Home / Beratung / Nichtantibiotische Alternativen bei Blasenentzündung

Nichtantibiotische Alternativen bei Blasenentzündung

Die aktuelle S3-Leitlinie zur Behandlung unkomplizierter Harnwegsinfekte beleuchtet den Einsatz von Antibiotika kritisch und bewertet Pflanzenextrakte, D-Mannose und Bakterienpräparate. (Pharmaceutical Tribune 7/2018)

1 Kundenwunsch

Die Kundin löst ein Rezept für ein Antibiotikum ein und klagt über Schmerzen durch eine Blasenentzündung. „Wissen Sie, diese Nacht war fürchterlich, darum war ich heute gleich beim Arzt. Aber es ist nicht das erste Mal, dass ich daran leide!“ Durch die verordnete Therapie werden sich die Beschwerden zwar bald bessern, aber ideal ist es, der Kundin begleitende und vorbeugende Möglichkeiten bei Harnwegsinfekten (HWIs) anzubieten.

2 Hintergrundwissen

Zunächst ist es wichtig, zwischen akuten und rezidivierenden Beschwerden zu unterscheiden. Rezidivierend bedeutet, dass die Symptome häufiger als drei Mal innerhalb von zwölf Monaten und öfters als zwei Mal innerhalb von sechs Monaten auftreten. In der aktuellen S3-Leitlinie* wird zwischen komplizierten und unkomplizierten HWIs, bei denen keine anatomischen oder relevanten Nierenfunktionsstörungen vorliegen, unterschieden und auf bestimmte Patientengruppen speziell eingegangen. Bei prä- und postmenopausalen Frauen werden im Rahmen von Routineuntersuchungen häufig asymptomatische Bakteriurien festgestellt. Bei ihnen müssen unkomplizierte Harnwegsinfektionen ohne Komplikationen nicht behandelt werden.

Im Gegensatz dazu sollten HWIs bei Männern aufgrund des häufigen Zusammenhanges mit Prostataproblematiken immer als kompliziert eingestuft und weiter abgeklärt werden. Sind Diabetiker gut eingestellt, so darf der HWI durchaus als unkompliziert eingestuft und wie bei Gesunden behandelt werden. Andernfalls können auch leichte Infekte die Insulinresistenz verstärken und die Stoffwechsellage weiter verschlechtern. Interessant ist, dass die Selbstheilungsrate einer Blasenentzündung bei beachtlichen 30 bis 50 Prozent liegt.

3 Therapiemöglichkeiten

Antibiotika (AB) werden von Betroffenen in der Behandlung sehr geschätzt, da sie rasch zu einem Abklingen der Beschwerden führen. Eine Vergleichsstudie zwischen einer AB-Therapie und der Anwendung von Ibuprofen (Anwendungsdauer je eine Woche) zeigt jedoch, dass in der AB-Gruppe eine Beschwerdefreiheit von 80 Prozent und in der Ibuprofen- Gruppe von 70 Prozent erreicht werden konnte. In der Leitlinie wird daher angegeben, dass Patienten mit unkomplizierter Blasenentzündung und leichten bis mittelgradigen Schmerzen unter diesem Aspekt eine antibiotikafreie Therapie angeboten werden kann. Achtung: In diesem Fall steigt allerdings die Inzidenz für eine aufsteigende Infektion mit einer Nierenentzündung an. In der Selbstmedikation stehen zur Behandlung akuter und krampfartiger Schmerzen auch Spasmolytika, wie Butylscopolamin, zur Verfügung.

Zur unterstützenden Behandlung akuter Harnwegsinfektionen sind pflanzliche Harnwegsdesinfizienzien, wie Bärentraubenblätter (Cave : aufgrund des darin enthaltenen Arbutins und dem daraus entstehenden Hydrochinon nicht länger als sieben Tage am Stück und nicht öfter als fünf Mal pro Jahr anwenden), zugelassen. Zur Langzeitprophylaxe über einen Monat hinaus haben sie aber keinen Stellenwert. Gleiches gilt für pflanzliche Aquaretika, wie Brennnessel, Goldrute, Orthosiphonblätter, Liebstöckl oder Schachtelhalmkraut. Zur Ansäuerung des Harns kann auch die Aminosäure L-Methionin angedacht werden. In der Leitlinie wird weiters auf die empfohlene Trinkmenge eingegangen. Diese sollte ausreichend sein, jedoch 1,5 Liter Flüssigkeit nicht übersteigen. Der Grund liegt darin, dass bei höheren Mengen die natürlichen Hemmstoffe des Bakterienwachstums im Harn, wie das Tamm-Horsfall- Protein und Cathelecidine, zu stark verdünnt werden.

Für Cranberry-Zubereitungen wird davon ausgegangen, dass die nötigen Dosierungen für positive Effekte in der Rezidivprophylaxe bei etwa 100 mg Proanthocyanidinen pro Tag liegen dürften. Zur Anwendung in der Langzeitprophylaxe wurde D-Mannose sehr positiv bewertet. Die Einnahme von 2 g zeigte ähnliche Ergebnisse wie die von Nitrofurantoin bei gleichzeitig geringerer Nebenwirkungsrate. Ähnliche Ergebnisse konnten mit der fixen Kombination von Indigowurzel, Lebensbaum und Sonnenhut erzielt werden. Ebenso vielversprechend haben sich Zubereitungen aus immunaktiven Escherichia- coli-Stämmen sowie von Lactobazillen gezeigt.

4 Empfehlung

Schmerz ist immer ein akutes Geschehen und muss aus diesem Grund rasch und effektiv behandelt werden. Die Aussicht auf seltenere Beschwerden ist aber durchaus attraktiv und sollte daher auf jeden Fall angesprochen werden. „Ihr Arzt hat vollkommen recht, dass die Beschwerden mit diesen Tabletten rasch besser werden. Unterstützen Sie die Therapie und trinken Sie jeden Tag drei Tassen von diesem Blasentee. Damit Sie nicht gleich wieder unter ähnlichen Schmerzen leiden, empfehle ich Ihnen, dieses Bakterienpräparat und D-Mannose täglich einzunehmen. Das hat sich zur Vorbeugung bewährt!“

*https://bit.ly/2Eytxt4

Das ist ein Fall für den Arzt!

Der Harnwegsinfekt ...

  • ... tritt zum allerersten Mal auf.
  • ... hält länger als fünf Tage an.
  • ... ist chronisch und tritt häufiger als drei Mal pro Jahr auf.
  • ... verursacht starke Schmerzen und ist von Fieber begleitet.
  • ... betrifft kleine Kinder oder Schwangere.

 

 

LOGIN

Login

Passwort vergessen?