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Hyperhidrosis palmaris: Schwitzende Hände

Die Hyperhidrosis palmaris bezeichnet jene krankhafte Schweißabsonderung an den Händen, die derzeit noch ohne bekannte Ursache spontan und plötzlich in verschiedenem Ausmaß auftreten kann. (CliniCum derma 1/17)

Grundsätzlich sind alle Therapieansätze rein symptomatische Maßnahmen für ein Problem, für das die Schulmedizin keine schlüssige und durchgehende kausale Erklärung hat.
Grundsätzlich sind alle Therapieansätze rein
symptomatische Maßnahmen für ein Problem,
für das die Schulmedizin keine schlüssige und
durchgehende kausale Erklärung hat.

Manche Literaturstellen geben eine genetische Disposition (bis rund 50 Prozent) für hyperreagible Schweißdrüsen als Ursache an, wobei neuere Arbeiten aufgrund geringer Evidenz dies als Ursache nicht anerkennen. Auffallend ist, dass meist jüngere Menschen mit verstärkter vegetativer Reaktion auf Stresssituationen betroffen sind, wobei im Unterschied zu Menschen, die in peinlichen Situationen anfangen, an den Händen zu schwitzen, Patienten mit Hyperhidrosis mit dauerhaften Beschwerden zu jeder Zeit konfrontiert sind. Nicht selten handelt es sich um Menschen, welche rasch nervös werden, schnell in Rage geraten und ängstlicher Natur sind.

So ist die soziale Beeinträchtigung, welche die Hyperhidrosis palmaris mit sich bringt, enorm, wobei sich die Symptome im Teenageralter oft noch verstärken. Schon das Handgeben bei der Begrüßung wird meistens gemieden, da ein feuchter Händedruck als peinlich und unangenehm empfunden wird. Damit können schweißnasse Hände eine Einschränkung und Behinderung bei der Aufnahme von Sozialkontakten mit sich bringen, die Lebensqualität und Lebensfreude der Patienten deutlich verringern und nicht selten in sozialer Isolation enden.
Auch kann eine schwere Hyperhidrose die Berufswahl deutlich beeinträchtigen und in Einzelfällen zu einer Berufsunfähigkeit führen. Man denke an Handhabung mit feuchtigkeitsempfindlichen Materialien, den Umgang mit elektrischen Geräten und Werkzeugen, die Arbeit als Sekretärin oder Musiker. Oft ist in Folge ein Berufswechsel notwendig.

Diagnostische Maßnahmen

Die Diagnostik der Hyperhidrosis palmaris wird zum einen mittels Jod-Stärke-Test nach Minor gestellt, wobei hier das aktiv sezernierende Areal farblich abgegrenzt werden kann; zum anderen kann zur quantitativen Diagnostik die Schweißmenge pro Zeiteinheit anhand der sogenannten Gravimetrie mittels Filterpapier, Stoppuhr oder Ultrafeinwaage gemessen werden. Die Diagnosestellung und Beurteilung des Schweregrades einer primären Hyperhidrose sind dem behandelnden Arzt vorbehalten, der auch über die am besten geeignete Therapie der Erkrankung entscheidet und diese durchführt oder bestimmt.
Diese Symptome können entsprechend der sichtbaren Ausprägung des Schweißes an den Handflächen in drei Schweregrade unterteilt werden (siehe Kasten).

Kasten: Schweregrade der Hyperhidrose

Grad 1: Leichte Hyperhidrose:

  • stark erhöhte Hautfeuchtigkeit

Grad 2: Mäßig starke Hyperhidrose:

  • Schweißperlen bilden sich
  • Begrenzung der Schweißausbrüche auf den Schwitzherd

Grad 3: Starke Hyperhidrose:

  • Abtropfen von Schweiß
  • Transpiration betrifft auch die Streckseite der Finger sowie den seitlichen Rand der Hand

Therapieoptionen

Es gibt eine Reihe von Behandlungsansätzen, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Sie reichen von konservativen topischen Behandlungsmethoden, bei denen auf die direkt betroffenen Areale Cremes, Tinkturen oder Puder appliziert werden (hier ist die Wirksamkeit jedoch nur auf wenige Stunden begrenzt) über systemisch verabreichte Tees (Salbeitee), Iontophorese (temporärer Verschluss der Schweißdrüsen mittels Gleichstrom), der Behandlung mit Botox (schmerzhaftes Injizieren von stark verdünntem Botulinumtoxin unter die Haut, wobei pro Hand bis zu 50 Injektionspunkte festgelegt werden müssen, die Wirkung hält etwa sechs Monate an) bis hin zur chirurgischen Therapie mit der sogenannten endo¬skopischen Sympathikusblockade (ESB).
Grundsätzlich sind alle diese Therapieansätze rein symptomatische Maßnahmen für ein Problem, für das die Schulmedizin keine schlüssige und durchgehende kausale Erklärung hat. Es ist daher sinnvoll, als begleitende Maßnahme, oder sogar vor jeder lokalen Behandlung mit einer etablierten komplementären Therapieform, wie beispielsweise der traditionellen chinesischen Medizin, dem zugrunde liegenden Regulationsproblem auf den Grund zu gehen. Sehr oft ist dies von gutem Erfolg belohnt, die Symptome werden deutlich gemildert oder verschwinden komplett, und lokale Therapieformen können eventuell entfallen.
Sind auch konservative Therapieansätze mit Bädern, Tinkturen und Botox nicht erfolgreich, muss man bei Vorliegen einer Grad-2- bis -3-Hyperhidrose die operative Therapiemöglichkeit anraten. Leider wird von dieser Behandlungsform oft erst sehr spät Gebrauch gemacht und der Leidensweg der betroffenen Patienten verlängert.

