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ArzneimittelPROFIL Temsirolimus September 2007

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Mit der Entwicklung des mTOR-Inhibitors Temsirolimus steht aus der Gruppe der zielgerichteten Tumortherapien eine weitere interessante Substanz zur Verfügung. Ein Charakteristikum vieler Tumorarten ist die Überaktivierung des intrazellulären Phosphatidylinositol-3-Kinase/AKT-Signalwegs, wodurch ein Circulus vitiosus mit Produktion von Wachstumsfaktoren für Tumorproliferation und Neoangiogenese und deren Rezeptoren aufrechterhalten wird. Temsirolimus blockiert ein Schlüsselenzym dieser Signaltransduktionskaskade, das mammalian Target Of Rapamycin – mTOR. Dies führt zu einer klinisch relevanten Inhibierung der Tumorpropagation.
Beim metastasierten Nierenzellkarzinom konnte in einer randomisierten Phase-III-Studie gezeigt werden, dass Temsirolimus das progressionsfreie Überleben sowie das Gesamtüberleben gegenüber Patienten, die Interferon α erhielten, signifikant verlängern kann. Bemerkenswert an dieser Untersuchung ist, dass es sich hierbei um ein Patientengut handelte, das primär prognostisch sehr ungünstige Kriterien aufwies. Beim hormonsensitiven Mammakarzinom bringt – wie eine Phase-III-Studie zeigt – die Zugabe von Temsirolimus zu Letrozol zwar keine Verbesserung des progressionsfreien Überlebens in der Gesamtpopulation, jedoch profitieren Patientinnen bis 65 Jahre von einer Kombinationstherapie. Die Kombination einer endokrinen Therapie mit Temsirolimus erscheint zudem interessant, weil Temsirolimus offenbar Tumorzellen, die bereits auf endokrine Therapie resistent waren, resensibilisieren kann.
Preliminäre Ergebnisse von Phase-I- und -II-Studien lassen hoffen, dass Temsirolimus bei Patienten mit rezidiviertem Mantelzell-Lymphom, wo sogar rasch eintretende, komplette Remissionen beobachtet wurden, eine Therapieoption darstellen könnte. Das Gleiche gilt für Patienten mit rezidiviertem Glioblastom, wo radiologische und klinische Befunde einen Hinweis für die Aktivität dieser Substanz geben. Bei anderen soliden Tumoren scheint die Zukunft von Temsirolimus vor allem auch in Kombination mit Chemotherapie zu liegen, da Xenograft-Modelle und erste klinische Ergebnisse auf einen deutlichen Synergismus von Temsirolimus mit etablierten Substanzen hindeuten. Beim Bronchialkarzinom scheinen teilweise lang anhaltende Partialremissionen möglich zu sein.
Die Verträglichkeit von Temsirolimus ist im Dosisbereich von 25mg einmal wöchentlich sehr gut. Geachtet werden muss auf die Möglichkeit von Thrombopenien, Hyperglykämien, Hypertriglyzeridämien sowie auf möglicherweise medikamentös induzierte Pneumonitiden.
Zusammenfassend steht nun ein weiteres Medikament zur Verfügung, das die Bedeutung zielgerichteter Therapien in der Onkologie aufzeigt. Die Ergebnisse einer Vielzahl derzeit laufender internationaler Studien wird klären, welches Patientengut – abgesehen von Nierenzellkarzinompatienten – von einer Temsirolimus-Therapie profitieren kann.

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