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Epochale Veränderungen seit den Sixties

Von stressverursachter Volkskrankheit zu behandelbarer Infektion: peptische Ulkuskrankheit. Die Gastroenterologie hat in den vergangenen Jahrzehnten eine revolutionäre Entwicklung hingelegt – Nobelpreis inklusive. (Medical Tribune 26/18)

Erste Versuche einer Gastroskopie mit starren Optiken wurden bei einem Schwertschlucker schon 1868 demonstriert. Heute ist die Endoskopie eine hochtechnisierte – und zunehmend therapeutische – Methode.

Mitte der 1990er Jahre wurde das Diktum „Ohne Magensäure kein Magenulkus“ erschüttert. Bis dahin wurde gelehrt, dass gastroduodenale Ulzera die Folge einer Störung des Gleichgewichtes zwischen Aggression, z. B. durch Magensäure, Pepsin, Stress, Nikotin, und Protektion, z. B. durch Schleimproduktion, Bicarbonatsekretion, Prostaglandinproduktion, seien. Erste relevante Therapiefortschritte resultierten aus einer medikamentösen Hemmung der Säureproduktion. Diese geht auf die Ende der 1960er Jahre gewonnene Erkenntnis zurück, dass Histamin die Magensäuresekretion über spezifische H2-Rezeptoren stimuliert, und die daraus folgende Entwicklung des ersten spezifischen H2-Rezeptorenblockers Cimetidin.

Durch diese Medikamente konnte im Vergleich zu Placebo – die Placebokontrolle in Therapiestudien war ein wesentlicher Fortschritt, der es erstmals erlaubte, Spontanheilung von Therapieeffekt zu unterschieden – eine beschleunigte Abheilung der Ulzera erzielt werden, nicht aber das typische Rezidivieren dieser Erkrankung. Dies konnte im Übrigen auch durch die Ende der 1980er Jahre entwickelten Protonenpumpenhemmer nicht verhindert werden. Das Diktum „Einmal Ulkuskrankheit – immer Ulkuskrankheit“ wurde erst unterbrochen, als es, beginnend Anfang der 1980er Jahre, den Australiern J.R. Warren und B. Marschall, gelang, den Zusammenhang zwischen einer Besiedelung der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori (damals noch Campylobacter pylori) und Krankheiten wie chronische Gastritis (heute Typ- B-Gastritis), Magenulkus und Duodenalulkus zu beweisen.

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