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Pflegende Angehörige: Achtsamkeit nötig

© iStockCandyBoxImages Die Pflege kritisch kranker Patienten durch Angehörige kann so belastend sein, dass die Pflegepersonen selbst erkranken.

Einleitung: Der Wert der durch Familienangehörige, Freunde und Nachbarn geleisteten Pflege beläuft sich in den USA auf jährlich 624 Milliarden Dollar. Zunehmend wurde über aus der Pflegetätigkeit resultierende Konsequenzen wie emotionaler Stress oder posttraumatischen Störung, aber auch ein generell schlechter Gesundheitszustand der Pflegenden berichtet.
Um herauszufinden, wie es um die Gesundheit pflegender Angehöriger bestellt ist, waren Pflegepersonen, die Patienten nach einer Behandlung an einer Intensivstation unentgeltlich pflegten, Untersuchungsobjekte einer von März 2007 bis März 2014 durchgeführten Untersuchung.

Methode: An zwei kanadischen Zentren wurden an den pflegenden Angehörigen psychologische Tests durchgeführt. Jeweiles drei, sechs und zwölf Monate, nachdem die Probanden jeweils einen Depressionstest, Befindlichkeitstest, allgemeinen Gesundheitsttest sowie einen Test zur Beurteilung der Lebensqualität absolviert hatten, wurden Untersuchungen zur Erhebung des Gesundheitszustands der Pflegepersonen durchgeführt.

Resultate: Insgesamt nahmen 280 Pflegepersonen an der Untersuchung teil. Sie waren im zu 70 Prozent weibnlich, das Durchschnittsalter lag bei 53,2 ± 13,4 Jahren. Die Testergebnisse zeigten eine zunehmende depressive Symptomatik sowie eine Verschlechterung in den anderen psychologischen und körperlichen Tests an, wobei die Patientencharakteristik der Pflegepatiente keine Auswirkung auf das Ausmaß der Testergebnisse hatte. Die Regressionsanalyse zeigte eine signifikante Risikoerhöhung bei jüngeren Pflegepersonen, fehlender sozialer Unterstützung, geringerer Kontrolle über die persönliche Lebensgestaltung und geringerer Persönlichkeitsentwicklung an.

Diskussion: In dieser longitudinalen Studie an Pflegepersonen wurde ein erhöhtes Risiko für die psychische und körperliche Gesundheit, vor allem für die Entwicklung einer Depression nachgewiesen. Dieses Risiko war unabhängig vom Schwergrad der Pflege, jedoch abhängig von charakterlichen Eigenschaften der Pflegepersonen.

Fazit für die Praxis: Nachteilige Gesundheitsauswirkungen auf die Pflegepersonen können die Pflegequalität beeinträchtigen. Die Pflegenden können sogar selbst durch die Pflegearbeit zu Patienten werden. Familienkonferenzen unter Berücksichtigung dieser Konsequenzen und Behandlungsalternativen stellen eine wichtige Einrichtung am Beginn des Pflegeprozesses dar. Zudem sollten die Pflegepersonen in Hinblick auf die angesprochenen Aspekte untersucht werden. Die Vorbereitung von Alternativen zur informellen Pflege kann Teil des Lösungsansatzes sein.

Jill I. Cameron, Leslie M. Chu, Andrea Matte, et al.
One-Year Outcomes in Caregivers of Critically Ill Patients
N Engl J Med. 2016 May 12;374(19):1831-41, doi: 10.1056/NEJMoa1511160

Lisa A. Prosser, Eve Wittenberg
Health as a Family Affair
N Engl J Med. 2016 May 12;374(19):1804-6. doi: 10.1056/NEJMp1604456

Rezensent: Prim. Dr. Peter Dovjak, Leiter der Akutgeriatrie, Salzkammergutklinikum Gmunden

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