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Über Versorgungsengpässe und Ausbildungsdefizite

Das österreichweite Angebot für eine adäquate Schmerzversorgung ist – entgegen allen internationalen Trends – nicht nur dünn und lückenhaft, sondern noch weiter auf Talfahrt. Wie effektiv eine multimodale Schmerztherapie sein könnte, hat die Evaluierung eines tagesklinischen Angebots an der Schmerzklinik Klagenfurt eindrucksvoll belegt. (CliniCum 6/18)

1,8 Millionen Menschen leiden in Österreich an chronischen oder chronisch wiederkehrenden Schmerzen, 400.000 davon sind aufgrund einer Schmerzkrankheit in ihrer Lebensqualität massiv beeinträchtigt. Grund für eine Chronifizierung ist nicht selten die falsche oder eine zu späte Akuttherapie. Trotz dieser weithin bekannten Tatsache wird die heimische Schmerzversorgungslandschaft, die ohnehin schon von einem äußerst bescheidenen Niveau gestartet war, weiterhin sukzessive ausgedünnt. „Schuld“ daran sind die zunehmenden personellen Engpässe in den Spitälern. Zehn Schmerzambulanzen wurden innerhalb der letzten zehn Jahre geschlossen, bei vielen der verbleibenden 48 die Öffnungszeiten zum Teil drastisch gekürzt. Und dort, wo Patienten nicht vor geschlossenen Türen stehen, werden die Leistungsangebote – entgegen dem medizinischen Stand des Wissens – vielerorts zurückgefahren.

Schmerzambulanz-Angebot rückläufig

Dieser Stand des Wissens schlägt beim chronischen Schmerz ein multimodales Versorgungskonzept vor, ein therapeutischer Ansatz, den die Einrichtungen aufgrund der Ressourcenknappheit und fehlender interdisziplinärer Strukturen nur selten anbieten können, wie die Präsidentin der Österreichischen Schmerzgesellschaft OÄ Dr. Gabriele Grögl-Aringer weiß: „Wir können die Therapieziele aufgrund der Versorgungsdefizite oft nicht erreichen.“ Diese Defizite beschränken sich dabei aber keineswegs auf die bislang besprochene zweite Stufe der Versorgungspyramide (die Schmerzambulanzen). Landesweit fehlt es zudem an der erforderlichen Expertise, um ein adäquates Angebot auf Stufe eins (bei den niedergelassenen Allgemeinmedizinern) sicherzustellen. Derzeit gibt es weder einen Lehrstuhl für Schmerzmedizin noch eine verpflichtende Basisausbildung im universitären Medizin-Curriculum, von einem Facharzt für Schmerzmedizin einmal ganz zu schweigen. Die dritte Versorgungsstufe schließlich, die Ebene der Spezialkliniken, ist – abgesehen von der Schmerzklinik am Klinikum Klagenfurt am Wörtersee – derzeit praktisch nicht vorhanden. Grögl-Aringer spricht in diesem Zusammenhang von einer „katastrophalen Situation im stationären Bereich, bei der Schmerzversorgung nach Verletzungen, Operationen bzw. bei Tumorpatienten“.

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