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Nationaler Aktionsplan

Sepsis – die unterschätze Gefahr

In Europa erkranken pro Jahr mehr als eine halbe Million Menschen an Sepsis. Für Österreich gibt es zwar keine validen Daten, schätzungsweise gibt es hierzulande aber etwa 18.000 Sepsis-Patienten im Jahr, wobei die Hälfte davon einen schweren Verlauf verzeichnet. Rund 6.700 Menschen sterben jährlich allein in Österreich daran, das entspricht etwa 8 Prozent aller Todesfälle.

Aktionsplan gegen die Sepsis

Trotz dieser Zahlen ist der Begriff Sepsis nicht nur bei medizinischen Laien, sondern auch bei Entscheidungsträgern aus Politik und Gesundheitswesen nach wie vor wenig bekannt, die damit verbundenen Gefahrenpotenziale werden vielfach unterschätzt. Früh- und Warnsysteme werden oft als Grippesymptome fehlinterpretiert. Die WHO verabschiedete bereits 2017 eine „Sepsis-Resolution“. Darin werden die 194 UN-Mitgliedsstaaten dringend aufgefordert, bis 2020 in ihren Ländern Nationale Aktionspläne umzusetzen, die geeignet sind, Prävention, Diagnose und Management der Sepsis signifikant zu verbessern.

In Österreich existiert ein solcher koordinierter Aktionsplan derzeit noch nicht. Geht es nach dem Willen der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), soll sich das möglichst rasch ändern, auch wenn im Moment die gesundheitspolitischen Ansprechpartner fehlen. In einem ersten Schritt wird daher gemeinsam mit zahlreichen Fachgesellschaften und Experten ein Memorandum für einen „Nationalen Aktionsplan Sepsis“ erarbeitet.

Laut ÖGARI-Vorstandsmitglied Assoc. Prof. PD Dr. Eva Schaden braucht es für eine wirksame „Surviving Sepsis Campaign“ ein ganzes Bündel an Maßnahmen: angefangen beim Erstellen valider Daten über Sepsis-Fälle in Österreich, über die Entwicklung präventiver Maßnahmen – u.a. ein routinemäßiges Erheben des Gefahrenpotenzials bei Intensiv-Patienten mittels Quick SOFA-Score sowie eine Awareness-Kampagne prioritär im niedergelassenen Bereich – bis hin zu diagnostischen Verbesserungen. So müsse etwa flächendeckend die Möglichkeit geschaffen werden, Befunde 24 Stunden an sieben Tagen die Woche zu erstellen und auszuwerten, fordert Ao. Univ.-Prof. Dr. Ojan Assadian, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Außerdem sollte die Mikrobiologie als eigene Fachdisziplin etabliert und ausreichend Ausbildungsstellen für klinische Infektiologen geschaffen werden. Die Einführung einer Bedside-Checkliste wäre ebenfalls eine gute Möglichkeit, um die Sepsis früh genug zu erkennen und damit den frühen Beginn der Sepsis-Therapie zu unterstützen.

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