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„Wochenend-Effekt“: 10%ige Erhöhung der Letalität bei Aufnahme auf Intensivstation am Wochenende

11.09.2017 – Einer neuen Grazer Studie zufolge, führt die Aufnahme auf eine österreichische Intensivstation an einem Wochenende zu einer höheren Letalität als die Aufnahme unter der Woche. Forschende um Paul Zajic (MedUni Graz) sehen bei der im Fachjournal „Critical Care“ veröffentlichten Studie eine schlechtere personelle Ausstattung sowie ein höheres Arbeitspensum am Wochenende als mögliche Gründe.

Im Rahmen der retrospektiven Studie hatte das Team um Zajic und Philipp Metnitz die Daten von rund 147.000 PatientInnen analysiert. Alle wurden im Zeitraum von 2012 bis 2015 auf 119 österreichischen Intensivstationen betreut. Rund 57 Prozent waren männliche Patienten, der Altersschnitt lag bei 68 Jahren. Rund 17 % dieser PatientInnenpopulation, also knapp 26.000 Frauen und Männer, wurden an Wochenenden in der Intensivstation aufgenommen.

Für insgesamt knapp 14.000 der erfassten PatientInnen brachte der mehrtägige Aufenthalt auf der Intensivstation einen letalen Ausgang. Menschen, die unter der Woche eingeliefert wurden, traf es dabei signifikant seltener.  Demzufolge ist die Wahrscheinlichkeit, bei Einlieferung am Wochenende zu versterben, um zehn Prozent höher im Gegensatz zur Aufnahme an einem Wochentag.

Laut Metnitz ist dieser  “Wochenend-Effekt“ nicht neu, nun liegen jedoch neue Daten mit guter Qualität vor. Daneben betonte Metnitz, dass Österreich im Europaschnitt eine niedrige Mortalität aufweist.  Dennoch soll die Studie vor allem die Versorgungsqualität der PatientInnen weiter verbessern. Metnitz vermutet die gegebenen Strukturen und die Organisation der Spitäler als Ursache für die Studienergebnisse und fragt sich, ob die laufenden Prozesse „für die heutigen Gesundheitsstrukturen adäquat sind“. Weitere Daten für genauere Rückschlüsse auf die Ursachen wären demzufolge wünschenswert.

Weiters geht aus der Studie hervor, dass die Schwere der Krankheit und der Grund für die Aufnahme zwischen Wochenenden und Wochentagen auffallend variieren. Während es an Samstagen und Sonntagen deutlich weniger geplante Operationen gab als zwischen Montag und Freitag, hatten diese dann jedoch häufiger einen letalen Ausgang als Operationen unter der Woche.

Aufgrund der Studienergebnisse empfehlen die StudienautorInnen den Krankenhaus-BetreiberInnen, Strukturen zu überarbeiten, denn „Equipment, Expertise und MitarbeiterInnen müssen in derselben Quantität und Qualität an jedem Tag der Woche zur Verfügung stehen.“

Quelle: Zajic P., Metnitz B.,et al. Weekends affect mortality risk and chance of discharge in critically ill patients: a retrospective study in the Austrian registry for intensive care. Critical Care201721:223. https://doi.org/10.1186/s13054-017-1812-0; published 07.09.2017

 

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