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Lustige Arbeitswelt

Man kann von uns ApothekerInnen alles Mögliche sagen, aber sicher nicht, dass wir keinen Spaß an unserer Arbeit haben. „Viel Spaß“ statt „Gute Besserung“ wollte ich unlängst einem Kunden beinahe nachrufen, als er glücklich lächelnd mit seinem Potenzmittel von dannen zog. Ich verbiss es mir, sah mir aber sein Rezept genauer an: Es war von einem „Netdoktor“ ausgestellt, mit Sitz in London. Diese Formulare kommen uns immer öfter unter. Gut, wenigstens hatte er nicht, wie Stunden zuvor ein Mann, mit heiserer Stimme gefragt: „Chaben Sie Dr. Cialis®? Ist fir Sex!“

Im Container kommen noch andere Spaßfaktoren dazu. Meine Kollegin und ich haben es uns, wenn Zeit bleibt, zur Aufgabe gemacht, mit grimmigem Blick hinter dem ebenerdigen Fenster zu stehen, vor dem oft ein Hund Gassi geführt wird. Unlängst schreckte eine Frau ziemlich zusammen, als sie aus der gebückten Stellung direkt in unsere mahnenden Gesichter sah. Sofort zückte sie ihr gefülltes Gackerlsackerl und zeigte es uns triumphierend wie zum Beweis. Da mussten wir beide lächeln und die Daumen hochhalten – so viel Ordnungssinn muss man heutzutage schon loben!

Am lustigsten ist halt immer noch der Nachtdienst. Nachdem ich schon Mrs. Sherlock Holmes genannt werde, weil ich Fälschungen mit einem Blick erkenne, es aber leider keine warnenden Rundfaxe der Kammer nach Meldung mehr gibt, finde ich dieses Geschäft nicht mehr so witzig. Als beim letzten Nachtdienst eine Frau anrief und fragte, ob sie drei von sechs Packungen Schlafmittel, von denen sie schon drei eingelöst hätte, gleich abholen könne, antwortete ich müde und lustlos: „Nur, wenn es kein gefälschtes Rezept ist.“ „Warum sollte das Rezept gefälscht sein?“, fragte die Frau eher vorgewarnt als erstaunt. „Na ja, die kursieren hier ziemlich heftig, und ich erkenne sie sofort.“

Natürlich erschien sie nicht. Noch weniger lustig ist aber, wenn um 2.45 Uhr nachts jemand mit einem magistralen Hustensaft- Rezept erscheint, das nicht mal ein Notfallrezept ist. „Warum sind Sie nicht am Nachmittag gekommen?“, frage ich. „Da hatte ich keine Lust.“ „Na schön, ich habe jetzt aber keine Lust, mich mitten in der Nacht ins Labor zu stellen. Sie können den Saft morgen früh abholen unter dem Namen.“ „Aber ich weiß doch den Namen nicht!“ „Sie kennen den Namen Ihres Vaters nicht??“ „Ach der, ich dachte, den Namen des Hustensaftes ...“ „Ich glaube, wir gehen jetzt beide schlafen, oder?“

Raucher sind oft lustige Kunden, besonders ehemalige. „Haben Sie das gesehen?“, fragt mich ein dick vermummter Kunde und deutet auf sein Rezept (ich habe natürlich immer alle Gesichter und deren dazugehörige Verschreibungen im Kopf). „Seit ich mit dem Rauchen aufgehört habe, krieg ich einen Asthmaspray weniger verschrieben – ich brauch ihn nicht mehr!“ Ich freue mich aufrichtig mit ihm. Ganz lustig eine Substitutionskundin, die regelmäßig bei uns randaliert. Als ich ihr klarmache, dass ich jederzeit ihren Arzt kontaktieren kann, wehrt sich sich wortreich und fragt mich sinngemäß, ob ich heute schon sexuell befriedigt worden wäre. Den vulgären Originalwortlaut erspare ich Ihnen ...

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