Reproduktionsmedizin und Genetik. Zukunft und Grenzen", das am 9. und 10. Oktober in Wien stattfand, stellte der Wiener IVF-Pionier Wilfried Feichtinger neue Resultate seines Projekts vor, mit dem er eine Chromosomenanalyse des genetischen Materials aus dem Kulturmedium testet, in dem befruchtete Eizellen aufbewahrt werden.

Nachweis von genetischem Zygoten-Material in der KulturflüssigkeitReproduktionsmedizin und Genetik. Zukunft und Grenzen

Im Frühjahr dieses Jahres ergab die Polkörperanalyse bei der Eizelle einer von Feichtingers Patientinnen, dass sowohl Monosomie 12 als auch Trisomie 21 vorlag. Während die Präimplantationsdiagnostiker auf das Resultat der Polkörperdiagnostik warteten, entwickelte sich die Zygote zur Blastozyste. Feichtinger und seinem Team gelang es, aus der Nährlösung, in welcher die befruchtete Eizelle bis zum vierten Tag aufbewahrt worden war, genetisches Material zu extrahieren und vervielfältigen, wodurch eine genetische Untersuchung möglich wurde. Die Forscher erhielten dasselbe Ergebnis wie aus den Polkörpern. Sie gehen nun davon aus, den Beweis erbracht zu haben, dass eine komplette und korrekte Chromosomenanalyse im Sinne einer Präimplantationsdiagnostik aus dem Kulturmedium möglich ist.

Die Frage, woher die DNA des Embryos in der Kulturflüssigkeit stammt, ist nicht völlig geklärt. Es ist denkbar, dass bei der künstlichen Befruchtung und beim Manipulieren der Zygote Löcher in der Hülle entstehen. Das trifft Feichtinger zufolge vor allem dann zu, wenn im Rahmen einer ICSI ein Loch entsteht. Es scheint auch so, als würde es auch ganz natürlich zu einem Austausch zwischen der Zygote und der Umgebungsflüssigkeit kommen.

Vergleich mit Polkörperdiagnostik

Um hier Licht ins Dunkel zu bringen, verglich das Team um Feichtinger die mögliche neue Methode mit Analysen aus der Flüssigkeit in Blastozysten, zu deren Gewinnung die Blastozyste angestochen werde muss. Hier lag die Konkordanz der genetischen Untersuchungen bei 54,5 Prozent (6 von 11 Fälle). Beim Vergleich der Untersuchungsergebnisse von genetischem Material aus der Kulturflüssigkeit und aus der Polkörperdiagnostik lag die Übereinstimmungsrate bei 86,6 Prozent (13 von 15 Analysen).

Nun möchte Feichtinger in einem Kooperationsprojekt mit Partnern der MedUni Wien und anderen etablierten IVF-Zentren die Möglichkeiten der neuen Präimplantationsdiagnostikmethode in einer größeren Fallzahl untersuchen.

>> Österreichische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie

>> Hohe Lebendgeburtrate nach Polkörperanalyse

Quelle: APA

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