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Saisonapotheke am See

In der Ferienzeit hat die Leiterin der Paracelsus Apotheke in Radenthein gleich zwei Standorte zu managen. (Pharmaceutical Tribune (11/2018) 

In Döbriach am Millstätter See gibt es alljährlich eine Sommerapotheke. Sie ist den gesamten Juli und August geöffnet, und das heuer bereits zum 27. Mal. Rechtlich gesehen handelt es sich bei dem Saisonbetrieb um eine Filialapotheke der Paracelsus Apotheke in der vier Kilometer entfernten Stadt Radenthein. Döbriach gehört als eine von sechs Katastralgemeinden zur Stadtgemeinde Radenthein. Mit der Sommerapotheke wollte die Konzessionärin der Paracelsus Apotheke, Mag. Christina Herbrich, speziell für die Sommertouristen, die Angestellten im Fremdenverkehr, die Tagesausflügler und Zweitwohnsitzer direkt am Ferienort ein eigenes pharmazeutisches Angebot schaffen. Hinter der Tara wechseln sich jeweils zwei Pharmazeuten der Stammapotheke ab. Mit kleinen Überraschungen bei der Nachfrage müssen sie rechnen. „Wir wissen aus Erfahrung: Was die Kunden wünschen, ändert sich von Jahr zu Jahr ein wenig und hat auch mit dem Online-Einkauf zu tun“, erklärt Herbrich.

Der Sommersitz der Paracelsus Apotheke speziell für Urlaubsgäste.

Viel erlebt

Mit 70 Lebensjahren ist die Konzessionärin genauso alt wie die Stammapotheke. Und sie denkt noch nicht ans Aufhören. „Arbeiten hält das Gehirn frisch“, pflegt die gebürtige Steirerin zu sagen. Bereits 1971 stieß sie als Aspirantin zur Paracelsus Apotheke – und blieb. Später pachtete sie das von einem Südtiroler gegründete und als „Witwenbetrieb“ fortgeführte Unternehmen, 1982 schließlich kaufte sie es. „Es war eine klassische Nachkriegsapotheke, die ich in den darauffolgenden zehn Jahren nach und nach umgebaut und modernisiert habe.“ Dass sie ihre Kunden und deren Familien schon so gut und lange kennt, sei das Spannende daran, wenn man eine Landapotheke über Dekaden führt. „Dadurch sieht man zum Beispiel ein Zucker- und Cholesterinproblem im genetischen Kontext und kann dementsprechend beraten.“ Wie die Apotheke hat sich auch die Stadtgemeinde Radenthein stark verändert. Bekannt wurde die Stadt wegen des Bergbaus. 1908 entdeckte man auf der Millstätter Alpe Magnesit, die Gründung eines austro-amerikanischen Werkes zum Magnesitabbau war die Folge. Durch die entstandenen Arbeitsplätze gab es einen starken Bevölkerungszuzug, der 1971 mit 7.300 Einwohnern seinen Höhepunkt erreichte. Mittlerweile ist die Einwohnerzahl der Gemeinde allerdings auf 5.900 zurückgegangen. Immerhin kamen 1991 durch die Filialapotheke vermehrt Sommertouristen als Kunden dazu. Gegenüber der Stammapotheke wiederum entstand ein 60-Betten-Seniorenzentrum, das die Apotheke ebenfalls pharmazeutisch versorgt.

Im Verbund

Der 40 Quadratmeter großen Offizin sieht man an, dass der Betrieb als eine von fünf Kärntner Apotheken zu einer pharmazeutischen Arbeitsgemeinschaft gehört, die Nahrungsergänzungsmittel sowie Pflege- und Medizinprodukte herstellen. „Mein Sohn Christian arbeitet in der Entwicklungsgruppe für neue Produkte mit.“ Mag. Christian Herbrich wird die Zehn-Mitarbeiter-Apotheke einmal übernehmen. Regional ist er auch als leidenschaftlicher Hobby-Tenor bekannt. „Es gibt in meiner Familie viele künstlerisch veranlagte Menschen“, sagt die Konzessionärin. Auch Christine Herbrich hat neben dem Apothekerberuf eine zweite Leidenschaft: die Politik. Von 1991 bis 1997 war Herbrich Bürgermeisterin von Radenthein, mittlerweile fungiert sie als Vizebürgermeisterin.

APO-Steckbrief:

    • Paracelsus Apotheke Radenthein Paracelsusstr. 2, 9545 Radenthein Sommerapotheke: Seestraße Döbriach
    • www.apotheke-radenthein.at (in Arbeit)
    • Spezialisierungen: Homöopathie, Heilsalben, Rat & Tat-Produkte, Kosmetik
    • Spezialitäten: Teemischungen
    • Service: Zustellung

APOPRIVAT
Mag. Christine Herbrich

MOTTO Man muss mit Demut annehmen, was kommt. Meistens zeigt sich im Nachhinein ohnehin, dass es sich wunderbar gefügt hat.
STRESS Ich habe mich sehr gut im Griff und besitze ein festes Nervenkostüm.
ERFOLG Von alleine geht gar nichts. Aus der Apotheke das zu machen, was sie heute ist, war viel Arbeit, das Bürgermeisteramt ebenfalls. Dennoch möchte ich es nicht missen, zumal es mir immerhin gelungen ist, als schwarze Kandidatin in einer roten Gemeinde gewählt zu werden. Da habe ich viel gelernt. Allem voran, dass es viel leichter ist, etwas von außen zu kritisieren, als es angesichts der bestehenden Verordnungen und Gesetzen tatsächlich zu verändern.

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