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50 Jahre Medical Tribune

50 Jahre Flower Power

In der Friedensbewegung der späten 1960er Jahre wurde Cannabis zwar reichlich konsumiert, der medizinische Einsatz war jedoch verboten. Erst seit Ende der 1990er Jahre ist der legale medizinische Gebrauch wieder möglich. (Medical Tribune 26/18)

In den letzten Jahren blühte das Geschäft wieder auf, einige Länder haben Cannabis legalisiert.

Die Geschichte der Cannabispflanze in der Medizin reicht weit in das antike China zurück und lässt den Schluss zu, dass Cannabinoide die längste Evidenz psychotroper Substanzen besitzt. Um die Jahrhundertwende (18./19. Jhdt.) wurde Cannabis als Medizin in England und den USA angeboten.

Konkurrenz durch Aspirin

Mit dem Aufkommen von Aspirin als Schmerzmittel oder Luminal als Schlafmittel Anfang des 19. Jahrhunderts kamen Alternativen auf den Markt. Mit dem Marihuana Tax Act 1937 ist die Cannabis/Hanf-Produktion in den USA lahmgelegt worden. 1942 wurde Cannabis aus der United States Pharmacopoeia gestrichen. Einer der wichtigsten Vertreter der Anti-Cannabis-Kampagne war Harry Anslinger, Leiter des Federal Bureau of Narcotics. Ihm gelang es 1961, die UNO von der vermeintlichen Gefährlichkeit und Nutzlosigkeit der Pflanze zu überzeugen. Dies fand Eingang in die UNO Single Convention on Narcotic Drugs. Die Ablehnung der Pflanze hatte nun weltweite Wirkung, auch Österreich schloss sich an. Mit dem Controlled Substances Act of 1970 wurde Cannabis als Schedule 1 Drug charakterisiert und somit der medizinischen Forschung und Nutzung entzogen. In Österreich war die negative Einstellung zu psychotropen Substanzen im „alten“ Suchtgiftgesetz festgeschrieben, das 1951 in Kraft trat und bis ins Jahr 1998 novelliert wurde.

„Make love, not war“

Das Aufkommen psychedelischer Drogen Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre war unter anderem eine Auswirkung des Vietnamkrieges, aus dem viele traumatisierte und drogenabhängige Veteranen zurückkehrten. Ein Motto der Friedensbewegung war bekanntlich „Make love, not war“. Cannabis wurde zu diesem Zeitpunkt zwar reichlich konsumiert, ein medizinischer Einsatz war jedoch verboten. Erst durch den Compassionate Use Act 1996 in Kalifornien wurde der legale medizinische Gebrauch von Cannabinoiden wieder möglich. Voraussetzung dafür waren Erkenntnisse der Grundlagenforschung (siehe Kasten).

Medizinische Anwendungen

In Österreich trat im Jahr 1998 das „neue“ Suchtmittelgesetz in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt wurden auch erstmals Opiate für den „benignen Schmerz“ zugelassen. Erste medizinische Anwendungen in Österreich gelangen Prof. Dr. Thomas Berger von der Med-Uni Innsbruck bei Multiple- Sklerose-Patienten bereits davor, nämlich im Jahr 1995. Es konnte gezeigt werden, dass die Symptome, Spastizität, Schmerz, Schlaf und das allgemeine Wohlbefinden durch Cannabinoide deutlich gebessert wurden und die Nebenwirkungen gering waren.

Meilensteine der Grundlagenforschung

1964 Isolation und Synthese von Tetrahydrocannbinol (THC) durch Raphael Mechoulam
1988 Howlett isoliert den Cannabinoidrezeptor CB1 im Hirn.
1992 Devane entdeckt Anandamid, das erste Endocannabinoid.
1993 Munro entdeckt CB2-Rezeptor auf Immunzellen.

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