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PBM in Österreich: Worauf warten wir noch?

An der Implementierung von Patient Blood Management (PBM) in Österreich führt kein Weg vorbei, darin sind sich Experten aus Medizin und Pflege einig. Bei einem von CliniCum initiierten Roundtable setzte eine interdisziplinäre und multiprofessionelle Expertenrunde die ersten Schritte für praxistaugliche Checklisten zur Anwendung an heimischen Spitälern. Das bewährte und mehrfach evidenzbasierte australische PBM-Projekt soll als Modell für Österreich dienen. (CliniCum 11/18)

Bereits zum vierten Mal traf sich diesen September auf Einladung von CliniCum eine Expertenrunde, um aktuelle Entwicklungen im Bereich PBM zu diskutieren und konkrete Schritte zu dessen Implementierung in Österreich zu setzen. Trotz des ungebrochenen Engagements einzelner Personen ist bis dato PBM in Österreich bis auf einzelne Ausnahmen selbst unter medizinischem Fachpersonal noch ein mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt. Ganz anders dagegen die Situation etwa in Australien, wo PBM schon seit Längerem als „Standard of Care“ eingeführt ist. Dazu beigetragen hat unter anderem eine in Westaustralien durchgeführte Studie mit mehr als 600.000 Patienten (Leahy et al., 2017): Diese Studie konnte eindeutig belegen, dass durch die konsequente Anwendung von PBM über fünf Jahre die Krankenhaus-assoziierte Mortalität nach geplanten Operationen um 28 Prozent reduziert wird. Unter anderem ging die Spitalsaufenthaltsdauer um 15 Prozent zurück. Weitere Ergebnisse wie eine Reduktion der nosokomialen Infektionen um 21 Prozent und rund ein Drittel weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle sprechen ebenfalls deutlich für den Nutzen von PBM.

Gesamtpaket wirkt

Dass PBM wirkt, kann heute nicht mehr bestritten werden. Aus wissenschaftlicher Sicht ist jedoch noch nicht eindeutig zu beantworten, welche Einzelmaßnahmen von PBM für die erzielten Effekte in welchem Ausmaß verantwortlich sind. Es scheint aber so zu sein, dass genau das Gesamtpaket der drei Säulen und damit das optimale Anämie-, Blutungs- und Transfusionsmanagement die dokumentierten positiven Effekte hervorruft.

Umsetzung rasch einleiten

Während im australischen Modell zur Umsetzung von PBM alle Verantwortlichen von Gesundheitspolitik sowie des Spitals-, Sozialversicherungs- und Transfusionswesens eng kooperieren und somit letztlich die rasche und konsequente Umsetzung von PBM möglich machten, fehlen dazu in Österreich noch klare Bekenntnisse. Dabei setzte unter anderem die Europäische Kommission 2017 mit der Veröffentlichung von zwei Leitlinien für Gesundheitsbehörden und Krankenhäuser einen deutlichen Appell in puncto Dringlichkeit der Einführung von PBM. Das Konzept PBM wurde zudem bereits 2014 neben Krankenhaushygiene und Koloskopie als eines von drei Themen für bundeseinheitliche Qualitätsstandards priorisiert.

Aus Sicht der CliniCum-Expertenrunde ist es für Österreich höchst an der Zeit, die mit PBM verbundenen Anliegen klar zu formulieren, den relevanten Zielgruppen bekannt zu machen und die Umsetzung einzuleiten. Dabei gilt es selbstverständlich, die für die jeweiligen Fachbereiche spezifischen Anforderungen zu berücksichtigen und klar herauszuarbeiten. In der Internen Medizin/Hämato-Onkologie bestehen etwa Bedenken dahingehend, dass erhöhtes Speichereisen bei chronisch transfundierten Patienten die Infektanfälligkeit erhöhen kann. Daraus wird ersichtlich, dass es erforderlich sein wird, bei der Umsetzung von PBM auf die spezifischen Anfordernisse der Fachbereiche im Detail einzugehen.

Checkliste PBM: From Australia to Austria

Ein gutes Modell dafür liefert die Australische National Blood Authority (NBA), die bereits 2011 damit begonnen hat, PBM-Guidelines in sechs Modulen für den klinischen Bereich zu erarbeiten (siehe Kasten). Im August 2018 hat die australische NBA nun eine Arbeitsgruppe beauftragt, die Richtlinien auf Basis der neuesten Evidenz zu aktualisieren; dieser Prozess soll Mitte 2019 abgeschlossen sein. Als praxistauglichen Weg zur Implementierung von PBM an heimischen Kliniken schlägt die CliniCum-Expertenrunde die Adaptierung der australischen Checklisten für sechs Kernbereiche vor. In einem multiprofessionellen und interdisziplinären Prozess sollen diese Richtlinien in Checklisten für die genannten sechs Fachbereiche in Österreich übersetzt bzw. adaptiert werden. Zusätzlich soll eine eigene Checkliste für den Bereich der Anästhesie und Intensivpflege in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband für Anästhesie und Intensivpflege (ÖBAI) erarbeitet werden. Die entsprechenden Arbeitsgruppen werden demnächst formiert, und CliniCum wird laufend über die Fortschritte berichten.

Die PBM-Expertenrunde

Univ.-Prof. Dr. Jens Meier, Vorstand der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Kepler Universitätsklinikum Linz (Vorsitz)
Univ.-Prof. DDr. Robert Fitzgerald, Abt. für Anästhesie & Intensivmedizin, Krankenhaus Hietzing; Karl Landsteiner Institut für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Wien
Univ.-Prof. Dr. Heinz Gisslinger, Klin. Abt. für Hämatologie und Hämostaseologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien
Mag. Sabine Gubi, 2. Vorsitzende des Berufsverbandes für Anästhesie und Intensivpflege (ÖBAI)
Mag. Dr. Axel Hofmann, Institut für Anästhesiologie, Universitätsspital Zürich; University of Western Australia PBM-Program; Medical Society for Blood Management Österreich
Angelika Koncz, 1. Vorsitzende des Berufsverbandes für Anästhesie und Intensivpflege (ÖBAI)
Univ.-Prof. Dr. Peter Schlenke, Vorstand der Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin, Graz

PBM-Guidelines: Australische Module

  • Trauma/Massivblutungen
  • Perioperative Medizin
  • Innere Medizin
  • Intensivmedizin
  • Gynäkologie & Geburtshilfe
  • Neonatologie/Pädiatrie

Quelle: https://www.blood.gov.au/pbm-guidelines-updates

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