Endoskopische Sympatikusblockade

Bei dieser Operation werden Nerventeile (der sympathische Grenzstrang) blockiert, welche u.a. für das Schwitzen an den Händen verantwortlich sind, und somit das Problem der Schweißhände minimiert. Der Eingriff ist auch sehr gut zur Behandlung der axillären Form der Hyperhidrose geeignet.
Die Operation wird in Allgemeinnarkose mit einer 5 mm Optik und zwei kleinen Schnitten am Brustkorb der betroffenen Seite durchgeführt. Der sympathische Grenzstrang wird im Bereich der Rippenköpfchen neben der Wirbelsäule aufgesucht und an unserer Abteilung mittels eines kleinen Titanclips in Höhe des vierten Brustwirbels blockiert (ESB4). Bei starkem Schwitzen mit Betonung der Achselhöhle kann auch ein zweiter Clip in Höhe des fünften Brustwirbels (ESB5) gesetzt werden. Die Methode ist nicht geeignet zur Behandlung eines vermehrten Schwitzens an den Füßen (Hyperhidrosis plantaris). Trotzdem wird in solchen Fällen bei der Behandlung einer axillären oder palmaren Hyperhidrose in 30 Prozent auch eine Verbesserung der Situation an den Füßen beobachtet.
Es werden auch andere Verfahren beschrieben, bei denen der Grenzstrang unterhalb des zweiten Brustwirbelkörpers an mehreren Stellen geclipt oder durchtrennt wird. Diese älteren Techniken haben jedoch im Vergleich deutlich mehr unerwünschte Nebenwirkungen und die ausgezeichnete Methode über einige Jahre in Misskredit gebracht. Besonders das sogenannte kompensatorische Schwitzen, ein einseitig massiv vermehrtes Schwitzen am Rücken oder der Brust bei gleichzeitig trockener Hand der operierten Seite, sind für die betroffenen Patienten sehr unangenehm. Dies kann mit sehr großer Sicherheit beim ESB4-Verfahren verhindert werden. An unserer Abteilung wurde diese Methode noch weiter angepasst, so dass Nebenwirkungen praktisch nicht mehr beobachtet werden.

Die Verwendung eines Clips anstelle der Durchtrennung des Nerven sichert eine potenzielle Reversibilität des Effektes der Operation, indem der Clip entfernt werden und der Nerv sich regenerieren kann, falls im Ausnahmefall der gewünschte Erfolg nicht gegeben sein sollte. Die Nervenblockade einer Seite ist in der Hand des Erfahrenen ein sehr komplikationsarmer und kurzer Eingriff, der in 30 Minuten in einer Narkose an beiden Seiten durchgeführt werden kann. In den meisten Fällen wird die Operation ohne Platzierung von Drainagen durchgeführt, und der Patient kann das Spital bereits am Tag nach dem Eingriff wieder verlassen.

Das Team der Thoraxchirurgie des Otto-Wagner-Spitals kann auch bei Hyperhidrosis ein ganzheitliches Konzept anbieten und neben eventuell notwendigen operativen Maßnahmen eine begleitende Beratung nach den Methoden der traditionellen chinesischen Medizin durchführen. Dies ist besonders bei der Hyperhidrosis plantaris sinnvoll, wo die Operation im Brustkorb durch eine Medikation der traditionellen chinesischen Medizin ergänzt wird. So bleibt trotz der hohen Spezialisierung auf chirurgische Maßnahmen am Brustkorb der Blick auf den Menschen als Ganzes gewahrt.

Symptom-Checkliste der Hyperhidrose
  1. Übermäßige Bildung von Schweiß unabhängig von anderen Faktoren, wobei sich nach Abwischen der Schweißtropfen unverzüglich neuer Schweiß bildet.
  2. Es ändert sich die Farbe der Hände (oft pink) entsprechend des Natrium- und Mineralgehaltes des Schweißes.
  3. Beginn der Symptome im Kindes- bis Jugendalter (<25 Jahre).
  4. Auftreten des Schwitzens temperaturunabhängig, unvorhersehbar und nicht willentlich kontrollierbar.
  5. Fokales Auftreten an einer oder mehreren Prädilektionsstellen mit symmetrischem Befall.
  6. Auftreten öfter als einmal pro Woche mit Beeinträchtigung des Alltages.
  7. Kein vermehrtes Schwitzen während des Schlafes.
  8. Positive Familienanamnese.

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